"Twelve songs to lie down in the light". Will Oldham macht und besingt das, was er selbst am liebsten mag: Verdammt gute Musik.
Noch bevor ich diese Rezension beenden konnte, verlautet Domino, das Label des unermüdlichen Will Oldham, dass noch diesen November eine weitere Liveplatte, diesmal in Edinburgh mit den hiesigen Künstlern Harem Scarem und Alex Neilson aufgenommen, veröffentlicht wird.
Hatte Bonnie "Prince" Billy bei
"The Letting Go" noch auf Youtube-Trailer und eine breite Veröffentlichungsstrategie gesetzt, kündigte er das neue offizielle Studioalbum "Lie Down In The Light" ohne PR in der Manier von Radiohead (und man sage gerechtigkeitshalber auch Nine Inch Nails) eine knappe Woche vor dem Release an.
Und das himmelblaue Cover (übrigens von der Schwester Joanne gemalt) täuscht nicht: Oldham zeigte uns schon mit der letztjährigen sensationellen Cover-EP "Ask Forgiveness" (unbedingt mal R. Kellys "The Greatest" anhören) in welche Richtung und vor allem in welche Richtung es nicht gehen soll.
"Easy Does It" sagt es schon im Namen, es geht ums Geniessen, ums Zurücklehnen und auch ein bisschen ums Vergessen. Will Oldham singt dabei ungewohnt ungebrochen und lässt sich wie zuletzt beim eigenen Coveralbum "Greatest Palace Music" auch wieder mehr vom Country inspirieren, hier von stimmigem Banjo und Pianoeinlagen des grossartigen Globetrotters und Multiinstrumentalisten Shahzad Ismaily (u.a bekannt von Projekten mit John Zorn und Marc Ribot) begleiten, der neben Gitarrist Emmett Kelly, Bruder Paul Oldham am Bass und der neuen Duettpartnerin Ashley Webber an Bord ist. Es zeigt sich einmal mehr, wie wichtig dem Kauz die alternierende Besetzung und die Anpassung an den gewünschten Sound ist. Für die intime Produktion ist Mark Nevers von Lambchop (zuletzt bei "Master and Everyone") zuständig, welche sich vom sphärischen "The Letting Go" des Isländers Valgeir Sigurðsson deutlich unterscheidet.
Die Abkehr von der traurigen Grundstimmung ist im richtigen Moment gekommen. Ein nachdenkender, aber nicht betrübter Oldham ist geblieben, der in "For Every Field There's A Mole" philosophisch wortgewandt ein bisschen Leben zu erklären versucht und im Duett "You Want That Picture" eine beendete Beziehung und die unterschiedlichen Wahrnehmungen liebenswürdig aufklärt. Das Cover "I'll Be Glad" nimmt man ihm zum Schluss dann wirklich ab.
Schön, wie Will Oldham immer mehr zum Chamäleon wird. Wenn es dann wie hier (und wie meistens) so hochwertig ausfällt, dann darf er weiterhin in diesen kurzen Zeitabständen veröffentlichen.
Seit 16. Mai 2008 im Handel.
Anspieltipps: Easy Does It, For Every Field There's A Mole, You Want That Picture
Trackliste: 1) Easy Does It; 2) You Remind Me Of Something (The Glory Goes); 3) So Everyone; 4) For Every Field There's A Mole; 5) Keep Eye On Other's Gain; 6) You Want That Picture; 7) Missing One; 8) What's Missing Is; 9) Where Is The Puzzle; 10) Lie Down In The Light; 11) Willow Trees Bend; 12) I'll Be Glad
similar artists: Mountain Goats, Phosphorescent, Alasdair Roberts,
Smog, Lambchop,
Songs: Ohia,
Damien Jurado, Ben Weaver, Neil Young,
M. Ward,
Matt Sweeney,
Faun Fables
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Bio:
Als hoffnungsvoller Schauspieler startet der 1970 in Kentucky geborene Will Oldham seine Karriere. Durch viel Selbstzweifel gezeichnet, hängt er die Schauspielerei an den Nagel, und beginnt mit seinem Bruder Paul Oldham (heute hauptsächlich Produzent) zu musizieren. Nach Palace (Brother, Songs, Music) findet er 1999 sein neues Ich als Bonnie “Prince” Billy. Der Titeltrack vom Debutalbum “I See A Darkness” wird sogar von Johnny Cash gecovert. Schnell steigt er zu einem grossen Förderer von neuen Künstlern auf (
Joanna Newsom, Faun Fables) und veröffentlicht neben zahlreichen interessanten Nebenprojekten (u.a. mit
Tortoise,
Matt Sweeney) alle zwei Jahre einen weiteren Teil seines Prinzendaseins. Mittlerweile spielt auch wieder in Filmen (empfehlenswert: Old Joy) und versucht sich als Komödiant(!). Anfang 2008 erscheint mit “Wilding In The West” eine Fortsetzung der Liveplatte “Summer In The Southeast”, kurz darauf mit "Lie Down In The Light" ein neues Studioalbum.
Diskographie:
> I See A Darkness (1999)
> Ease Down The Road (2001)
> Master And Everyone (2003)
> Sings Greatest Palace Music (2004)
> Summer In The Southeast (2005)
> The Letting Go (2006)
> Ask Forgiveness EP (2007)
> Wilding In The West (2008)
> Lie Down In The Light (2008)