Brett Anderson, im früheren Leben Sänger der Britpopper Suede, präsentiert sein erstes Soloalbum.
Ein ernster Mann, Enddreissiger, schaut verträumt in die rechte untere Ecke des Bildes, die Augen – vielleicht vom Weinen? – gerötet, hinter ihm Kunst in schwarz-weiss: dieses melancholischen Ambiente ziert das selbstbetitelte Album von Brett Anderson, der natürlich höchstpersönlich fürs Titelbild posiert hat. Auch geschrieben und produziert hat er das Album selber, wobei der norwegische Produzent Fred Ball bei vielen Liedern seine helfenden Hände im Spiel hatte.
Mit der ersten Single „Love Is Dead“ und einem Streicherintro fängt das Album an, die ersten beiden Stücke sind rockiger Pop, nichts Spezielles. „Dust And Rain“ wirkt mit den angezerrten Gitarren rockiger und kantiger und kann eher mitreissen als die beiden Eröffnungsstücke. „Intimacy“ geht ähnlich weiter, während „To The Winter“ wie von Air geklaut tönt, aber in seiner relaxten Atmosphäre durchaus gefällt. Die folgenden Stücke sind eher ruhig, erinnern teils gar zu sehr an „Best Of Kuschelrock“; mit „Colour Of The Night“, das mit Klavier, Stimme und einer scheu gezupften Gitarre zum Schluss auskommt, ist hier aber ein Höhepunkt des Albums zu finden, ein wunderschönes Lied. Die Überleitung in „The More We Possess…“ ist auch sehr gelungen, nachher bricht der Kitsch vielleicht zu sehr durch. Ein Hauch von Pathos schwingt immer mit, aber es bleibt in erträglichen Massen. Mit einem berührenden Lied für seinen kürzlich verstorbenen Vater beschliesst Anderson das Album.
So bleibt ein sehr schönes Album, wenn man sich darauf einlässt und es immer wieder hört. Abzug gibt’s aber für die etwas einseitig von Liebe und Sex handelnden Texte, die fehlende Innovation und einige nicht so gelungene Lieder – und ja, das Schwelgerische könnten einige als Kitsch oder Pathos abtun, aber das ist wohl Geschmackssache. Wer es verträumt und melancholisch mag, liegt hier sicher nicht falsch.
Seit 30. März 2007 im Handel.
Anspieltipps: Dust And Rain; Colour Of The Night
Trackliste: 1) Love Is Dead; 2) One Lazy Morning; 3) Dust And Rain; 4) Intimacy; 5) To The Winter; 6) Scorpio Rising; 7) The Infinite Kiss; 8) Colour Of The Night; 9) The More We Possess The Less We Own Ourselves; 10) Ebony; 11) Song For My Father
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Bio:
Brett Anderson (*1967) gründete 1981 mit Bassist Mat Osman die Band Geoff, aus der 1988 die Proto-Britpopper Suede entstanden. Mit wechselnden Musikern nahmen sie sechs Alben auf und lösten sich nach einem Abschiedskonzert 2003 auf. Unter dem Namen The Tears machte Anderson mit Ex-Suede-Gitarrist Bernhard Butler das Album „Here come the Tears“. 2007 erscheint das erste, selbstbetitelte Soloalbum von Brett Anderson.