„All The Best DJs Are Saving The Slowest Song For
Last”, erkennen Jimmy Eat World. Damit könnten sie etwa einen Song wie
“Blocks” von Boy Omega meinen. Ein letzter Tanz, ein verlorener Blick
ins leere Glas. Doch lassen wir den Storyteller zu Wort kommen: „Give
me peace or a piece of ass / that I can use to dance the pain away /
the pain I didn’t choose / there’s love in the air, the preacher
sang / drink up your wine, you can use my bed / if you wanna sleep well
tonight.“
Boy Omega hat schätzungsweise 200 Eigenkreationen auf seinem Kompi,
sagt er. Von diesen haben nun 20 den Weg auf „The Black Tango“
gefunden. Ob mittels Zufallsgenerator oder nicht, weiss wohl nur er
selbst oder vielleicht der liebe Gott, falls es so was gibt (Linktipp:
www.kathtreff.org). Hördurchgang um Hördurchgang, Stück um Stück, fügt
sich das Album zu einem sinnvollen Ganzen zusammen. Das ist es zu
Beginn nicht wirklich. Die Platte wirkt vorerst unfertig, ja beinahe
unprofessionell. Dafür verantwortlich zeigen sich nicht zuletzt die
ziemlich sinnfreien aber prinzipiell nicht störenden instrumentalen
Intermezzi. Sie sorgen dafür, dass dem Album der Anreiz einer
B-Seiten-Sammlung anhaftet. Schlafzimmer-Aufnahmen, Lo-Fi und so. Auch
die ziemlich labil und unschuldig wirkende Stimme ist dabei nicht ganz
unschuldig. Jeder Ton aus dem Mund von Boy Omega erscheint als
Anstrengung, als leidenschaftliches Ringen mit sich selbst, ein
Wiedererleben und Revue-Passieren von traumatischen Erlebnissen.
Martin Gustafsson besticht mit Vielfalt statt Einfalt und zeigt, dass
man im Songwriter-Metier kreativ sein darf, soll und muss. Mellotron,
Glockenspiel, Handclaps, Drumcomputer und andere Klangquellen
unterstützen seine Klampfe und sein fragiles Stimmchen. Im
sterbensschönen „By Midnight We’ll Give It A Go” wird die Gitarre
schon fast in Dashboard Confessional-Manier bearbeitet. Schwere
Akkordarbeit, also.
Was bleibt? Es sind vor allem Songs wie „Safety Net“,
dreiminütige, musikgewordene Definitionen von Kleinod. Martin
Gustafsson mag nicht so brillant und eigenständig sein wie andere
skandinavische Leidensgenossen. Sein Picking ist nicht so fingerfertig
und elegant wie das von José González, seine Spielereien sind nicht so
cool wie die eines Jens Lekman. Boy Omega ist in erster Linie ein
Sympath, viele seiner Songs berühren und das ist das Wichtigste.
„My favorite time of year is autumn, or fall”. Erraten!
Seit 17. März 2006 im Handel.
Anspieltipps: Blocks; By Midnight We’ll Give It A Go; Safety Net
Trackliste: 1) The Black Tango Awakening 2) Blocks; 3) Fool
Around; 4) A Flash In The Tunnel; 5) Somewhere I’m Human; 6) Out Come
The Knives; 7) By Midnight We’ll Give It A Go; 8) Flames From The Black
Tango; 9) I Name You Isolation; 10) Fetch, Boy! Fetch! 11) Safety Net;
12) Open The Door, Grigori; 13) Rescue Me, Pianohead; 14) Explode; 15)
Leafless; 16) The Claw; 17) If Only; 18) The Last Call; 19) The Black
Tango Gathering; 20) Nobody’s Fault
similar artists: Bright Eyes , Elliott Smith, Kristofer Åström, Jens Lekman, José González
> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > Label
Bio:
Als Martin Gustafsson im Alter von zwölf Jahren beim Fussball-Training
ein Bein bricht, entscheidet er, sich von nun an der Musik zu widmen.
Nach einem gescheiterten Versuch „Pro-Skater“ zu werden, gründet er
zuerst mit seinem Bruder eine Band, später mit einem Kollegen die
Gruppe Labrador. Unter dem Pseudonym Boy Omega schreibt er Songs seit
2000/2001. Im Jahre 2004 erscheint sein Debüt „I Name You Isolation“,
welches unter anderem in seiner und der Wohnung des Bruders aufgenommen
wurde. Das Erstwerk ist stärker am klassischen Songwriting orientiert
als sein aktuelles Album „The Black Tango“
Diskographie:
> I Name You Isolation (2004)
> The Black Tango (2006)