Neues aus dem Hause Walkabouts: Chris Eckman und Carla
Torgerson nehmen zwei brillante und zahlreiche passable Songs auf, um
uns die nächste Reise wenigstens kurzzeitig zu versüssen.
Chris Eckman und Carla Torgerson sind eines dieser musikalischen Traumpaare, bei welchen man bei jedem Ton hört, dass die beiden harmonieren und aus sich gegenseitig das volle Potenzial herausholen. Völlig belanglos ob der Qualität der Melodien schenken die beiden auch in faden und mässigen Songs eine mitfahrende, führende Wärme, wie man sie gerne hat, wenn man einen Ort verlässt und bald am neuen Ziel ankommt. „Fly High Brave Dreamers“ ist deshalb Reisemusik, weil sie nicht statische Räume füllen kann, sondern dynamische Fahrten unterstützt. Sobald man sich in eine Richtung bewegt, sind „Chris & Carla“ zur Stelle und versüssen dir Vorfreude und Sehnsucht. Am besten wird die Aufbruchsstimmung gleich im Opener „At The Twilight’s Last Gleaming“ umgesetzt, wo nach jeder Strophe ein weiteres Instrument hinzukommt, die Melodie wie ein Fluss, der seinen Weg ins Meer sucht, daherfliesst. Sässe man im Zug, so würde man wohl aufstehen und mit geschlossenen Augen zu tanzen beginnen, die Sonnenstrahlen in all seinen Zellen wirken lassen und in traumwandlerischer Sicherheit im Ziel seines Herzens ankommen. „Things We Should Have Known“ macht da weiter, wo der erste Song stoppte: Bei glänzender, treibender, mitreissender, sanfter Melancholie, die wie eine wohlduftende Blüte herumschwirrt. Diesmal singt nicht Waldfee Carla, sondern Geschichtenerzähler Chris mit sentimentalem, schönem Geflüster. Der wohlige Klang dieser beiden Lieder intensiviert sich mit schneller werdendem Rhythmus und überragend hellem Licht. Für einmal ist man glücklich. Für den Moment ist alles gut – und doch geht es im Wesentlichen nicht um das Hier und Jetzt, sondern ums Ankommen; seelisch wie physisch. Mit diesen zwei Songs im Gepäck wird einem das Herz rot bemalt und Glückspuder durch die Nase gerieben, welches man jedoch gleich danach wieder von sich geben wird. Was nachher kommt, ist auf lediglich lauer, einem leichten Windstoss gleichender Basis erwärmend. „Taking Leave Of Our Sences“, „Love Sleeps Late“ und „Fly High Brave Dreamers“ sind noch mehr als „passabel“ und lassen zwischenzeitlich wieder die Sonne aufscheinen, aber im Grossen und Ganzen ist die Luft draussen. Angekommen ist man bereits nach zwei Songs.
Seit 9. Februar 2007 im Handel.
Anspieltipps: At The Twlight's Last Gleaming; Things We Should Have Known
Trackliste: 1) At The Twlight's Last Gleaming; 2) Things We Should Have Known; 3) ICE Station Zebra; 4) Taking Leave Of My Senses; 5) Long Slow River; 6) Love Sleeps Late; 7) Rising Backwards; 8) Raise Them Hands; 9) Whatever It Take; 10) Fly High Brave Dreamers; 11) Salad Days
similar artists: Devastations, The Walkabouts, The National
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Bio:
The Walkabouts waren neben Bands wie Uncle Tupelo und 10000 Maniacs für den alternativen Folk-Boom Ende der Achtziger verantwortlich. Keine andere Gruppe jedoch blieb diesem Genre über mehr als anderthalb Jahrzehnte so treu und gewann ihm dennoch so viele unterschiedliche Schattierungen ab. Songwriter, Sänger und Gitarrist Chris Eckman, Sängerin und Gitarristin Carla Torgerson sowie der Schlagzeuger Grant Eckman fanden sich 1983 in Seattle, Washington, zusammen. Nachdem die Band durch den Bassisten Michael Wells zum Quartett erweitert worden und der erste LP-Versuch 1986 fehlgeschlagen war, brachte sie ein Jahr später die Single „Linda Evans“ heraus, die einen Vertrag bei dem Independent-Label Necessity zur Folge hatte. Die 1988 veröffentlichte LP „See Beautiful Rattlesnake Gardens“ wurde ein Achtungserfolg. Als die Band ein Jahr später einen Kontrakt bei dem Lokal-Label Sub Pop unterschrieb, konnte sie nicht ahnen, dass sie damit bei dem erfolgreichsten Indie der angehenden Neunziger gelandet war. Mit dem Neuzugang Glenn Slater an den Keyboards fand die Gruppe auf „Rag & Bone“ (1990) ihren endgültigen weichen, balladesken Sound. Nach dem Album „Scavenger“ (1992) wurde Grant Eckman durch die Trommlerin Terri Moeller ersetzt.
In nur zwei Jahren entstanden vier Platten, die Doppel-LP „New West Motel“ und das Album „Satisfied Mind“, eine Sammlung von Coverversionen, mit denen die Band sich bewusst vom Grunge-Herd distanzieren wollte. Neben der kontinuierlich arbeitenden Band riefen Eckman und Torgerson das sporadisch wirkende Projekt Chris & Carla ins Leben, mit dem die beiden Masterminds der Walkabouts Titel aufnehmen wollten, die ihnen für den Band-Kontext zu intim waren. Mit “Night Town“ (1997), einer desillusionierenden Wanderung durch die nächtlich schwüle Großstadt, inszenierte die Band ein Album, dass nicht nur als Sammlung von Songs bestand, sondern als Gesamtkunstwerk. Vor zwei Jahren erschien mit „Acetylene“ das neuste Werk der Walkabouts. Mit „Fly High Brave Dreamers“ liegt zu Beginn dieses Jahres ein weiteres Chris & Carla – Werk vor.