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Beck - Modern Guilt

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von Philippe Feer am Dienstag, 19. August 2008 in Neuerscheinungen   

Genre: Rock  |  Label: XL Recordings (Musikvertrieb)  |  Unsere Wertung: 8.0/10

Modern GuiltDie Jugend von heute
Beck ist fast 4O, traut sich aber erst jetzt zurück in die 60er-Jahre; und dort war er tatsächlich noch nie.

Orientierungslos war Beck Hansen schon immer. Wer verzieh ihm damals den plötzlichen Sprung vom folkigen "Mutations" zum Disco-"Midnite Vultures", und dann den noch grösseren Schritt zum tieftraurigen "Sea Change".
Mit den langen Haaren und der Abkehr vom Elektro und Hip-Hop aus "The Information" bleibt ein naiver Beck zurück, der die Welt nicht mehr versteht. "Was it all an illusion?/ Or a mirage gone bad? / I'm tired of evil  / And all the things / That I don't know".

Sinnlos, wertlos und glanzlos ist die Aussage bei "Modern Guilt" geworden. Der Gesang von Cat Power ("Orphans" und "Walls") ist nur schwer zu erkennen, ein leises Seufzen in der brachialen Welt. Beck steht zum Zweckoptimismus. Danger Mouse, der kreative Kopf hinter Gnarls Barkley, gibt mit übertriebenen 60er-Beats und Loops seinen Senf dazu. In dieser Entleertheit, in diesem Sumpf hat sich Beck schon immer am besten zurechtgefunden. Bedeutungen sind schwer zu finden, die Verschrobenheit steht niemandem so gut wie ihm.
"And this life it goes by fast / You're treading water in the past / Trying to reanimate something that you can't understand".

Schwerelos sind die wundervollen Streicher zum Schluss von "Chemtrails", dem ergreifendsten und herausragendsten Song seit "Sea Change". Dem zögerlichen Abheben folgt der Blick über Städte, Gewässer, Welten. Mit seiner Stimme verschwinden die Städte, versiegen die Seen und die einzelnen Planeten sind nicht mehr auszumachen. Man hofft nur, dass seine Flügel tragen. "Down by the sea / So many people falling in time / You and me watching the sea full of people / Try not to drown"

Kraftlos war der Auftritt am Openair St. Gallen. Sein Zustand verändert sich mit der Musik oder umgekehrt. Ein Vollblutmusiker, der mit lässigen Begriffen wie Sekte und Depression nicht zu beschreiben ist. Einmal hat er dann doch noch die Kraft, gerade im reduziertesten und traurigsten Lied "Volcano" einen ganzen Satz zu bilden, Details zu vereinen:  "And I heard of that Japanese girl / Who jumped into the volcano / Was she trying to make it back / Back into the womb of the world".

Beck hat ein schweres Los, aber wenn man auf ihn setzt, gewinnt man immer.

Seit 4. Juli im Handel

Anspieltipps:
Gamma Ray, Chemtrails, Walls, Volcano
Trackliste: 1) Orphans; 2) Gamma Ray; 3) Chemtrails; 4) Modern Guilt; 5) Youthless; 6) Walls; 7) Replica; 8) Soul Of A Man; 9) Profanity Prayers; 10) Volcano
similar artists: Beta Band, Gorillaz, Eels, Flaming Lips, Beach Boys, Elbow, Phoenix

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb

Beck
Diskographie:
> Stereopathetic Soulmanure (1994)
> Mellow Gold (1994)
> One Foot In The Grave (1994)
> Odelay (1996)
> Mutations (1998)
> Midnite Vultures (1999)
> Sea Change (2002)
> Guero (2005)
> Guerolito (Remix) (2005)
> The Information (2006)
> Modern Guilt (2008)
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