Die Frage ist ja: Soll ein Künstler an einem einmal bewährten Rezept festhalten und Platte nach Platte mit gleich bleibendem Sound veröffentlichen, oder soll er es wagen, sich weiter zu entwickeln, auch wenn das einen eventuellen Fanverlust bedeuten sollte? Ben Harper, sofern der sich so was überhaupt überlegt, muss genau in solch einem Dilemma stecken. Seit 1994 veröffentlicht der Kalifornier Alben beinahe im Einjahresrhythmus, die sich, mal abgesehen von der Kollaboration mit der Senioren-Gospelkapelle Blind Boys of Alabama aus dem Jahr 2004, musikalisch nicht nennenswert voneinander unterscheiden.
Was Ben Harpers unglaublichen Output an Alben jedoch rechtfertigt, ist seine Stilvielfältigkeit. Von Folk über Gospel und Blues bis hin zu Rock (was ihm den weniger netten, aber doch irgendwie gerechtfertigten Vergleich mit Lenny Kravitz eingebracht hat) bietet er auch auf „Both Sides Of The Gun“ so ziemlich alles, was das Ben Harper-Fanherz höher schlagen lässt. Obwohl die 18 Songs gut auf einen einzigen Rohling gepasst hätten, ist es ein Doppelalbum geworden, um, wie Ben Harper erklärt, seine beiden Seiten deutlicher hervorzuheben: die introvertierte, melancholische und die extrovertierte, politische Seite. So ist denn Disc One voll mit melancholischen, bisweilen etwas pathetischen Balladen wie das mit Streichern unterlegte „Morning Yearning“ oder das sehnsuchtsvolle „Waiting For You“, das von Ben Harpers Talent für berührende Melodien zeugt. Auf Disc Two hingegen sind Protestsongs gegen die Regierung Bush („Black Rain“) und viel Funk und Kravitz-Rock zu hören („Both Sides Of The Gun, „Get It Like You Like It“).
Wenn man Ben Harper kennt und mag, kann man „Both Sides Of The Gun“ hören und wird ihn immer noch mögen. Wenn man Ben Harper immer noch nicht kennt, kann man mit „Both Sides Of The Gun“ einsteigen, ohne sich gezwungen fühlen zu müssen, den ganzen Rest ebenfalls zu erwerben (ausser „Live From Mars“, die ist wirklich gut!). Und genau das ist der Grund, wieso es hier nicht über die drei Sternchen hinaus reicht.
Seit 17. März 2006 im Handel.
Anspieltipps: Waiting For You; Both Sides Of The Gun
Trackliste: Disc 1: 1) Morning Yearning; 2) Waiting For You; 3) Picture In A Frame; 4) Never Leave Lonely Alone; 5) Sweet Nothing Serenade; 6) Reason To Mourn; 7) More Than Sorry; 8) Cryin’ Won’t Help You Now; 9) Happy Everafter In Your Eyes
Disc 2: 1) Better Way; 2) Both Sides Of The Gun; 3) Engraved Invitation; 4) Black Rain; 5) Gather ‘Round The Stone; 6) Please Don’t Talk About Murder While I’m Eating; 7) Get It Like You Like It; 8) The Way You Found Me; 9) Serve Your Soul
similar artists: G.Love,
Jack Johnson, Lenny Kravitz
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Bio:
Ben Harper wuchs in den Vororten von Los Angeles auf und ist seit seiner Kindheit ein Fan von Jimi Hendrix und Bob Marley. Zwei Jahre nachdem er von Taj Mahal entdeckt wurde, veröffentlichte er 1994 sein Debütalbum "Welcome To The Cruel World". Obwohl kein Album des Singer/Songwriters je eine wirklich hohe Chartsplatzierung erreichte, verschafften ihm sein eindrücklicher Umgang mit der Steel-Gitarre, sein Engagement für Minderheiten (Auftritte an Benefizkonzerten, u.a. für die Befreiung Tibets) und seine ausgedehnten Touren eine stetig grösser werdende Fangemeinde. 2005 veröffentlicht Ben Harper nach "Live From Mars" sein zweites Live-Album "Live At The Apollo", zusammen mit dem Gospel-Trio Blind Boys Of Alabama, bereits ein Jahr später folgt sein nunmehr siebtes Studioalbum „Both Sides Of The Gun“.