Genre: Britrock | Label: Pias (Musikvertrieb) | Unsere Wertung: 6.0/10
Liebeskummer
Carl Barât's erstes Soloalbum scheint als Selbstportrait gedacht zu sein, obwohl es vor allem von Beziehungen erzählt. Und vom sich trennen, rennen, loslassen und tanzen. Leider nicht ganz in dieser Reihenfolge.
Carl Barât mag inzwischen wohl für alle ein Name sein: zusammen mit
Pete Doherty Ex-Sänger der Libertines, dann Ex-Sänger der Dirty Pretty Things – und nun Sänger und Gitarrist. Alleine. Weil er genug von Bands habe: "It doesn’t really work. I wanted to do it my own way, to test myself rather than working to a shared vision or compromise", sagt er auf seiner Website.
Ein Bruch also. Ein Thema, das in fünf der zehn Lieder auf seinem Soloalbum behandelt wird. Auf "Run With the Boys" erzählt er von einem Mädchen, dass er gehen lassen musste, um leben zu können. "The Fall" erzählt eine heftige Liebesgeschichte, in der er schlussmachen möchte, am Ende aber sie ihn verlässt. "Je regrette, je regrette" handelt von einem Mächen, das er nie kriegte. Und der Titel von "So Long, My Lover" erklärt sich ebenfalls von alleine. Carl Barât, Liebeskummer?
Aber Carl Barât war natürlich nicht ganz alleine, um sein erstes Soloalbum auf die Beine zu kriegen. Ein wichtiger Name ist Andrew Wyatt, Leadsänger der schwedischen Band Miike Snow. Oder Neil Hannon. Er stand ihm zur Seite für "The Fall", dessen Anfang tatsächlich an ernstere Songs von The Divine Comedy erinnert. Es kommt ruhig und doch verspielt daher, weniger abgehackt als andere Songs, die aus kurzen Phrasen bestehen. Verglichen zum Sound der Libertines oder Dirty Pretty Things ist Carl Barât's Debutalbum fast schon Pop. Und ein Selbstportrait, wie auch das Coverbild und das Booklet erahnen lassen: Man sieht Herrn Barât mit einem Fotoapparat in der Hand, sein Spiegelbild festhaltend. Ob das Album wirklich ein Abbild seiner selbst ist, kann man wahrscheinlich diskutieren, da er öfters seine Beziehungen beschreibt und die Zeit, die ihm davonrennt als sich selbst. Trotz seines ursprünglichen Vorhabens, keine elektrischen Gitarren zu benutzen, um den Text besser zur Geltung zu bringen, greift der Gitarrist zweimal zu eben diesem Instrument. Der Text wird trotzdem ganz gut unterstrichen. So kommt das Album melancholisch, zum Teil fast dramatisch ("Carve My Name") daher. Und auch wenn die Melodien von raschen Gitarrenakkorden und Trompeten gestützt werden, steckt oft eine weniger euphorisch anmutende Geschichte dahinter. "Run With the Boys" zum Beispiel, dessen Bass ganz am Anfang die 80er wiederleben lässt. Als stecke er in der Vergangenheit fest.
Er kann es schon auch alleine, der Herr Barât, aber er klingt ganz sentimental dabei.
Seit 1. Oktober 2010 im Handel.
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Anspieltipps:
> Carve My Name
> The Fall
Diskographie:
> Carl Barât (2010)
Ähnliche Künstler:
> The Libertines
> Dirty Pretty Things
> The Divine Comedy