Genre: Fusion, Folk | Label: Unfamiliar Rec/Pias UK (Lautstark) | Unsere Wertung: 7.0/10
Wie eine Feder
Eine Chimäre ist ein Furcht erregendes mehrköpfiges Monster aus der griechischen Mythologie. Passt hier nur teilweise.
Blutrünstig und beängstigend wie das hellenische Fabelwesen wird man dieses Album nicht erleben. Viele Gesichter findet man aber schon. Die Kanadier packen ihren Folk- und Jazzrock in weiche Watte aus breit gefächertem Instrumentarium. Man kann Bands, die sich über ihre ausgefeilten Arrangements definieren, ja grundsätzlich langweilig finden, aber bei Brasstronaut geschieht das - trotz obligatorischem Wortspiel im Bandnamen - relativ unaufdringlich.
Bei einer Länge von durchschnittlich fünf Minuten befinden sich in den meisten Songs sehr viele charmante Ansätze. Viele davon werden aber nicht zu Ende geführt oder tauchen nur einmal kurz auf. Das führt dazu, dass die Wirkung verpufft, wenn der Kitt zwischen diesen Fragmenten nicht ordentlich gefestigt ist. Ein positiver Effekt ist aber, dass sich die Band nicht in eine musikalische Ecke drängen lässt. Zu Anfang klingt es in „Slow Knots“ noch ein wenig danach, als ob sich Animal Collective hinter ihrer riesigen Effektwand hervorgewagt hätten, dann übernimmt der Jazz die Kontrolle. Edo Van Breemens Stimme hingegen macht vor dieser Kulisse einen etwas vorsichtigen Eindruck. In „Lohi Hopes“ hingegen gibt sich die Band für den Refrain einer geradezu punkigen Stimmung hin, natürlich nicht ohne noch einen ausufernden Jazz-Part unterzubringen.
Wenn einem der Ton von „Mount Chimaera“ erst zu blutleer vorkommen sollte, dann wird man auch spätestens bei „Hearts Trompet“ anderer Meinung sein, wo die Vielfalt nicht nur Selbstzweck ist, sondern einen traumhaften Song mit schöner Steigerung formt. Hier erklärt sich auch, warum sich Sigur Rós von Brasstronaut derart begeistern liessen, dass sie nach der ersten Begegnung sofort als Vorband angeheuert wurden.
Auf Grund seiner Vielfalt lässt sich nicht sagen, wem dieses Album gefallen wird. Da durch den Mut zur Spontaneität manchmal auch der rote Faden verloren geht, braucht es auch seine Zeit, sich hineinzuhören. Unter Umständen wird sich diese Investition aber lohnen. Zu entdecken gibt es Musik, die wie eine Feder ist, leicht aber schwer einzufangen.
Seit 26. September 2011 im Handel.
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Anspieltipps:
> Lohi Hopes
> Hearts Trompet
Diskographie:
> Mount Chimaera (2011)
Ähnliche Künstler:
> My Morning Jacket
> Wilco
> Animal Collective