Einen leicht schizo-mässigen Eindruck gewinnt man beim
Durchhören von „15 Again“, denn es hat zwei sich zwar ergänzende, aber
doch recht unterschiedliche Seiten, beinahe als ob Vinyl das
eigentliche Medium hätte sein sollen.
Doch bevor nun alle Fans der Electronica-Grössen entsetzt aufschreien, dies: Schizo muss nicht schlecht sein! Im Gegenteil: Haben nicht alle mehrere Facetten ihres Selbst? Und schliesslich sind Cassius ja zu zweit, da dürfen sich durchaus auch zwei Aspekte desselben Themas zeigen.
Das Thema ist eigentlich ein Befehl und heisst Tanz!, und zwar so, als ob du wieder 15 wärst. Mit dem Opener, der ersten Singleauskopplung „Toop Toop“, wird uns dessen Umsetzung einfach gemacht: Das Album beginnt unvermittelt, man purzelt wie zufällig auf die Tanzfläche, und reibt sich noch verwundert die Augen, während die Glieder schon zum Offbeat zucken.
Tja, damit hört man dann nicht mehr auf und so bewegt man sich durch die erste Hälfte des Albums, das geprägt wird von einer souligen Damenstimme, von Männergesang, der an N.E.R.D. erinnert (kein Wunder: Pharrell Williams steuerte Parts für „Eye Water“ bei), einigem süchtig machendem Melodiestoff („This Song“) und dudelndem und klimperndem Synthie-Sound („Again“). C'est assez cool, ça.
Ab „A Mile From Here“ beginnt sich der Schizo-Eindruck einzustellen. Alles wird etwas ruhiger, zurückhaltender, der Gesang wird sparsamer eingesetzt (vor allem die Abwesenheit der Sängerin fällt – nicht unbedingt negativ – auf) und die Beats werden chilliger und monotoner, wobei sie aber nach wie vor in ihren Bann ziehen. Bei „Jack Rock“ – das Highlight der Platte, das sich gut in einem Guy Ritchie Film machen würde – merkt man plötzlich, aha, da wippt wieder ein Fuss mit! Und schon taucht man in eine neuneinhalbminütige Trance ein, die gleich noch über die letzten drei Tracks weitergezogen werden kann. Geil.
Dann, nach knapp einer Stunde, ist „15 Again“ vorbei und man sieht sich in seiner Vermutung bestätigt: Schizo muss tatsächlich nicht nur schlecht sein.
Seit 11. September 2006 im Handel.
Anspieltipps: Toop Toop; Jack Rock; Cria Cuervos
Trackliste: 1) Toop Toop; 2) Rock Number One; 3) This Song; 4) Again; 5) All I Want; 6) Eye Water; 7) See Me Now; 8) A Mile From Here; 9) Jack Rock; 10) Cactus; 11) La Notte; 12) Cria Cuervos
similar artists: Air, Daft Punk, Basement Jaxx
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Bio:
Die Köpfe hinter Cassius stammen aus Frankreich und nennen sich Zdar und Boombass. Ende der 80er lernten sie sich kennen und produzierten unter anderem gemeinsam MC Solaar. 1998 tat man sich dann zusammen und veröffentlichte erste Singles, die prompt wie Bomben in der Szene einschlugen. 1999 folgte das erste Album, betitelt nach dem Erscheinungsjahr. Dessen Nachfolger „Au Rêve“ war ungleich erfolgloser und so wurde das Projekt vorerst auf Eis gelegt. 2006 fand man sich wieder und erschuf in einer nur dreiwöchigen Session auf Ibiza „15 Again“.