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Bulbul - Bulbul 6

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von Michael Zuckschwerdt am Donnerstag, 19. Juni 2008 in Neuerscheinungen   
Genre: Noise Rock
Label: Exile On Mainstream
CH-Vertrieb: Irascible
Unsere Wertung:Bulbul - Bulbul 6


Dribbelstark
Bulbul 6Von diesem Album könnte sich die österreichische Fussballauswahl bezüglich Spielfreude, Ideenreichtum und Groove eine ordentliche Scheibe abschneiden.

Lassen wir das mit den Euro-bedingten Fussballvergleichen. Bei Bulbul spielt die Musik. Diese Platte macht mit „When Sun Comes Out“ vom Fleck weg Spass: Ein stampfender Groove, ein knarziger Bass, schräge Keyboards und eine elektronisch verfremdete Stimme, alles kunterbunt gemischt schlüssig arrangiert und fertig ist der Indie-Disco-Rocker. Auch der zweite Song „Lack Of The Key“, dessen ursprüngliche Version bereits eine Dekade auf dem Buckel hat, überzeugt mit treibendem Schlagzeugbeat und geht direkt in die Hüften. Gekonnt wird mit Dynamik gespielt, der fast schon geschriene mehrstimmige Refrain kommt sehr kraftvoll.
„Where The Hell Is DJ Fett“ heisst der dritte Track, mit von der Partie sind die Bulhorns (Richard Klammer und Martin Zrost) die das Klangbild mit funkigen, präzisen Bläsereinsätzen aufpeppen. Gegen Ende des Songs ist ein Gitarrenbreak eingebaut, das man fast als Reminiszenz an einen ähnlichen Part von Black Sabbaths „War Pigs“ verstehen könnte - gegen Ende wirkt es allerdings ein bisschen, als hätte man vor lauter Spielfreude nicht mehr gewusst, wann den nun Schluss sein soll.
Ebenfalls zu Gast ist Carla Bozulich, die dem Song „Shenzhou“ mit ihrem durch Mark und Bein gehenden Stimmorgan eine beklemmende Atmosphäre verleiht und dabei etwas an PJ Harvey erinnert, sehr gelungen.
„Tighten“ wiederum besticht durch kompromisslose Rhythmik: ein furzender Bass und eine ewig rollende Gitarre mit triolischer Betonung weben einen Teppich, den selbst die krachigsten Elektronik-Einsprengsel und Effekte nicht zerreissen vermögen, interessant sind auch die Wechsel der Schlagzeug-Grooves im Verlauf des Songs.
„Daddy Was A Girl I Liked“ hat wieder eine gewisse Funkyness, wenn auch völlig eigensinnig, mit psychedelischem mehrstimmigen Gesang und allerhand wilden Geräuscheskapaden. Wie bei allen Tracks wird das Ganze zusammengehalten von der agilen Rhtythm-Section Deerhunt und DD Kern.

Zwischen die Hauptsongs packen Bulbul immer wieder kurze, mal mehr und mal weniger geglückte Intermezzi als Verschnaufpause. „Das Stück“, der letzte Song der Platte, gehört auch irgendwie in jene Kategorie, zieht sich allerdings über fast zwölf Minuten und beschliesst die ansonsten durchwegs gelungene Scheibe mehr schlecht als recht. Die Stärke von Bulbul ist das Kombinieren von experimentellen, krachigen Elementen mit schlüssigem, wenn auch unkonventionellem Songwriting, weshalb die Band so eine Art Jam-mässig anmutenden Track mit kleinem Unterhaltungswert auch noch auf die Platte gepackt hat, ist mir schleierhaft. Im Gegenteil, mit nur 40 Minuten wäre die Aufmerksamkeitsspanne genügend herausgefordert und besser bedient gewesen.
Unbedingt erwähnenswert ist noch die Arbeit von Patrick Pulsinger, der als mit allen Wassern gewaschener Produzent das Album gleichzeitig roh und ungestüm, aber auch transparent und mit den Ohren für Details ins rechte Licht gerückt hat.

4 dicke Punkte für diese Mammutkeule und die unbedingte Empfehlung, Bulbul live zu erleben.


Seit 2. Juni 2008 im Handel.

Anspieltipps: When Sun Comes Out; Where The Hell Is DJ Fett; Steve Le Postla
Trackliste: 1)When Sun Comes Out; 2) Lack Of The Key; 3) Where The Hell Is DJ Fett; 4) Shuguang; 5) Shenzou; 6)Tighter; 7) Tighten; 8) Changzheng; 9) Fremder Hingepisst; 10) Daddy Was A Girl I Liked; 11)The Song’s Name; 12)Steve Le Postla; 13) Loss Mei Hen In Ruah; 14) Dust In My Zimmer; 15) Das Stück
similar artists: Wizards Of Ooze, Blood Brothers

> Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb

Bio:
Seit mehr als zehn Jahren existieren Bulbul aus Wels,  Österreich bereits. Angefangen hat das Ganze als Soloprojekt von Manfred „Raumschiff“ Engelmayr, mittlerweile ist die Formation zum Trio angewachsen und hat die Zelte in Wien aufgeschlagen. Die beiden Mitstreiter an den Instrumenten nennen sich Deerhunt (Bass) und DD Kern (Schlagzeug). Wer aufgrund dieser Instrumentierung aber auf eine klassische Rockformation schliesst, liegt meilenweit daneben.
Bulbul haben keinerlei Berührungsängste mit jeglichem Material, mit dem sich Geräusch machen lässt und nutzen dies für ihre Klangexperimente genüsslich. Da gibt es beispielsweise diese bereits im Jahre 1998 ins Leben gerufene, bis dato 3 Veröffentlichungen umfassende Serie von Umweltgeräuschen, die aufgenommen und durch den Bulbulschen Fleischwolf gedreht werden, um dann in schmucker Aufmachung und limitiert auf jeweils 555 Exemplare eine kleine audiophile Käuferschaft ansprechen wollen. Dies nur ein Beispiel aus einer verwirrlichen und kunterbunten Diskographie, von allerhand unterschiedlichen Tonträgern auf verschiedenen kleinen Labels.

Humor und Experimentierfreude sind zentrale Elemente im Bulbulschen Klanguniversum, in welchem ein mächtiger Bassgroove die Songs auch dann zusammenhält, wenn gängige Songkonstruktionen und Hörerwartungen gekonnt umschifft werden. Davon zeugt auch  Bulbul 6, das aktuelle, bei „Exile On Mainstream“ erschienene Album. Mit diesem Label im Rücken ist zu hoffen, dass die Österreicher eine grössere Hörerschaft erreichen – das Potenzial dazu ist auf jeden Fall da.

Bulbul
Diskographie:
> Hen (1996)
> Eisen (1997)
> Umweltgeräuschplatten A - Z (1998 - ?)
> 2 (1999)
> 3 (2003)
> Rosl (2004)
> Drabule, EP (2004)
> Skull, Arrow, Bracket, Hen (2005)
> Rock Is Hell, Box-Set mit 7” Singles (2008)
> Bulbul 6 (2008)


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