Genre: Rock’n’Roll, Psychedelic, Metal | Label: Relapse | Unsere Wertung: 7.5/10
Zwei Schritte nach vorne und keiner zurück
„Yellow & Green“ ist weniger ein Doppelalbum. Es sind zwei Alben für
sich. Das muss man wissen, wenn man die neue Baroness zum ersten Mal in
den Händen hält und sich fragt, welches Doppelalbum bisher wirklich
funktioniert hat.
Den Smashing Pumpkins ist es gelungen. Oder beispielsweise den Eels. Es
gibt sie, die guten Doppelalben. Diese Monster. Oft auch Konzeptmonster –
wie etwa das berühmteste: „The Wall“. Baroness’ „Yellow & Green“
ist grundsätzlich gesehen ein Doppelalbum, die Betonung liegt aber mehr
auf Doppel als auf Album. Sie haben sich für nur eine Veröffentlichung
mit 18 Songs entschieden: Tendenziell wohl die falsche Wahl.
„Yellow“: 8.0/10. Es ist klar. Wenn man überall liest, das hier sei kein
Metal mehr, dann geht man auch gleich mit dieser Einstellung hinein.
„Take My Bones Away“ war der erste Song, den man im Vorfeld hören durfte
und einige beschwerten sich bereits, Baroness seien konventioneller
bzw. poppiger geworden. Die Entwicklung ist der von Mastodon nicht
unähnlich: Nach dem grossen Meisterwerk sucht man ein Nebengleis zum
Metal und damit neue Wege. „Yellow“ grenzt sich ab von „Blue Record“.
Das muss einen heute nicht mehr wundern. „March to the Sea“ ist der Hit
auf dem ersten Album. Der erste Überraschungsmoment liefert „Little
Things“. Und eine Anlehnung an ältere Rockmusik ist in „Cocainium“
auszumachen, das vor allem zu Beginn ein klein wenig an Pink Floyd
erinnert. Es ist richtig, dass „Yellow“ weniger Metal ist. Aber es ist
auch nicht so, als würden Baroness auf ihrem Nebengleis in neue
musikalische Gebiete vordringen. Für sie als Band sicher, für uns als
Hörer gibt es jedoch progressivere, innovativere Bands. Trotz alledem,
oder vielleicht auch gerade deswegen, ist „Yellow“ ein hervorragendes
Album geworden. Weil Baroness das, was sie anders machen, verdammt gut
hinkriegen. Besonders die beiden letzten Stücke „Sea Lungs“ und „Eula“
zeigen Baroness als neue Rockband auf allerhöchstem Niveau.
„Green“: 6.5/10. Das zweite Album macht zu Beginn nicht grundsätzlich
etwas anders als das erste. „Board Up the House“ ist ein weiterer Beweis
dafür, warum Liebhaber der 90er auch ohne Metal-Hintergrund Baroness
mögen. Wiederum ist der dritte Song ein Hit: „Mtns. (The Crown &
Anchor)“ muss gerade für diese 90er-Generation einer der besten Songs
über beide Alben hinweg sein. Immer wieder schüchterne Retroanleihen.
Baroness verlieren auf „Green“ leider zunehmend den Fokus, schweifen ein
bisschen gar ab („Foolsong“, „Collapse“) und experimentieren auch mehr
(„Psalms Alive“). Spätestens beim schönen „Stretchmarker“ ist jedem
klar: „Green“ ist ruhiger. Das ist alles nicht schlimm, wirft dann aber
trotzdem die Frage auf, ob nicht zwei individuellere Veröffentlichungen
„Green“ besser getan hätten – oder man doch hätte kürzen sollen.
Ein Mittelwert muss also her, um „Yellow & Green“ in seiner
Gesamtheit gerecht zu werden. Man darf problemlos aufrunden, aber es ist
kein Meisterwerk, auch wenn ambitiös und aufwändig. „Green“ kann nicht
mit „Yellow“ Schritt halten. Baroness ist es nicht gelungen, das
ultimative Doppelalbum zu schreiben. Aber nur wer sich hohe Ziele
steckt, erreicht immer noch viel, wenn man diese knapp verpasst.
Seit 13. Juli 2012 im Handel.
> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label
Anspieltipps:
> March to the Sea
> Eula
> Sea Lungs
> Mtns. (The Crown & Anchor)
> Stretchmarker
Diskographie:
> Red Album (2007)
> Blue Record (2009)
> Yellow & Green (2012)
Ähnliche Künstler:
> Mastodon
> The Sword