Conor Oberst hat seine beiden Mitstreiter Mike Mogis und Nate Walcott, welche die Band aus Omaha eigentlich erst zur Band machen, nach dem doch sehr durchwachsenen „Cassadaga“ neu eingestellt. Und zwar richtig.
Ein Album von Bright Eyes beginnt gerne etwas sperrig. Da war eine Autofahrt, ein Schluck Rotwein und nun also Denny Brewer. Wer das ist? Egal, es gibt wichtigere Details auf „The People’s Key“. Angekündigt wurde es nämlich als Rockalbum, nur um schliesslich als grosser Bruder von „Digital Ash in a Digital Urn“ vor uns zu stehen: Die Elektronik rockt die Postmoderne. „There is nothing as lucky, as easy, or free“, hiess es damals. Heute klingt Conor Oberst weit weniger zynisch. Der kleine Bruder zog einen in die dunklen Ecken des New Age, der grosse zieht den Karren nun wieder aus dem Dreck: „Now it’s been said/ We’re post-everything“. Erwachsen ist Oberst geworden, man hört es an Stimme, Texten und Arrangements. „I’m still angry with no reason to be“, glaubt man ihm aber dann trotzdem nicht. Und reifer musste er auch kaum werden, weil seine Worte schon seit jeher eine Tiefe besassen, die einem die Hühnerhaut auf die entsprechend schmale Brust brachte. Die alten Zeiten sind wahrlich vorbei, auch weil das politische Engagement von Oberst längst Einzug in seine Musik hält. Sowie die Spiritualität. „Haile Selassie“ ist nicht zufällig eine Hommage an die Rastafari-Bewegung. Bei Bright Eyes wird nämlich nie etwas dem Zufall überlassen. Also auch dann nicht, wenn dieses Album wie ein Godspeed You! Black Emperor-Moment beginnt.
Wer da durch die „Firewall“ Zugang findet, wird sich kaum wie ein Eindringling fühlen – und schon gar nicht die Festplatte lahmlegen. „Shell Games“ und „Jejune Stars“ sind selbst Viren, die sich im Kopf festsetzen. Abgerundet wird dieses fulminante Duo mit dem wunderschönen „Approximate Sunlight“. Brannte einem der schwere Kloss von früher beinahe ein Geschwür in die Magengrube, fühlt man sich in „The People’s Key“ manchmal seltsam wohl. Das mag am Anfang verunsichern. Und es mag Momente geben, die dadurch etwas berechnet wirken. Mit dem Verlauf der Platte spürt man aber immer mehr, wieso das hier eben doch ein Rockalbum ist. Bis zum „Ladder Song“, sozusagen dem Bildschirmschoner, der alles andere als Urlaubsbilder oder dämliche Animationen repräsentiert: „No one knows where the ladder goes/ You're gonna lose what you love the most/ You're not alone in anything/ You're not unique in dying”. Schöne neue Welt. Eine für dich, und eine für mich.
Seit 11. Februar 2011 im Handel.
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Anspieltipps:
> Shell Games
> Jejune Stars
> Approximate Stars
Diskographie:
> Letting Off the Happiness (1998)
> Fevers and Mirrors (2000)
> Lifted or The Story Is in the Soil, Keep Your Ear to the Ground (2002)
> I’m Wide Awake, It’s Morning (2005)
> Digital Ash in a Digital Urn (2005)
> Noise Floor (2006)
> Cassadaga (2007)
> The People’s Key (2011)
Ähnliche Künstler:
> Cursive
> Desaparecidos
> Okkervil River