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Belasco - 61

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von Christoph Zurflüh * am Freitag, 13. April 2007 in Neuerscheinungen   
Genre: Britrock
Label: Supermusic
CH-Vertrieb: Phonag
Unsere Wertung:Belasco - 61


Keine Pausenmusik
61Im Zivilschutz musste man sich während endlosen Pausen zu beschäftigen wissen; ich entschied mich für Belasco.

Ausgiebige Pausen gehören ebenso zum Zivilschutz wie Keller auspumpen oder Personen aus Trümmern bergen. Dies durfte ich in der vergangenen Woche am eigenen Leib erfahren. Pausen an sich sind nichts Schlechtes, da ich aber zur Spezies der Nichtraucher gehöre (Ja, es gibt noch Musiker, die noch nicht der Glimmstängel-Sucht verfallen sind),  musste ich mich im Zivilschutz während der schier endlos langen Pausen anderweitig beschäftigen. So kam es, dass ich meinen portablen CD-Player zur Hand nahm und mir die neue Belasco Platte „61“ einverleibte.

Obwohl Belasco mit „61“ bereits ihr viertes Studioalbum veröffentlichen, ist die britische Band relativ unbekannt. Die drei Londoner brauchen sich aber vor verwandten Bands wie Starsailor, Dredg oder Feeder nicht zu verstecken:
Der Opener „The Earth“ ist ein frischer, mit eingängigem Refrain garnierter Rocksong, der von der ersten Sekunde an richtig einfährt und sicher zu den Perlen auf diesem Album gehört. Der Beginn von „Swallow“ lässt zunächst eine Ballade vermuten, doch schon nach knapp einer Minute mutiert der Song zu einer epischen Rocknummer. Die Stimme vom Sänger Tim Brownlow wechselt geschickt zwischen gefühlvoll atmosphärisch und dreckig rau.
Punkige Sachen à la The Smiths sollten Belasco lieber sein lassen, denn „On A Wire“ wirkt sehr aufgesetzt und passt nicht auf die eher sphärische Platte. Auf diesen mässigen Song folgt aber wieder ein wahrhaftiges Glanzstück mit dem Titel „In The End“. Belascos Stärken liegen definitiv im druckvollen, konkreten, aber gefühlsvollen Rock. Genau dieses Talent schöpfen sie bei „In The End“ perfekt aus. Bei solchen Songs frage ich mich, warum die Band nicht so bekannt ist wie Starsailor und Co. Das muss wahrscheinlich daran liegen, dass Belasco manchmal zur Belanglosigkeit neigen und Songs schreiben, die zwar nicht schlecht sind, aber einem nicht im Schädel bleiben. Solche Songs sind „Ask me“, „Butterflies“, „What If God“ oder „Joseph Conin“; letzterer erinnert eher an eine seichte Hardrock-Hymne, als an einen grossen Britpopknaller.
Das akustische „Lawman“ und das melancholische Coldplay-artige „Finest Things“ geben dem Album „61“ jedoch einen versöhnlichen Schluss. Insgesamt liefern die Briten ein respektables viertes Studioalbum an den Tag. Zu dieser Platte legt man sich am besten auf das Bett und denkt über Dinge nach, über die man schon lange nachdenken wollte. Als Rauchpausen-Ersatz im Zivilschutz taugt „61“ von Belasco eher nicht, dafür umso mehr für die tristen Nächte im Zivilschutzbunker.


Seit 23. Februar 2007 im Handel.

Anspieltipps: Swallow; In The End
Trackliste: 1) Intro; 2) The Earth; 3) Swallow; 4) On A Wire; 5) In The End; 6) Ask Me; 7) Butterflies; 8) What If God; 9) Lawman; 10) Joseph Conin; 11) Finest Things
similar artists: Dredg, Starsailor, Coldplay, Feeder

> Hören und Kaufen
> Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb

Bio:
Die Band um den Sänger und Gitaristen Tim Brownlow, dem Bassisten Duff Battye und dem Schlagzeuger Bill Cartledge gründete sich im Jahr 2000 und unterschrieb schon nach ihrem zweiten Gig beim angesehenen Indielabel Splendid/City Slang (Lambchop, Wheat) ihren ersten Plattenvertrag. Ihr Debüt "Simplicity" wurde von Charlie Francis (REM, Turin Breaks) produziert und stieß bei Kritikern im Vereinigten Königreich auf viel Beifall. Weltweit verkauften sie über 30.000 Platten und spielten allein im 2003 150 Konzerte rund um den Globus.

Die Band hat drei weitere Alben beim Indielabel Supermusic sowie dessen internationalen Partnern herausgebracht - "Technique" (2002), "Knowing Everyone's Okay" (2003) und das Best-of-Album "Something Between Us" (2006) - die aufgenommen wurden unter der Mithilfe von Fulton Dingley (Kula Shaker, Gomez, Placebo) und dem legendären Hugh Jones (Bluetones, Echo & the Bunnymen and Hope Of the States).

Anfang 2005 gipfelte der Erfolg der Band in einem Deal mit dem Label Vertigo/Mercury (Razorlight, Thirteen Senses). Wie viele kleinere Bands vor ihnen bekamen aber leider auch Belasco die dunkleren Seiten der Major Labels und deren Budgetkürzungen in letzter Zeit zu spüren und so endete die Zusammenarbeit mit Mercury auf recht bittere Art und Weise urplötzlich und schon Mitte 2005.
Trotzdem nahm die Band im Jahr 2006 dennoch die nächste Stufe auf dem Weg nach oben. Im Hollywoodfilm "Incubus" tauchten Stücke der Band auf, ebenso im Videospiel Fifa Soccer 2007 von EA Sports und in der großen US-Show "One Tree Hill".

Währenddessen arbeitete die Band an ihrem neuen Album "61". Es ist das bisher mit Abstand ambitionierteste Werk der Band und gleichzeitig perfekt geeignet, die Bandbreite von Belascos Sound zu präsentieren. Das Ganze wurde produziert vom verheißungsvollen Produzenten-Talent Richie Kayvan, der auch schon für Oasis und Supergrass gearbeitet hat. Für das Mastering verantwortlich war der legendäre Tom Baker, bekannt durch seine Arbeit für die Beastie Boys, Marilyn Manson und Nine Inch Nails.

Belasco
Diskographie:
> Car EP (2001)
> Technique (2002)
> Knowing Everyone’s Okay (2003)
> Something Between Us (2006)
> 61 (2007)



* Gastautor Christoph Zurflüh ist Mitglied der Luzerner Band 7 Dollar Taxi.
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