Zach Condon hat seine Zelte im Balkan abgerissen und zusammen mit seinen Freunden in Frankreich wieder aufgebaut.
Ah, Beirut. Nur zu gern erinnert man sich zurück an den Frühling im Jahr 2006, als der Jüngling aus New Mexico mit seinem Balkan-Pop Kritiker und Hörerschaft gleichermassen entzückte. Nun setzt der junge Barde zum zweiten Streich an, hat dafür dem Osten den Rücken gekehrt und den Blick gen Westen gerichtet: In Paris hat Zach Condon seine neue Muse gefunden, sich von französischer Musik und Kultur und Künstlern wie François Hardy und Jacques Brel inspirieren lassen. Tatsächlich zeugen die dreizehn neuen Songs davon, dass sich Zach Condon ganz dem Pariser Leben hingegeben hat. Ein im 3/4-Takt schaukelndes Akkordeon in „Cliquot“ etwa, oder nostalgische Streicher und Bläser in „Forks and Knives“ evozieren imaginäre Bilder in Sepia von Strassencafes im Montmartre und Lichtern, die sich nachts in der Seine spiegeln.
War „Gulag Orkestar“ noch weitgehend ein Alleingang von Zach Condon, hat er sich für dessen Nachfolger mit Freunden umringt und so zum ersten Mal ein eigentliches Bandalbum geschaffen. So wechseln sich opulente Arrangements mit Streichern, Bläsern und Akkordeon ab mit spartanisch instrumentierten Passagen, immer getragen von Zach Condons schwelgender, biergetränken Stimme.
Bedenkt man das Alter des Jünglings, ist man einmal mehr in Staunen versetzt. Dass ein 21-jähriger Songs von solch ausgereifter Schönheit und Intensität schreiben kann, ist schwer fassbar. Und obwohl „The Flying Cup Club“ nicht die sofortigen Lieblingstracks hervorzubringen vermag wie „Gulag Orkestar“, so scheint das Album als Ganzes doch kohärenter und – ich scheue mich davor, es zu sagen, und doch: ausgereifter und erwachsener. Ich jedenfalls ziehe den Hut vor so viel jungem Genie.
Seit 9. Oktober 2007 im Handel
Anspieltipps: Nantes, The Penalty, Forks and Knives (La Fête)
Trackliste: 1) A Call To Arms; 2) Nantes; 3) A Sunday Smile; 4) Guyamas Sonora; 5) La Banlieue; 6) Cliquot; 7) The Penalty; 8) Forks and Knifes (La Fête); 9) In The Mausoleum; 10) Un Dernier Verre (pour la route); 11) Cherbourg; 12) St. Apollonia; 13) The Flying Club Cup
similar artists: Sufjan Stevens
> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb
Bio:
Schon mit fünfzehn Jahren soll der aus Albuquerque stammende Zach Condon sein erstes Album aufgenommen haben, mit sechzehn hat er die Schule geschmissen um durch Europa zu reisen, wo er zum ersten Mal die Musik hörte, die zur Grundlage seines gelungenen Debüts „Gulag Orkestar“ (2006) werden sollte: Balkan Folk und Gypsy. Nach Reisen durch Frankreich veröffentlicht der 21-Jährige seinen zweiten Longplayer „The Flying Club Cup“.