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Beck - Guero (2005) (Geffen Records/Universal Music)

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von Magdalena Oehen am Sonntag, 1. Mai 2005 in Neuerscheinungen   
Der Herr Guero geht dahin, wo es ihm passt.

Beck - Guero (2005) (Geffen Records/Universal Music) Vom durchgeknallten, die Grenzen der Genres verwischenden Debüt "Mellow Gold" über den 96er Meisterstreich "Odelay" zum besinnlichen Post-Breakup Album "Sea Changes" (und einige weitere, hier übersprungene Stationen) reicht die musikalische Palette von Mr. Hansen aka Beck. Nennt man das eine multiple Persönlichkeit? Oder einfach Vielseitigkeit?

Der arme Beck hat's nicht leicht. Wo auch immer in letzter Zeit ein Artikel über den schrulligen Jungen aus L.A erscheint, dürfen folgende zwei Informationen nicht fehlen:
1. Der ist ja bei den Scientologen!
2. "Odelay" war ja so viel besser!
Nun, da wir das hinter uns hätten, können wir uns getrost wichtigeren Dingen zuwenden.
Dass Becks neuester Streich "Guero" die typisch Beck'sche Coolness innehat, ist nicht zu leugnen. Er lässt es vom ersten bis zum letzten Ton unangestrengt und bisweilen äusserst tanzbar grooven, was nicht zuletzt auf die erneute Zusammenarbeit mit dem Produzentenduo The Dust Brothers (u.a. verantwortlich für das bahnbrechende "Paul's Boutique" der Beastie Boys) zurückzuführen ist. Es fällt schwer, einem Song die Krone für den besten Track des Albums aufzusetzen, da sie alle durch ihren individuellen Stilmix verblüffen und beeindrucken. Keiner der Songs lässt sich in ein Genre zwängen - die Einflüsse reichen erstaunlicherweise von West Coast-Hip Hop über LoFi-Indie, Pop, Folk und Funk bis hin zu Lounge- und Electronica-Sounds - und bestechen jeweils mit intelligenten Texten und schrägen Einfällen (vgl. "Missing": fernöstlich angehauchte Streicher kombiniert mit Latinorhythmen). Zu entzückter Begeisterung reissen Becks vor Ironie triefenden White Boy-Rapeinlagen hin; besonders bezaubernd ist der Titeltrack "Que Onda Guero" ("Guero" heisst soviel wie "Käsegesicht" oder eben "White Boy"), der trotz des spanischen Slangs so gar nicht wie der 90er-Smashhit "Loser" klingt - da bleiben nur hartnäckige hard-to-the-core Spassbremsen auf ihren Stühlen kleben. Dass Beck seine Vergangenheit keineswegs vergessen hat, beweisen melancholische downtempo Tracks wie "Broken Drums", eine wenngleich etwas depremierende aber wunderbar spärlich instrumentierte Songperle, die das folkige Gefühl von "Sea Change" wieder aufblühen lässt. Auch mit funkigen Beats weiss der Herr aufzuwarten, so zu hören beim leger groovenden "Hell Yes" oder der ersten Singleauskopplung "E-Pro".
Manche mögen es Schizophrenie nennen, ich tendiere eher zu Versiertheit. Denn Mr. Beck Hansen vermag seine multiplen Persönlichkeiten mit einem Meistertrick zu kombinieren und daraus etwas Eigenes und Eigenständiges zu kreieren. Hut ab, Herr Scientologe. Hoppla, ist mir so rausgerutscht.


Seit 21. März 2005 im Handel.

Anspieltipps: Que Onda Guero, Hell Yes, Broken Drum
similar artists: Pavement, Ween

⇒ Hören und Kaufen ⇒ Offizielle Seite ⇒ Label ⇒ CH-Vertrieb

Bio:
Beck Hansen wurde 1970 in Los Angeles in eine Familie von Künstlern geboren. Er brach die Schule nach der zehnten Klasse ab und versuchte, sein Geld als Strassenmusiker zu verdienen. Nach einem Jahr in New York zog er zurück nach L.A. und wurde 1991 unabhängig voneinander von zwei Produzenten entdeckt. Er nahm seine erste 12" Single "Loser" auf, die sofort zum Smashhit auf den alternativen Radiostationen avancierte. Er nahm das Angebot für einen Plattenvertrag bei Geffen Records an und veröffentlichte 1994 sein Debütalbum "Mellow Gold". Der ungeheure kommerzielle Erfolg des Albums kam nicht nur für Beck unerwartet. Er veröffentlichte neben seinen Geffen-Releases weiterhin Alben auf kleineren Independent Labels. 1996 brachte er das Nachfolgealbum "Odelay" auf Geffen Records heraus, das bei Kritikern und Publikum gleichermassen Anklang fand. Beck liess sich nicht in eine Schublade stecken und veröffentlichte nacheinander mehrere Alben, die sich in ihrem Stil völlig voneinander unterschieden. Das brachte ihm höchstwahrscheinlich das viel benutzte Attribut "leicht schizophren" ein. Mit seinem neuesten Album "Guero" soll sich Beck wieder auf seine "Odelay"-Wurzeln besonnen haben.

Beck - Guero (2005) (Geffen Records/Universal Music)
Diskographie:
⇒ Mellow Gold (1994)
⇒ Stereopathetic Soul Manure (1994)
⇒ One Foot In The Grave (1994)
⇒ Odelay (1996)
⇒ Mutations (1998)
⇒ Midnight Vultures (1999)
⇒ Sea Change (2002)
⇒ Guero (2005)

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