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Benjamin Biolay - A L'Origine (2005) (Virgin Music/EMI Music)

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von Magdalena Oehen am Sonntag, 1. Mai 2005 in Neuerscheinungen   

Benjamin Biolay: Verhinderter Rockstar?

Benjamin Biolay - A L'Origine (2005) (Virgin Music/EMI Music) Auch auf seinem dritten Solowerk nimmt sich Benjamin Biolay die Freiheit, die Grenzen des französischen Chansons auf eigene Faust auszuweiten. Im Falle von "A L'Origine" en direction Rock.

Offensichtlich hat Benjamin Biolay bei der Produktion des neuen Albums seiner Schwester Coralie Clement Gefallen an für ihn ungewohnten Klängen gefunden und diese auf "A L'Origine" kräftig miteinfliessen lassen. Laute Gitarren und chaotisch ausufernde Streicherarrangements lösen die für Biolay so typischen Sambarhythmen ab. Aber keine Angst. Benjamin Biolays grosses Verdienst ist es, neben seiner aussergewöhnlich eindringlichen Stimme natürlich, die ausgefallenen Arrangements zusammenzuhalten und ihnen schlussendlich doch den Spempel "Chanson Francaise" aufzudrücken.
Der erste und zugleich auch der Titelsong des Albums ist ein sechsminütiges, hypnotisches Oeuvre, das zum Schluss in Geschrei und Chaos ausartet. Endet so die Welt gemäss Benjamin Biolay? Überhaupt gibt sich der junge Franzose kritisch, gemischt mit einer gehörigen Portion Sarkasmus und Humor ("Ground Zero Bar"), kann sich andererseits aber auch im Herzschmerz verlieren ("Adieu Triste Amour" - wunderbar schlichtes, balladeskes Duett mit alter Freundin Francoise Hardy). Man wünscht sich beizeiten öfters ruhige, schlichte Songs mit sparsameren Arrangements (z.B. "Dans Mon Dos"), bei denen Benjamin Biolays tiefer, eindringlicher Croon und seine smarten Lyrics zur Geltung kommen. Andere, anstrengendere Songs benötigen mehrere Hördurchgänge, um sich dem Zuhörer zu offenbaren. "L'Appat" überrascht und verwirrt anfänglich mit Hip Hop-Beats und reichlich schrägen Effekten, überzeugt aber bei näherem Hinhören durch den lockeren Groove und intelligente Wortspiele. Ebenso ungewohnt kommt "Cours!" daher; die in ihren Ansätzen an Ska erinnernden Offbeats und die unruhige Stimmung erschweren den Zugang zu dem Song erheblich. Dieser Tiefpunkt wird jedoch von "Paris, Paris" sofort wieder wettgemacht: Die ungewöhnliche Hommage an die Metropole besticht durch ihren folkig-poppigen Charakter und Benjamin Biolays Stimme, die so wunderbar an Serge Gainsbourg erinnert.
Grundkenntnisse in französischer Sprache sind auf jeden Fall zu empfehlen. So können sich Hörer, denen Benjamin Biolays rockige Klänge widerstreben, zumindest an den gewohnt philosophischen und wortgewandten Lyrics des jungen Franzosen erfreuen.


Seit 29. März 2005 im Handel.

Anspieltipps: Mon Amour M'A Baise, Dans Mon Dos, Adieu Triste Amour
similar artists: Stefie Shock, Serge Gainsbourg

⇒ Hören und Kaufen ⇒ Offizielle Seite ⇒ Label ⇒ CH-Vertrieb

Bio:
Benjamin Biolay wurde 1973 in der Nähe von Lyon geboren. Er und seine zwei Schwestern wurden von ihren Eltern schon als Kleinkinder mit Musik in Berührung gebracht. Als Teenager besuchte er die örtliche Musikschule und lernte Geige und Tuba spielen. Bald stellte sich heraus, dass der Junge ein echtes Talent für Musik besass, daher schrieb er sich im prestigeträchtigen Konservatorium von Lyon ein, wo er sich ganz der Posaune widmete. 1990 kam er auf den Geschmack von Rock- und Popmusik und brachte sich mithilfe von MTV selbst bei, Gitarre zu spielen. Benjamin Biolay begann sich von der klassischen Musik wegzubewegen und versuchte sich Anfang der 90er-Jahre erstmals als Songwriter, seine ersten Demotapes entstanden. 1992 veröffentlichte er als Leadsinger der Rock-Band Mateo Gillian sein wenig beachtetes Debütalbum. Nachdem sich die Gruppe aufgelöst hatte, wurde er 1996 von EMI unter die Fittiche genommen. Bis zur Veröffentlichung seines Solodebüts "Rose Kennedy" war Benjamin Biolay unter anderem als Songwriter und Produzent für Keren Ann und Isabelle Boulay tätig. "Rose Kennedy" wurde von Kritikern und Zuhörerschaft sofort ins Herz geschlossen und verhalf Benjamin Biolay zu ungewohnter Berühmtheit. Trotzdem arbeitete er weiter als Songschreiber und Produzent, ohne jedoch seine eigene Karriere zu vernachlässigen. Nach "Negatif" (2003) erscheint nun sein neues Album "A L'Origine".

Benjamin Biolay - A L'Origine (2005) (Virgin Music/EMI Music)
Diskographie:
⇒ Rose Kennedy (2001)
⇒ Negatif (2003)
⇒ Home - Benjamin Biolay mit Chiara Mastroianni (2004)
⇒ A L'Origine (2005)

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