Genre: Ambient, Psychedelic | Label: Denovali (Creative Eclipse) | Unsere Wertung: 8.0/10
…mich däucht, ich träumte von Sternenfall
…von blasser Augen weinendem Flehn, von eines Lächelns Widerhall – doch könnt' ich seinen Sinn nicht verstehn.
In welch subjektive Gefilde man sich begibt, wenn man über das Verstehen und Empfinden von Musik spricht, dürfte wohl speziell für das Genre des Ambient gelten. Ist es doch eher schwierig, sich im Rausch solch atmosphärischer Klänge, wie sie uns Bersarin Quartett überlässt, in ein gesellschaftliches Miteinander einzuklinken, welches sich (wie man es heutzutage an doch so vielen Konzerten erlebt) der Musik überzuordnen vermag.
Man wird sich beim Anhören von "II", dem Zweitwerk des deutschen Elektronik-Künstlers Thomas Bücker kaum in Laune bringen lassen, einem verschwitzten Gegenüber Bier über den Pulli kippen zu wollen, geschweige denn, sich diese Musik überhaupt im Stehen anzuhören. Das Erleben dieses Werks beruht auf einer weit reduzierteren Form von Zuhörerschaft, einem stillen Eingeständnis des eigenen Verlorenseins und der Möglichkeit sich dessen im Angesicht ursprünglichsten Wirkens eines Geräuschs bewusst zu werden, sich auch irgendwie damit anzufreunden.
Bersarin Quartett spielt mit einer interessanten Form lyrischer Ästhetik. So gesteht er Georg Trakl in seinen Danksagungen Credits zu und erinnert mit den Titeln seiner Stücke durchaus auch an dessen symbolreiche, expressionistische Dichtung.
Da lassen Titel wie "der Mond, der Schnee und Du" dem Zuhörer genügend assoziativen Spielraum, sich die einzelnen Stücke nach eigenem Gutdünken zurechtzulegen, sie sich anzueignen. Es mag sich wer in entlaubten Wäldern über feine Schneedecken wandeln sehen, wer anders verliert sich in einer letzten leidenschaftlichen Umarmung, während irgendwo – ganz weit weg – die Welt in lautlosem Tosen auseinanderbricht. Bilder gäbe es genug. Und "II" bietet grosszügig Zugang dazu.
Anders als andere Vertreter des Ambient-Genre gelingt Bersarin Quartett mit seiner neusten Platte die heikle Gratwanderung zwischen kontemplativer, wunderschöner Stimmungen und schierer Langeweile. Geschickt wird hier auch die Gefahr des Kitschigen umgangen, zu kalt und leblos wirken die Kompositionen, zu entfernt sirren sich die Streicher den Klaviertasten unter, als dass sich der Hörer belästigt fühlen könnte. Was man auch an diesem Album finden mag, man muss es sich suchen.
Und das empfiehlt sich. Unbedingt.
Seit 20. April 2012 im Handel.
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Anspieltipps:
> Perlen, Honig oder Untergang
> Jedem Zauber wohnt ein Ende inne
Diskographie:
> Bersarin Quartett (2008)
> II (2012)
Ähnliche Künstler:
> Bohren & der Club Of Gore
> The Cinematic Orchestra
> The Caretaker