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Casa Electro Novo - Up Late!

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von Philipp Gautschi am Donnerstag, 5. April 2007 in Neuerscheinungen   
Genre: Electro - Rock,  Disco - Punk
Label: Rodeostar
CH-Vertrieb: Lautstark
Unsere Wertung:Casa Electro Novo - Up Late!


Wunderkoffer?
UP Late!C.M. Smith alias Casa Electro Novo ist Maler, Aktionskünstler, Weltenbummler und Musiker. Das Ziel dieser One-Man-Show lautet Party.

Nur schon das Wort Party lässt mich zusammenzucken. Schlimme Erinnerungen an ganze zwei Studentenpartys verfolgen mich nun seit beinahe zwei Jahren. Rausgeputzte, hässliche Leute bewegen sich saufend, grabschend, schwitzend und lärmend zu hunderten auf engem Raum und bewegen sich seltsam zu Musik, die bei mir auch ohne all die sich amüsierenden Lachbenze übelsten Brechreiz verursacht. C.M. Smith hat den Ernst der Lage mit dem Scharfsinn eines Feldstechers erkannt und anscheinend eine Lösung gefunden: ’Was in der Disco-Szene läuft, ist zu clean, und zu Rockmusik lässt es sich oft schwer tanzen. Also lag es nahe, das Beste dieser Welten zu verbinden’. Also schnappt er sich einen elektronischen Wunderkoffer und eine Gitarre und erfindet kurzerhand die ultimative Partymusik. Das Vorhaben kommt mir vor wie eine Everestbesteigung in Unterwäsche. Entsprechend scheitert Casa Electro Novo. Von seinen wilden Liveperformances hört man zwar nur Gutes, er wurde von der Berliner Zeitung gar als ’Elvis des Electro’ bezeichnet und geht anscheinend ab wie Knallteufel. Ich kann mir jedoch nur schlecht vorstellen, wie ein Hansdampf in allen Gassen im Zebraanzug gleichzeitig am Synthie rumbastelt, die Gitarre schwingt, Lieder trällert, eine Stuntshow wie Armin hinlegt und gleichzeitig die Party rockt. Vor allem wenn seine Musik schmeckt wie Reiswaffeln mit Esspapier. Saftig wäre anders. Die trockenen, leeren Discobeats, Kinderkeyboardsamples, Gitarrenriffs aus Grossmutters Vorratskeller, Partymelodien mit x-maligem Refrain und dazu noch gehörig Selbstbeweihräucherung rufen bei mir zwar ein Party-Gefühl hervor, ich empfinde dieses jedoch als ähnlich angenehm wie Sonnenbrand oder Zahnarztbesuche. Mitsing- und Mithüpflieder gewürzt mit Kitsch und Comic, der intellektuelle Anspruch etwa auf Höhe ’20minuten’. Ich habe bessere Musiker auf der Seebrücke in Luzern erlebt. ’I’m looking for the nightlife, make me feel alright…keep me up all night’. Natürlich beginnt da die eine oder andere Partynudel nach 25 Wodka Redbull mit dem Hintern zu wackeln, jeder einigermassen vernunftbegabte Erdenbürger bekommt bestenfalls Würmer. C.M. Smith ist Künstler, und Kunst muss nicht gefallen. Trotz ausgiebiger Suche kann ich meine Samthandschuhe beim besten Willen nicht finden und muss hier sagen, dass ich seit langem keine so fade, mühsame, nervige und uninspirierende Platte mehr gehört habe.


Seit  30. März 2007 im Handel.
 
Anspieltipps:
Trackliste: 1) Out And Out; 2) Traffic Report; 3) Nightlife; 4) Same Difference; 5) The Pleasure Planet; 6) Neon; 7) Entransito; 8) Sexy Girls; 9) Station I.D.; 10) Action Painting; 11) Aphrodisiac; 12) Interlude; 13) Up Late!; 14) Haphazard; 15) Stranger Than Fiction; 16) Someday
similar artists: The Rapture, Scissor Sisters

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb

Bio:

C.M.Smith wurde in Philadelphia geboren, wuchs in New Mexico auf und studierte in New York. Amerika wurde ihm mit der Zeit zu klein und es zog in nach Berlin um seinen Drang nach Kreativität zu stillen. Sein Projekt Casa Electro Novo besteht seit fünf Jahren. Er reist mit einem Hartschalenkoffer gefüllt mit Sampler, HD-Recorder und allerlei technischem Wunderkram kreuz und quer durch Europa, um seine fahrende One-Man-Show, bestehend aus Musik, Tanz, Bühnenakrobatik und Videoinstallation zu präsentieren. Von Clubs über Fashionshows, Kulturfestivals bis ’Vorband’ von Madrugada spielt Smith ca. 60 Konzerte pro Jahr.

Casa Electro Novo
Diskographie:
> To The Rescue (2004)
> Up Late! (2007)


» 1 Kommentar
1"Dockter"
am Samstag, 10. Dezember 2011 18:01von soundwhistler
c.m.smith hat sicher einen coup gelandet mit seiner one man performance. jedenfalls konnte man bei bei INKAS auf alex tv. -jüngst am 10.12.2011, poppige klänge vernehmen. er spielt seine instrumente (von denen er mehrere beherrscht) offensichtlich selbst ein. dieser mix wird dann über einen nostalgisch anmutenden koffer synthi widergegeben. auch die live-microfonstimme lässt sich über dieses ding modifizieren. allerdings sind ihm mit einsatz dieser mittel auch grenzen gesetzt. aber irgendwie fängt wohl jeder einmal an und entwickelt sich dann weiter, endziel unbestimmt. und erfrischend war der sound allemal und keineswegs langweilig. also mr. smith, hau rein! wir sind auf den fortgang der story gespannt. 
mfg 
soundwhistler
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