Zu Trauer, Liebe, Angst, Tod und Wut kommt jetzt noch das Böse dazu. Das halbe Dutzend ist voll. Nach etlichen Jahren (er)zählen Black Heart Procession endlich - wenn auch nicht mehr in Ziffern - weiter.
„This is the wasteland of all shattered hearts!“ Auf dem namentlich bezeugenden sechsten Album der gruftigen Herren aus San Diego gibt es in den Hauptrollen jeweils eine Frau, die verlässt, und einen Teufel, der seinen Raum einnimmt. Die Ichperson nimmt den ehrwürdigen Kampf auf und vermittelt in dieser düsteren Welt zwischen den Zeilen auch eine Spur Schönheit. Ein helles Licht, dass aber sobald man es wahrnimmt, schon wieder erlischt ist. Zu gross ist der gewohnte Umgang mit der Düsternis.
Auffallend ist auf dem neuen Album der grössere Bezug zum Unkonkreten und Symbolischen und der gleichzeitigen Abkehr vom fiktiven Thriller. So spricht der radikal dunkel gesprochene Opener „When You Finish Me“, der in erster Linie von einer schaurigen Geige begleitet wird, von schlimmen Bedingungen und den daraus resultierenden Konsequenzen, die da heissen: „Just close your Eyes!“.
„Wasteland“ frönt der puren Ernsthaftigkeit und setzt mit einem differenzierten Schlagzeug noch einen drauf. Wirklich beseelt gelingt dann „Witching Stone“ mit einer dominanten Gitarre und der unnachahmlichen fliessenden Melodie von Sänger Pall Jenkins. Die darin angesprochenen und golden gemalten „...Poppy fields“ glänzen derart kitschig unter den umgekehrten Kreuzen, das auch das begleitende Piano den Schauer für einen Moment zur Seite legen darf. Plötzlich scheinen quälende Lyrics und dunkle Bässe im folgenden „Rats“ dank einem brausenden Stadtneurotiker-Marsch beinahe amüsant. Man sucht das Schöne und findet gerade in der Hölle die wirkliche Liebe.
Tobias Nathanael, der mit Jenkins seit über zehn Jahren die dunkle Gemeinschaft durch die Friedhöfe der immer gleichen Schattenwelt kutschiert, begleitet die ernüchternde Stimme - hier an Leonard Cohens dunkle Phase erinnernd – bei „Drugs“ mit einem schweren Piano. Diese tiefe gemächliche Mixtur führt soweit, dass nicht nur die Tränen mal fliessen dürfen, sondern beim genaueren Betrachten des schwarzen Covers man den noch schwärzeren Apparat zu Gesicht bekommt.
Jimmy LaValle, Kopf vom Electro/Post-Rock Projekt „The Album Leaf“, verleiht den Schwarz/Weiss Welten zusätzlich die vielleicht widersprüchliche Feinheit, auch wenn das Sterile darin immer wieder betont wird. „Six“ bringt neue Ansätze, leidet aber auch immer wieder daran, dass die lyrische und musikalische Bandbreite nicht zu weit reicht und damit schnell ausgeschöpft ist. Es droht die erhebliche Gefahr, dass dunkle Herzen halbherzig werden.
Seit 2. Oktober 2009 im Handel.
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Anspieltipps:
> Witching Stone
> Drugs
> Suicide
Diskographie:
> 1 (1998)
> 2 (1999)
> 3 (2000)
> Amore del Tropico (2002)
> The Spell (2006)
> Six (2009)
Ähnliche Künstler:
> Afghan Wigs
> American Music Club
> Sophia
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