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Brother Sun, Sister Moon - Brother Sun, Sister Moon

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von Jaennette N. Hirschel und Paul Klur am Donnerstag, 26. April 2012 in Neuerscheinungen   

Genre: Folk  |  Label: Denovali (Creative Eclipse) 

  Brother Sun, Sister Moon
Unendliche Weiten
Kindlich verspielte Klänge, verträumte Melodien und seichter, hintergründiger Gesang beschreiben Brother Sun, Sister Moon kurz und genau.

Nach „Dear and Unfamiliar“ mit Leonard Rosado und „Highwaymen in Midnight Masks“ mit Aidan Baker kommt nun mit Brother Sun Sister Moon die schon dritte Kollaboration von Alicia Merz alias Birds Of Passage auf den Markt. Hier an ihrer Seite Gareth Munday von Roof Lights. Wenn man die anderen Projekte von Alicia Merz kennt, könnte man leicht mit falschen Vorstellungen an einen Kauf der Platte Brother Sun Sister Moon herantreten. Es handelt sich nicht um einen ganz neuen Sound.

Auf den 37 Minuten langen Album finden sich unterschiedliche Stilrichtungen, so verbindet sich zum Beispiel Folk mit Elektronik, auch der Aufbau der einzelnen Tracks folgt keinem erkennbaren Muster. So gibt es Songs die mit ruhigen, einfühlenden Klängen aufwarten und von einer seichten, sich nur im Hintergrund befindlichen Stimme begleitet werden, so wie „Storms Break the Day, a Year´s Worth of Leaves in Your Heart“ oder „All You Need“. 
Dann gibt es aber auch Songs, die sehr speziell sind, da sie Soundeffekte beinhalten, die beim Zuhörer verborgene Empfindungen wecken, wie zum Beispiel das Kinderlachen und Vogelgezwitscher bei „From Grain to Flour“ oder die kosmischen Klänge bei „Ghosts of Barry Mill“ oder das Knistergeräusch einer alten Filmkassette bei „One Throws and One Pulls“. 
Brother Sun Sister Moon bringt Emotionen beim Zuhören hervor, die noch lange nachklingen. Rundherum ein Klangerlebnis.

Jaennette N. Hirschel vergibt 6.0 von 10 Punkten 


Wie Tag und Nacht
Klassisches Songwriting mit Elektronik zu verbinden ist nicht selten, aber immer eine Gratwanderung. Brother Sun, Sister Moon gelingt diese mit spannendem und beeindruckend flexiblem Sound.

Erster Gedanke: Wieder mal so ein Projekt, die sich nach einem hauptsächlich Insidern bekannten Film benannt hat. Das ist aber gewiss auch Suchmaschinen-unfreundlich und somit gleich schon wieder sympathisch. Brother Sun, Sister Moon beschäftigte sich auf der Leinwand mit Franz von Assisi und ist nun der Name von Alicia Merz´ neuem Seitenprojekt, einer Kollaboration mit Gareth Munday, auch bekannt als Roof Light. 

Besonders beeindruckend ist natürlich wieder einmal die Schönheit der so minimalen wie flächigen Ambient-Welt der Neuseeländerin. Jedes Mal ist ihre Stimme, die klingt wie ein Geist ein besonderes Erlebnis. Ein altes Laptopmikrofon nutzt sie dazu angeblich; ein Trick, der ihren Gesang fast gänzlich mit dem Klang der Musik zu verschmelzen vermag. Das klingt eisig und unterkühlt oder gar narkotisierend, daher werden wohl ihre Eigenkompositionen als Birds Of Passage so gern als winterlich gestimmt bezeichnet. Ins richtige kompositorische Licht gerückt berührt das ungemein. Beweis gefällig? Für „South Downs by Morning“ könnte man sterben. Wenn man dann auch mal einige der gehauchten Worte versteht, wie in „A Year´s Worth of Leaves in Your Heart“ oder im unglaublich wärmenden „Storms Break the Day“, kann aber auch ein frühlingshafter Klang für Begeisterung sorgen. 

Ansonsten bleibt vieles skizzenhaft, das geht hörbar auf das Konto von Munday, der sich elektronischer Avantgarde in abgespeckter Länge und mit einer Vorliebe für Field Recordings verschrieben hat. Aber auch hier gibt es Höhepunkte. Auch ein kurzer Weg, wie ihn beispielsweise „One Throws and One Pulls“ von täuschend schönen Streichersamples zu Flying Lotus-artigen Beats und Störgeräuschen geht, führen zum Ziel. Sogar „The King of Limbs“ ist hier nicht mehr weit weg. Und ähnlich wie dort muss man einräumen: Alle Achtung vor dieser künstlerischen Vision und deren konsequenter Umsetzung. Ob man am Resultat so etwas wie Spass haben kann, sei dann mal dahingestellt, besonders weil sich die verschiedenen Musikstile – hörbar gewollt – mit beachtlichen Brüchen kontrastieren.

Zu einer wirklichen Vermischung der beiden Herangehensweisen kommt es aber eher selten, in „All You Need“ funktioniert sie aber hervorragend, nicht zuletzt, da hier eine zauberhafte Melodie eingeflochten wird. Man sollte diese Kollaboration als das werten, was sie vermutlich auch als Ziel hat: Eine Kombination gemeinsamer Ideen, mit Höhepunkten und mühsamen Momenten auf beiden Seiten. Eine Existenzberichtigung hat das Album allemal, auf Grund von schwer zugänglicher, auf Dauer aber umso faszinierenderer Schönheit in einer einzigartigen Atmosphäre.

Paul Klur vergibt 7.5 von 10 Punkten 


Seit 16. März 2012 im Handel. 


Anspieltipps: 
> One Throws and One Pulls 
> A Year´s Worth of Leaves in Your Heart 
> Storms Break the Day 
> All You Need 
> South Downs by Morning 

Diskographie: 
> Brother Sun, Sister Moon (2012) 

Ähnliche Künstler: 
> My Bloody Valentine
> Slowdive 
> Bibio
> RJD2
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