Chencha Berrinches? Noch nie gehört? Tja, da seid ihr wohl nicht die einzigen. Dabei ist die Ska-Combo mit ihrem selbst kreirten, tempo pushenden "Mexiska" in L.A. schon längst Kult geworden. Und wird es bei uns vielleicht auch bald.
Als ehemals begeisterte Pogo-Tänzerin habe ich mich kurzerhand anerboten, mich des Ska-Albums der März-Ausgabe anzunehmen. Obwohl sie nun schon ihr zweites Album veröffentlichen, war mir der Name Chencha Berrinches in keiner Weise ein Begriff. Dementsprechend gespannt legte ich das Album in den CD-Player. Was jetzt folgt, ist die Aufzeichnung eines überaus seltsamen Hörerlebnisses. Anfangen tut's mit einem hübschen Violinen- und Cellointro, das vage an die Filmmusik zu "Amelie de Montmartre" und "El Condor Pasa" erinnert. Von Ska noch keine Spur. Aber dann: Übergangslos wird man mit brachialer Gitarren-Gewalt aus der leichten Intro-Trance gerissen und da sind sie, die ersten Bläser und Off-Beats. Schon bald beginnen die spanischen Vocals des Leadsängers Vampiro und während der treibenden, mehrstimmigen Horn-Solos wird es langsam schwierig, ruhig sitzen zu bleiben. Während des Refrains wird man jäh durch plötzliche, an AC/DC erinnernde Backing Vocals aufgeschreckt und man denkt sich kurz, na, was war denn das?, doch es geht in rasantem Tempo weiter. Der nächste Song pusht das Tempo bis ans Limit und verstärkt den Drang, aufzuhüpfen und Leute zu suchen, von denen man sich anrempeln lassen kann. Man fragt sich, was nun wohl noch kommen wird, doch darauf war wohl niemand gefasst: "When I say 'Satan' you say 'Go'!" wird mit kratziger Stimme ins Mikro geschrien, begleitet von möglichst schnellen Off-Beats und harten Metal-Gitarren. Etwas verstört und unfähig, Stop zu drücken, hört man sich den Rest des Albums an. Es folgen das überraschend hübsche, folkloristisch geprägte "Juana La Loca" und das abwechselnd mit sphärischen Klängen und E-Gitarren untermalte "Esperando La Muerte!". "Explotar" wiederum überrascht mit poppig anmutenden Keyboard-Klängen und Refrain zum Mitsingen. Und dann: Eine Melodie von sphärischer Anmut konkurriert mit E-Gitarren und dem Leadsänger, der knurrt und lechzt und tönt, als wolle er den Zuhörer sofort auffressen. Das Album endet schliesslich mit einem, hm, gewöhnungsbedürftigen Cover des Johnny Cash-Klassikers "Ring Of Fire". Etwas verwirrt, aber doch in bester Party-Laune findet sich der Zuhörer nach 60 Minuten energiegeladener Ska-Musik wieder. Nun, da ihr vorgewarnt seid, könnt ihr euch das Album unbesorgt anhören. Es wird sich sicher lohnen. Denn Mangel an Kreativität kann man Chencha Berrinches nicht vorwerfen. Und das garantiert immer wieder interessante und inspirierende Hörerlebnisse. Seit 31. Januar 2005 im Handel. Anspieltipps: Crazy John, Juana La Loca similar artists: Voodoo Glow Skulls, Sekta Core ⇒ Hören und Kaufen ⇒ Offizielle Seite ⇒ Label ⇒ CH-Vertrieb Bio: Chencha Berrinches (zu Deutsch: "die alte Schachtel") ist der Name einer Ska-Combo aus Los Angeles, bestehend aus Musikern aus Mexiko und Kalifornien. Der Name deutet auf einen alten, mexikanischen Mythos hin, demzufolge die böse, unberechenbare Chencha Berrinches (eine alte, verrunzelte Frau) jederzeit Kinder und Erwachsene aufsuchen und sie mitnehmen kann. Gegründet wurde die neunköpfige Band 1997 in South Gate, CA, und hat nach mehreren Mitgliederrotationen ihre vollendete Form nun erreicht. Die sieben verbleibenden Mitglieder Jackets, Vampiro, Trapo, Teme, Manitas, Diablo und Daniel veröffentlichen mit "Cada Loco Con Su Tema" ihr zweites Album. Diskographie: ⇒ A Lo Que Te Truje Chencha (2002) ⇒ Cada Loco Con Su Tema (2005)
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