Das vielschichtige dritte Album der exzentrischen Engländer
dürfte ihnen weitere Türen öffnen – hinterlässt aber trotzdem einen
etwas zwiespältigen Eindruck.
Den auf den zwei Vorgängern eingeschlagenen Weg setzt der Vierer aus Brighton auch auf dem jüngsten Album fort, und es ist schwer, sich des Gefühls zu erwehren, dass British Sea Power nun an jenem Punkt angelangt sind, bei dem ihnen der grosse Erfolg bevorstehen dürfte. Obwohl die eingeschlagene Richtung ihrer überlegt-ausgeflippten Spielart des Indie-Pop-Rock weiterverfolgt wird, wandelte sich auf dem Zweitling “Open Season“ der Sound zum Sanfteren, Gewöhnlichen, vielleicht Langweiligen, und beim hier besprochenen Drittwerk ist es das Epische und Theatralische, das stärker als zuvor gewichtet wurde.
Aus einem dumpfen Pochen entwickelt sich ganz zu Beginn von “Do You Like Rock Music?“ ein forsches Stampfen, das den Hörer unweigerlich in den Bann zieht und den hymnenhaften Opener “All In It“ zu einem Hoffnungsträger macht, der schwer an Modest Mouse und Arcade Fire erinnert und dabei die Vorfreude auf all das steigert, was noch kommen mag.
Das darauf folgende “Lights out for darker skies“ ist eine eingängige und doch sehr spannend aufgebaute Indie-Rocknummer, allerdings schon beim nachfolgenden Stück vergessen, was aber nur auf dessen Klasse zurückzuführen ist. Denn “No Lucifer“, das als zweite Single ausgekoppelt wird, erinnert dank dem dichten Sound erneut stark an Arcade Fire, bewahrt aber trotzdem Originalität und ist punkto Melodie schlicht bezaubernd.
Aus dem Traum, in den hübsche Streicher und Gitarre versetzten, wird man bald durch “Easy Easy“-Shouts, polternde Drums und treibendes Gitarrenspiel gerissen, und während Sänger Yan eher merkwürdige Worte von sich gibt, steigt der Turm aus Klängen immer höher und höher, um nach dem Refrain kurz wieder etwas zur Ruhe zu kommen und erneut loszulegen.
Die Klasse der ersten drei Titel erreichen BSP danach leider nur noch vereinzelt, beinahe im zugänglichen “Atom“, definitiv im abwechslungsreichen und schwelgerischen “Canvey Island“ und dem verträumten “Open The Door“. Und speziell erwähnt sei auch der instrumentale Post-Rocker “Great Skua“, der sich als vielleicht schönster Moment des Albums manifestieren kann.
An anderen Stellen verlieren sich BSP allerdings in ihren Songs, finden nicht mehr heraus und langweilen dabei oder tragen so dick auf, dass es schmerzt – schon beinah unerträglich geriet zum Beispiel das anscheinend allseits geliebte “Waving Flags“. Glücklich mag sich schätzen, wer die Musik so viel wichtiger schätzt als die Lyrics und so über den in “Waving Flags“ mitgeteilten Stumpfsinn gnädig hinwegsehen kann. Und wer sich nicht darob stört, dass der Titel auch in musikalischer Hinsicht ekelhaft bombastisch und kitschig ist, mag durchaus einige wohlige Schauer über den Rücken gejagt bekommen.
In Sachen Wandelbarkeit und Ideenreichtum machen British Sea Power so manchem Kollegen von der Insel etwas vor. Ob sich “Do You Like Rock Music?“ in diesem Falle aber mit einem „Ja“ beantworten lässt, hängt in erster Linie davon ab, wie man zu übertriebenen Bombast-Sounds steht.
Seit 11. Januar 2008 im Handel.
Anspieltipps: All in it, No Lucifer, Canvey Island, Great Skua, Open The Door
Trackliste: 1) All in it; 2) Lights out for darker skies;3) No Lucifer; 4) Waving flags; 5) Canvey Island; 6) Down on the ground; 7) A trip out; 8) The great skua; 9) Atom; 10) No need to cry;11) Open the door; 12) We close our eyes;
similar artists: Arcade Fire, Interpol
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Bio:
British Sea Power ist eine vierköpfige Indie-Rock-Band aus Brighton, England. Yan (mit bürgerlichem Namen Scott Wilkinson, singt und spielt Gitarre), Hamilton (Neil Wilkinson, am Bass, Gitarre & Gesang) und Wood (Matthew Wood, am Schlagzeug) besuchten gemeinsam im nördlichen Cumbria die Schule.Nach der gemeinsamen Schulzeit, während der die drei Freunde gemeinsam in mehreren Bands spielten, studierte Yan in Reading, wo er sich mit Noble (Martin Noble, an der Gitarre) anfreundete. Nicht viel später zogen Hamilton und Wood auch 'gen Süden und schlossen sich mit Yan und Noble zu einer Band zusammen. Während sie in Reading noch als British Air Power erste Konzerte gaben, zogen sie schon bald darauf in das südliche Brighton und benannten sich in British Sea Power um. 2001 veröffentlichten sie eine erste Single, zwei Jahre später folte mit “The Decline of British Sea Power“ ihr erstes Album, während in der Zwischenzeit Eamon (Eamon Hamilton, Keyboard) zu der Band gestossen ist. Jener verliess die Band, nachdem der zweite Longplayer “Open Season“ 2005 erschien. Im Oktober 2007 wurde die “Krankenhaus EP“ veröffentlicht, das Songs erhielt, die auch auf dem Anfang 2008 erschienenen “Do You Like Rock Music“ zu finden waren. Im Februar touren die für ihre extravaganten Auftritte berühmt-berüchtigten Engländer noch in Europa, bevor sie für einige Monate in den Staaten unterwegs sein werden.