Ursprung und Perfektion im Wald: Will Oldham alias Bonnie
„Prince“ Billy gelingt mit Dawn McCarthy an seiner Seite ein
ausgefeiltes Naturwerk.
Der Alleskönner und Vielestuer Will Oldham beglückt uns mit seinem lang ersehnten neuen Studioalbum. Nach etlichen (teilweise atemberaubenden) Kollaborationen und seiner letztjährig erschienenen Live-CD („Summer In The Southest“) erscheint nun „The Letting Go“; endlich ist Bonnie angekommen und gönnt sich eine kleine Pause. Wir können aufatmen und erfreut zusehen. Die zwölf Songs auf Bonnie „Prince“ Billys neuem Album sind ruhig, sanft und erhaben – aber nicht gelassen. Durchs ganze Album hinweg herrscht eine dramaturgische Stimmung. Die Folge davon ist die nicht aufkommende Gelassenheit. Wir sitzen zwar in isländischen Bergen – Geysire und das Leben betrachtend – aber wir faulenzen nicht; wir rasten, um weiterzulaufen. Unterstützt wird Will dabei von Dawn McCarthy, mit welcher ausgezeichnete Duette entstehen, und von Streichersätzen, für welche man Berge hoch rennen würde. Die Songs strahlen auch deshalb perfektionierte Schönheit, angewandten Naturalismus und umgekehrte Folklore aus. Das ist wieder die Waldmusik, die sich die Eulen verdient haben: Pfeifmelodien („Hey little bird...“), Windspielereien, unglaubliche schnelle Inputs in unglaublich langsamer Musik und natürlich die unverkennbare, mythische, holzige und schlicht phänomenale Stimme von Will Oldham. Er klingt immer wie der Freund, welcher immer den richtigen Rat weiss, schelmisch und lakonisch ist er dennoch, und er ist einer dieser Bekanntschaften, von welchen man nie genug kriegt. Je mehr Aufmerksamkeit man ihm schenkt, umso intensiver werden einem Bonnie „Prince“ Billys Songs vorkommen. Bis man meint, man könne in der Welt von „The Letting Go“ herumlaufen, man fast das Gefühl bekommt, diese zwölf reinen Songs nicht in dieser Welt richtig aufnehmen zu können. Mindestens ein Bergbach müsste rauschen, maximal ein einziges Haus dürfte zu sehen sein. In diesem erschaffen Will und Dawn eine musikalisch heile Welt mit nur vereinzelten Tumulten und führen gesanglich und textlich prächtige Dialoge, welche klingen, als würden Eichelhäher und Nachtigall über das Leben philosophieren.
„The Letting Go“, das ist diese Reise in die Natur, die nur im Kopf möglich ist. Und sie ist abstrakt, schön, aber auch anstrengend und streckenweise fad.
Die Sonne scheint weiss. Der Wald kneift die Augen auf. Die Tiere sind ruhig.
Ab 12. September 2006 im Handel.
Anspieltipps: -
Trackliste: 1) Love Comes To Me; 2) Strange Form Of Life; 3) Wai; 4) Cursed Sleep; 5) No Bad News; 6) Cold & Wet; 7) Big Friday; 8) Lay And Love; 9) The Seeling; 10) Then They Letting Go; 11) God’s Small Song; 12) I Called You Back
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Bio:
Will Oldham ist ein US-amerikanischer Songwriter und Musiker aus Louisville, Kentucky. Seine Musik wird häufig dem Genre "Alternative Country" zugeordnet. Ursprünglich unter dem Pseudonym "Palace Music", nahm Will Oldham mit wechselnden Musikern in den 90er Jahren mehrere von Country beeinflusste Indie-Alben auf um dann 1997 sein erstes Solo-Album "Joya" als Bonnie "Prince" Billy zu veröffentlichen. Es folgten weitere Releases, abwechselnd alias "Palace" und Bonnie "Prince" Billy, darunter "Ease Down The Road" (2001) und das Meisterwerk "Master And Everyone" (2003). Im Januar 2005 erschien das gemeinsam mit Ex-Zwan-Mitglied Matt Sweeney aufgenommene Album "Superwolf", im November das erste Live-Album "Summer in the Southeast". Anfang dieses Jahres erschien die exzellente Kollaboration mit Tortoise, im Herbst folgte sein neues Soloalbum „The Letting Go“.
Diskographie:
> Joya (1997)
> I See A Darkness (1999)
> Ease Down The Road (2001)
> Master And Everyone (2003)
> Greatest Palace Music (2004)
> Superwolf (mit Matt Sweeney) (2005)
> Summer In The Southeast (live) (2005)
> The Brave And The Bold (mit Tortoise) (2006)