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Carlos Cipa - The Monarch and the Viceroy

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von Paul Klur am Dienstag, 14. August 2012 in Neuerscheinungen   

Genre: Impressionistische Klaviermusik  |  Label: Denovali (Creative Eclipse)  |  Unsere Wertung: 8.5/10

The Monarch and the ViceroyEin Tastenmagier
Es waren auf den ersten Blick einfache Mittel, mit denen sich die grossen Impressionisten, Ravel oder Debussy, unsterblich gemacht haben, vielleicht sogar die wichtigsten Schritte hin zur modernen U-Musik. Ohne sich nur auf Nachahmung zu beschränken zeigt ein junger Münchner, dass derartige Klaviermusik nichts an Aktualität verloren hat.

Ein kurzer Flug durch die musikalische Biographie des 22-jährigen: Erste Klavierstunden mit sechs, Schlagzeuger im Teenager-Alter. Erfahrungen im Bereich Jazz (hört man hier und da heraus) und Hardcore (macht sich eh gut in jeder Biographie), studiert Komposition in München (hat sich, soviel kann man verraten, jetzt schon gelohnt). Klingt ja nach einem starken Bewerber. Zweifellos sind die, nennen wir es mal „handwerklichen“, Fähigkeiten, derer es bedurfte, um dieses Dutzend Kompositionen von beeindruckender Klasse in zwei Tagen aufzunehmen, nicht zu unterschätzen. Aber was diesen jungen Künstler wirklich auszeichnet, ist seine überwältigende Kreativität. Cipas cineastiche Spannungsbögen sind gleichsam bedrückend und magisch, seine kompositorischen Fähigkeiten beneidenswert. Die Bausteine sind schnell genannt: Simple, aber umso effektivere Motive, ein herausragendes Spiel mit variierender Dynamik und der warme, weiche Sound eines Steinway & Sons Grand Piano. Den besten und doch einfachsten Trick bekommt man direkt in „Perfect Circles“ zu hören: ein Motiv, das sich zuerst kraftvoll und wuchtig seinen Weg bahnt, kurz verschwindet, um sich dann zurückgenommen und leise von hinten wieder anzuschleichen. Das Verfahren erkennt man aus dem Postrock wieder und merkt im gleichen Gedankengang, dass ein Klavier doch immer schaffen kann, wofür man sonst eine ganze Band braucht.

Besonders stark ist „The Monarch and the Viceroy” im ersten Viertel, aber selbst in dieser beeindruckenden Nachbarschaft sticht „The Whole Truth” noch deutlich hervor. Es ist das, was man als Hit bezeichnen möchte, wenn das nicht eine buchstäblich zu grobe Bezeichnung wäre. Cipa fängt die bittersüsse Schönheit einer letzten Umarmung ein, man hat das Gefühl, wirklich die ganze Wahrheit zu hören, gegossen in das schönste Stück des Albums. Dass er das Niveau der ersten drei Titel nicht ganz halten kann, ist zu verzeihen, es wäre ja schon fast beängstigend. Doch auch das ornamentale „Morning Love“ ist ein sensibler Blick hinter menschliche Fassaden, und das wundervoll betitelte „Lost and Delirious“ lässt für Minuten die Zeit still stehen. Da stört es nur wenig, wenn auch mal ein Standardwerk in niedrigerem Tempo wie „Nocturne“ dazwischen ist. Das Album endet mit einem rührenden Tripel aus dem barocken Schleicher „Lie With Me“ und zwei langen und doch pointierten Schlussstücken. Ein weiträumiger Abschluss für eines der bezauberndsten Instrumentalwerke seiner Zeit.         

Seit  28. Juni 2012 im Handel.

> Hören und Kaufen > Webseite > Label > CH-Vertrieb

Anspieltipps:

> The Whole Truth

Diskographie:
> The Monarch and the Viceroy (2012)

Ähnliche Künstler:

> Claude Debussy
> Eriik Satie
> Maurice Ravel
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