Genre: Math-Rock, Experimental, Electronica | Label: Warp Records (Musikvertrieb) | Unsere Wertung: 9.0/10
Die Illusion der Gefälligkeit
Nachdem die aus John Stanier (Helmet/Tomahawk), Ian Williams (Don Caballero/Storm & Stress), David Konopka (Lynx) und dem Komponisten Tyondai Braxton bestehende Band Battles 2007 mit ihrem Debutalbum „Mirrored“ der Komplexität ein Denkmal gesetzt haben erschien nun 2011 ihr zweites Album „Gloss Drop“. Dies jedoch ohne Tyondai Braxton und dem Druck, der durch „Mirrored“ hoch angesetzten Messlatte gerecht zu werden.
Muss man die Battles mit einigen wenigen Worten beschreiben, so wären es diese: Komplexität, Präzision, Überraschungsreichtum und Ironie. Mit dem Ausstieg von Tyondai Braxton haben sie jedoch ein Stilcharakteristikum, den verzerrten und modulierten Gesang, welcher „Mirrored“ entscheiden prägte, verloren. Dadurch haben sie aber auch die Möglichkeit gewonnen ein neues Album zu schaffen, welches nicht direkt mit ihrem wegweisenden Debutalbum konkurrieren muss.
„Gloss Drop“ kommt verführerischer daher als sein Vorgänger und vermittelt einem das kurzfristige Gefühl, dass die Battles dem Pop verfallen sein könnten. Die Rhythmen sind grooviger, fast schon tanzbar geworden. Auch finden sich Melodien, die als eingängig bezeichnet werden könnten, würden sie nicht immer wieder unterbrochen oder verfremdet werden. Bei genauerem Hinhören wird dann auch klar, dass der erste Eindruck der Gefälligkeit bloss Illusion ist. Die Battles sind nach wie vor komplex und experimentierfreudig.
Die besten Beispiele für diesen Spagat sind die Stücke bei welchen Gastsänger – der Rest des Albums ist instrumental - eingesetzt wurden. So zum Beispiel „Ice Cream“. Dieses kommt zuerst wie ein einfaches fröhlich-sommerliches Tanzlied daher, bloss um es gleich wieder zu einem komplexen Gebilde mit vertrakten Rhythmen und disharmonischen Melodien weiterzuentwickeln. Man spürt förmlich die Freude am Spiel mit diesem Kontrast. Und das ist ein wichtiger Punkt, den „Gloss Drop“ äusserst hörenswert macht.
„Gloss Drop“ ist kein Album für Ohren, welche gerne den kurzfristigen Genuss suchen. Das Album braucht Zeit, um zu wirken. Bringt man jedoch als Hörer die Aufmerksamkeit auf, welche es fordert, so wird man mit einem sehr vielseitigen und nachhaltigen Musikerlebnis belohnt.
Seit 28. Mai 2011 im Handel.
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Anspieltipps:
> Ice Cream
> Dominican Fade
Diskographie:
> B (EP, 2004)
> C/B (EP, 2006)
> Mirrored (2007)
> Gloss Drop (2011)