Mit ihrem jüngsten Album ist die Erbin von Legenden der brasilianischen Musik beim Jazz-Riesen Verve untergekommen. Augenfällig sind nur die Veränderungen auf dem Papier, klanglich bleibt Bebel Gilberto den Traditionen und Stimmungen brasilianischer Musik treu und bringt diese dennoch weiter: Gemeinsam mit Produzenten wie John King (Dust Brothers), Carlinhos Brown, Mark Ronson oder Didi Gutman (Brazilian Girls) holt sie den zeitlosen Sound ihrer Vorbilder in die Jetztzeit.
Ambient-Sounds im Hintergrund bleiben im folkigen Opener der stetige Begleiter, so feinsinnig eingesetzt wie sie sind, tragen sie zur traumhaften Stimmung bei, die euphorisiert auf das warten lässt, was noch folgen soll. Die Glückseligkeit und Hingabe, welche die glücklich Verliebte hier an den Tag legt, ist echt und bewegend. Der Eindruck der ersten Minuten täuscht nicht, Bebel Gilberto wird immer besser. Die folkigen Balladen schimmern in akustischen und melancholischen Klangfarben, herrliche Piano-Tupfer und Streicherarrangements verzieren die schönen Melodien von Stücken wie “Cancao D’Amor“ und “Port Antonio“ – so fantastisch sind Bebel Gilberto ihre eigenen Songs bislang nicht gelungen. Auf jedem ihrer Alben, auch hier, finden sich Stücke, die aus fremder Feder sind: “Bim Bom“, ein Hit ihres Vaters Joao Gilberto, ist noch klassischer Bossa Nova, den nur den vom Hocker haut, der das Original nicht kennt, für Staunen sorgt hingegen viel mehr, wie sie es hinkriegt, dass ihre clubbige Version von “Sun Is Shining“ mit dem grossen Original Bob Marleys gleichzieht oder wie sie mit Mark Ronson und den Dap Kings “The Real Thing“, das Stevie Wonder in den Siebzigern für Sergio Mendes schrieb, in einen luftigen 60er-Latin-Soul-Hit verwandelt, der das Original um Längen schlägt.
Allein der Ausflug in den allzu deutlichen Pop, den sie mit dem liebestrunkenen Titelstück wagt, ist nicht wirklich geniessbar, zumindest jetzt nicht, wo der Herbst schon so lange hier ist. Bebel Gilberto und ihrer begnadeten Produzenten- und Musikerschar gelang ein Album, das trotz seiner Modernität in fast jedem Moment zeitlos klingt. Dem Fingerspitzengefühl aller Beteiligten ist zu verdanken, dass “All in One“ gleichzeitig vertraut und modern klingt – und dies bis auf wenige Ausnahmen auch in zehn Jahren noch wird.
Seit 25. September 2009 im Handel.
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Anspieltipps:
> Sun Is Shining
> Chica Chica Boom Chic
Diskographie:
> Geraldo Pereira (1983)
> Bebel Gilberto (1986)
> De Tarde...Vendo O Mar (1991)
> Tanto Tempo (2000)
> Tanto Tempo Remixed (2001)
> Bebel Gilberto (2004)
> Bebel Gilberto Remixed (2005)
> Momento (2007)
> All in One
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> CéU
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