Björk gehört zu jener Gruppe von Künstlern, für die
das Wort "Definitiv", wie in "Definitive Version eines Songs", keine
Bedeutung hat. Sobald ein Track auf ein Album gebannt wurde, wird er bereits wieder zum Bearbeitungsobjekt, sei es in Form von Remixes oder
Neuinterpretationen.
Für beides lässt sich Björk sehr gerne mit anderen Musikern ein. Und jene sollen, so macht es den Anschein, wohl am besten Musikinstrumente mitbringen, die mit dem originalen Genre so wenig wie möglich zu tun haben. Bisher herausragendstes Beispiel war wohl die DVD ihres MTV-Unplugged-Konzerts: "Human Behaviour" mit Cembalo, "One Day" mit allerlei Percussion und Tabla, "Come To Me" mit einem Glasspieler und Querflöte. Dabei geht es aber weniger darum, die prinzipielle Struktur zu verändern, sondern eher darum auzuprobieren, mit welchen anderen Instrumenten die Tracks auch noch gut klingen könnten.
Und mit "Voltaic" hat Björk, ähnlich wie schon damals mit "Family Tree", eine Sammlung aus CDs und DVDs veröffentlicht. Dieses Review hier bezieht sich auf die CD "Songs From The Volta Tour / Performed Live at Olympic Studios". Mit knapp der Hälfte stammen die meisten Tracks auf diesem Album von Björks letztem Album "Volta".
Im Grad der Neudefinition oder Abwandlung der Instrumentierung unterscheiden sich die Songs jedoch relativ stark. Gewisse Songs, so zum Beispiel der erste des Albums, "Wanderlust", weicht nicht gross von der erstveröffentlichten Albumversion ab. Auch hier waren Bläser im Studio, und die Drumcomputer und die ganze Elektronik waren scheinbar identisch programmiert. Der grösste (und beinahe einzige) Unterschied ist, dass die Gesangsstimme nicht mehrfach eingespielt wurde (also ohne Stimm-Overdubs).
Ein wenig anders bei "Hunter", vom '97er Album "Homogenic": Zwar wurden auch hier die ganzen elektronischen Drums eins zu eins übernommen, auf der anderen Seite spielt in dieser Studio-Liveversion auch eine kleine Orgel und wieder die oben genannten Bläser. Noch einen Schritt weiter geht Björk mit dem einzigen Stück vom Album "Medúlla": Die ganze Gesangsbegleitung wäre wohl in diesem Rahmen nicht umsetzbar gewesen, woraufhin "The Pleasure Is All Mine" von einer Orgel und den Bläsern begleitet wird. Dies ist vielleicht ein Entgegenkommen an jene Björk-Hörer, die mit dieser eher experimentell anmutenden Stimmakrobatik auf "Medúlla" nicht so viel anfangen konnten.
Auch sehr wenig verändert und deshalb weniger erwähnenswert ist der Track "Innocence": Man hört auch hier immer noch ganz klar den Einfluss von Co-Produzent Timbaland. Sehr viel erwähnenswerter ist hingegen "Army Of Me", seit je her einer der verstörendsten und gewaltigsten Tracks der Isländerin; hier hört man förmlich die Landschaft mit Vulkanen und Geysiren. Denn auch die Beats und die Elektronik wurden hier angepasst, kratziger gemacht, die Stimmung noch weiter in Richtung Industrial geschoben. Auch "I Miss You", dessen Original ebenfalls von "Post" stammt, wurde "organischer" gemacht: Elektronik wurde stellenweise durch echt gespielte Drums ersetzt, die Bläser spielen; das ganze klingt weniger steril und lebendiger.
Mit den letzten drei Volta-Tracks "Earth Intruders", "Vertebræ By Vertebræ" und "Declare Independence" merkt man dann, dass an jenen doch am wenigsten verändert wurde. Da alle drei hauptsächlich von der Elektronik getragen werden und an dieser kaum etwas angepasst wurde, muss man die Unterschiede zu den Albumversionen doch recht genau suchen. "All Is Full Of Love" hingegen klingt im Unterschied dazu doch sehr aufgefrischt. Dass es, neben der Neuinterpretation von "Army Of Me" der Höhepunkt des Albums ist, liegt vor allem daran, dass verglichen mit dem Original auf "Homogenic" eine Drumsection hinzugefügt wurde. Das klingt dann eher wie einer der zahlreichen Remixe, zum Beispiel nach jenem von Funkstörung. Aber wirklich hervorragend sind die Bläser umgesetzt, welche in dem schwelgenden Teil gegen Ende des Songs nochmal alles geben. "Pagan Poetry" dann ist vor allem deshalb noch interessant, da die "Chöre aus Björk" mit Frauenchören umgesetzt wurden. Diese geben dem Song, der ansonsten kaum verändert wurde, nur einen leicht anderen Touch.
Wer also ein Album im Stile der "Unplugged"-DVD erwartet, bei dem alle Songs völlig anders klingen und neu interpretiert wurden, den könnte die CD "Songs From The Volta Tour" von der Voltaic Collection leicht enttäuschen. Bis auf "Pleasure Is All Mine", "Army Of Me", "I Miss You" und "All Is Full Of Love" wurde vor allem am elektronischen Teil sehr wenig angepasst. Aber dennoch haben auch andere Tracks an Reiz gewonnen, da die Bläser vielerorts mehr "organische Stimmung" hineinbringen und die Songs weniger produziert wirken.
Seit 23. Juni 2009 im Handel.
> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label
Dies ist eine Rezension unserer Partnerseite
out-of-space.ch.