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Bewitched Hands on the Top of Our Heads - Birds & Drums

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von Severin Kolb am Montag, 6. Dezember 2010 in Neuerscheinungen   

Genre: Psychedelic Rock  |  Label: Savoir Faire / Jive Epic (Sony)  |  Unsere Wertung: 7.0/10

Birds and DrumsSchillernde Paradiesvögel
Wie verrückt! Die wilde französische Band präsentiert sich auf ihrem Debütalbum als eine Mischung aus Muppetshow, euphorischem Schülerchor und Pete Seeger-Singalong-Truppe. Sie haben Pop und psychedelische Pilze mit den Löffeln gefressen und brennen auf ihrem Erstling ein Feuerwerk an Referenzen und musikalischen Ehrerweisungen ab.

Wenn es nach dem akustischen Input geht, müssten The Bewitched Hands mindestens hundert Bandmitglieder haben. Sie werfen sich auf alle möglichen Instrumente und wo noch nicht genügend viele Soundschichten übereinander gelagert sind, verstärken sie die Harmonien durch kollektiven Gesang. Überhaupt ist der Gesang allgegenwärtig und vielleicht das wichtigste Instrument auf dem Album. Im Arsenal sind hysterische Schreie ("So Cool"), Stimmsamples im Hängende-Nadel-Modus nach Animal Collective-Manier ("Hard to Cry"), schräges Dschungel-Gebrüll ("Kings Krone") und immer und immer wieder verfremdende Effekte. Die Band macht einen enorm spiel- und experimentierfreudigen Eindruck, doch bleibt sie innerhalb der einzelnen Songs stets im Rahmen des von andern Bands bereits Entdeckten.

Stärke und Schwäche zugleich ist daher die Heterogenität des Albums. Vom Opener "Happy With You" ist es kein weiter Weg mehr zum Britpop der Neunziger, vor allem zu den Krishna-Rockern und verzückten George Harrison-Neffen von Kula Shaker. Deren Verwendung von Sitar- und Hammond-Klängen findet hier ein französisches Äquivalent, das mächtig nach vorne geht. Britisch bleibt es auch bei "Underwear", das sich bei Beatles und den Kinks bedient. Überraschend hart haut dann "Cold" auf die Fresse. Doch der Track bleibt der einzige, der den Exkurs in Richtung Garage Rock wagt. Auf "Work" klingt die Truppe chortechnisch wie ein Laienchor, dirigiert von Pete Seeger, doch dies schadet dem Song kein bisschen, im Gegenteil: Es entsteht äusserst charmanter Hippie-Gospel, wie er seit kurzem sehr erfolgreich von Edward Sharpe und seinen Jüngern zelebriert wird. Auch Neil Young ist im Geiste anwesend in "2 4 Get", nicht zuletzt wegen der Stimme des Sängers, der hier gegen Ende der Platte seinen Einstand liefert! Auch am Ende der Platten ergeben sich weitere Referenzen: "Sahara Dream" spielt mit der Wall of Sound, inklusive Ronettes-Drums.

Dass sich die Band selbst nicht ganz so ernst nimmt, zeigt der leicht sinnentleerte Videoclip zum "Sea" bei dem sich die Band in Ritter-Pappkostümen, die sehr aufwendig gestaltet sind, gegenseitig niedermetzelt. Wenn sich der Rauch des Kampfes verzogen hat, bleibt unter dem Strich eine unterhaltsame Fahrt durch die Popgeschichte und eine Handvoll wirklich gute Tracks.

Seit  22. Oktober 2010 im Handel.

> Hören und Kaufen > MySpace > Label > CH-Vertrieb

Anspieltipps:
> Work
> Happy With You

Diskographie:
> Hard to Cry EP (2008)
> Sea EP (2010)
> Birds & Drums (2010)

Ähnliche Künstler:
> Edward Sharpe and the Magnetic Zeros
> Local Natives
> Magic Kids
> Avi Buffalo
> Cymbals Eat Guitars
> Morning Benders
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