Broken Spindles – Inside/Absent (2005) (Saddle Creek/RecRec) |
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| von Rudolf J. Merkle am Mittwoch, 24. August 2005 in Neuerscheinungen | |
![]() Musikalische Kürzestreise mit Tiefgang und Verirrungen. Geschätztes Auditorium, nun gut, das Präludium „Inward“ lässt einen ratlos. Der Hinweis des Labels, u. a. Debussy habe bei diesem Album Pate gestanden, bezieht sich wohl auf eben dieses Piano-Stückchen sowie auf zwei gleich geartete Dudeldiums. „Desaturated“ erinnert an die Einleitung des Songs „October“ von Bono und seinen Mannen, womit wenigstens musikhistorische Überlegungen vom Gähnen abhalten. Nicht zu retten ist aber das Piano unterstützte „Valentine“: uninspiriert, weinerlich, kitschig, langweilig. Vielleicht mag dieser Einwand banausenhaft sein, aber was sollen diese Piano-Fingerübungen? Wenn man ein Album von nur 26 Minuten (!) veröffentlicht, sind dergestalt verwendete 6 Minuten schlicht verschenkte Zeit. Sieht man von diesem Ärgernis ab, ist die anzuzeigende Liedsammlung ein interessantes Stück Pop-Musik. Peterson arbeitet intelligent mit einem Mindestmass an elektronischer Instrumentierung, wobei er den Hörenden vor allem rhythmisch in seinen Bann zu ziehen weiss („Please Don't Remember This“; „This Is an Introduction“). Besonders in „Anniversary“ nimmt sich Peterson Zeit, eine Stimmung sorgsam und klug zu entfalten, um mit einer Verschärfung des Tempos zu überraschen. Durchdacht und gehaltvoll ist das. Trotz obiger Kritik sind Pianopassagen da effektvoll eingesetzt, wo sie eine coole Fragilität, die gar als Zitat von Bauhaus zu verstehen ist, erzeugen („Birthday“). Beinahe rockig, nachgerade groovig würd’s einem manchmal um’s Herz („Burn My Body“) – wäre nicht das arg beschränkte stimmliche Repertoire Petersons zu bemängeln. Allerdings: Er zieht sich ganz ordentlich aus der Affäre (dank elektronischer Verzerrung). Textlich – man muss dies deutlich sagen – gibt’s wenig Substanz: Die Nabelschau mit Todessehnsüchten berührt nicht sonderlich. Düster, mit einer vorsichtigen Annäherung an EBM-Strukturen legt die Album-Perle „The Distance Is Nearsighted“ dar, dass die zuweilen belächelte elektronische Musik der Achtziger heutzutage konstruktiv verwendet werden kann, ohne nur persifliert zu werden. Das finale „Painted Boy Face“ beweist hinwiederum, dass Minimal-Music maximal sein kann. Hier wartet der Amerikaner abermals mit Rhythmus-Spielereien auf, die einen Spannungsbogen kreieren und halten. Dass eine Sequenz dieses Stückes das berühmt-berüchtigte „Da da da“ der deutschen Komiker „Trio“ ins Gedächtnis des Rezensenten ruft, dürfte Überinterpretation sein – aber was, wenn dahinter ein Plan stände? Das wär’ eine nette ironische Note. Fazit: Der (auch) Bassist Peterson lässt The Faint beiseite, produziert ein (pseudo-?) melancholisches Lo-Fi-Album mit elektronischem Fundament, schielt auf Indie-Rock, bleibt unterkühlt und poppig, macht gekonnt Anleihen im Wave und EBM der Achtziger und versucht sich vergeblich als Pianist. In „Inside/Absent“ gelingt ihm mehr, als ihm misslingt. Unsere Ansicht: Selbst hören und selbst urteilen. Besten Dank für die ungeteilte Aufmerksamkeit. Ab 29. August 2005 im Handel. Anspieltipps: Burn My Body, The Distance Is Nearsighted similar artists: NIN? (neueste Release), Waver der 80er > Hören und Kaufen > Offizielle Seite > Label > CH-Vertrieb Bio: Hinter Broken Spindles verbirgt sich Joel Peterson, unermüdlicher Arbeiter und Bassist von The Faint (u. a. ebenso Omaha, NE’s). 2001 wurde er von einem Freund gebeten, zu einem Video Musik zu schreiben. Daraus wurde das Album „S/T“. Mit Hilfe seines Freundes Mike Mogis, eines Multi-Instrumentalisten, Produzenten und Soundtüftlers, produzierte er 2004 das ruhige, beschauliche und tanzbare Album „Fulfilled/Complete“, das insgesamt doch einigen Erfolg verbuchen konnte. Nach eigenen Angaben schrieb Peterson „Inside/Absent“, während er mit The Faint tourte. Diskographie: > S/T (2002) > Fulfilled/Complete (2004) > Inside/Absent (2005)
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