Genre: Rock’n’Roll, Britpop | Label: Beady Eye Records (Musikvertrieb) | Unsere Wertung: 4.5/10
Alle haben recht
Nach der Trennung von Oasis 2009 ging ein kollektives Aufatmen durch das eine, ein kollektives Wehklagen durch das andere Britpop-affine Lager. Übersehen wurde allenfalls das kollektive Achselzucken all derer, die Oasis immer schon für überschätzte und irrelevante Grossmäuler gehalten haben.
Festgefahren genug war die Situation der Briten ja schon länger. Seit gefühlten zehn Jahren gelang ihnen kein gescheiter Song mehr, und der Zwist zwischen den Brüdern Liam und Noel Gallagher war so institutionalisiert wie die Queen. Wer würde da bahnbrechend Neues erwarten, wenn jetzt das erste Album der Nachfolgeband Beady Eye (ohne Noel) erscheint? Der gesottene Fan nicht, der Rezensent nicht, und die Queen sowieso nicht.
Und sie alle haben recht: Beady Eye klingen wie Oasis minus Noel. Das heisst im Einzelnen: Die Hit-Wahrscheinlichkeit ist geringer, die Pennälerlyrikquote höher, der generelle Auftritt etwas rotziger, und im Soundbild hat Andy Bell freiere Hand, es geht also auch ein bisschen zurück in Richtung selige Ride. Wenn Liam einen Song alleine verfasst hat, glaubt man das sofort herauszuhören und ist leider direkt versucht, weiterzuskippen. Das hätte man sich sparen können, wenn zwei, drei Stücke weniger auf dem Album wären, aber die neugewonnene Schaffenskraft will ja auch gezeigt werden.
Einen etwas trügerischen Vorgeschmack hatten Beady Eye bereits im Herbst mit der kostenlosen Vorabsingle „Bring the Light“ gegeben, sehr knackiger, sehr straighter Rock’n’Roll mit „Baby, Come on“, Orgel und Backgroundchören. Auf dem Album dominieren dann zwar doch klassische Britpop-Hymnen, aber es geht oft eine Nummer energischer zu als bei Oasis.
Inspirierend ist das Ganze nie, einzelne Stücke wie „Kill for a Dream“ oder „Three Ring Circus“ sind nachgerade ärgerlich. Nur manchmal, wenn sich Beady Eye an 60s-Beat-Harmonien versuchen, mag einem, wenn man nicht aufpasst, vielleicht doch sogar ein seliges Lächeln ins Gesicht gezaubert werden.
Seit 25. Februar 2011 im Handel.
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Anspieltipps:
> Millionaire
> For Anyone
> The Beat Goes on
Diskographie:
> Different Gear, Still Speeding (2011)
Ähnliche Künstler:
> Oasis
> Ride
> Kula Shaker
> The Monkees