Charlotte Gainsbourgs Leben ist bekanntlich von einigen Turbulenzen geprägt. Eine vergangene wird mit ihrem aktuellen Album wieder besonders präsent. Vor einigen Jahren kam die 38-jährige Französin bei einem Wasserski-Unfall beinahe ums Leben. Das grosse Gerät, das mittels Magneten das Innere des menschlichen Körpers diagnostiziert, war der Französin bei der Gesundung ein halbes Jahr lang Teil des Alltags und gibt ihrem neuen Werk den Namen. Mit diesem bemerkenswerten und merkwürdigen Konzept bestärkt sie ihr Bild der rätselhaften Frau erneut, das sie zuletzt auch mit Filmen wie “Antichrist“ manifestierte.
Diese Gedanken stehen im Gegensatz zu der mädchenhaften, oft säuselnden und hauchenden Stimme, die das Trugbild der Unschuld aber auch nur für jene auferhält, die nicht zu genau hinhören. Nur das monoton hämmernde Titelstück spiegelt die eingangs erwähnten Erlebnisse auch klanglich wirklich wieder und erinnert in seiner eisigen Kälte an die Portishead dieses Jahrzehnts. Sonst ist “IRM“ beherrscht von lieblichen Melodien (“In the End“), lässigem Blues-Rock (“Trick Pony“, “Dandelion“) und verträumtem Kunstpop ("Vanities", "Time of the Assassins")
Wie es auch bei “5:55“ Stücke gab, die klar die Männer hinter den Reglern erkennen liessen, hat auch “IRM“ den Stempel seines Produzenten aufgedrückt bekommen. Nicht nur das einzige wirkliche Duett des Albums (“Heaven Can Wait“) könnte auf einem
Beck-Album zu finden sein, mit der Gainsbourg als Gastsängerin. Nicht weiter schlimm, so ist die Musik fast durchs Band erstklassig (eine Ausnahme dürfte "Greenwich Mean Time" sein, das eine Spur zu aufgesetzt wirkt) sondern Charlotte Gainsbourg auch auf den Leib geschneidert. Zudem kommt: Auf “IRM“schliesst sich auf eine Art auch ein Kreis, denn ohne Serge Gainsbourg kein Beck – zumindest nicht der Beck von Alben wie “Sea Change“ oder … “…“.
So überrascht es kaum, dass auf “IRM“ gleich einige Stücke zu finden sind, bei denen Serge Gainsbourg mindestens eine Inspiration gewesen ist. Stücke wie n3, deren grösster Trumpf die Streicherarrangements sind, lassen ihren Vater lebendig erscheinen und würden diesem bestimmt auch die allergrösste Freude machen.
Gainsbourg hat definitiv ein gutes Gespür für helfende Hände, die sie mit besten Klangstoff kleiden. Wie es um die wirkliche musikalische Identität der Französin steht, wird dabei beleibe auch auf “IRM“ nicht offenbar.
Seit 7. Dezember 2009 im Handel.
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Anspieltipps:
> Master's Hands
> IRM
> Le Chat Du Café Des Artistes
Diskographie:
> Charlotte Forever (1986)
> 5:55 (2006)
> IRM (2009)
Ähnliche Künstler:
> Jane Birkin
> Keren Ann
> Beck