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Christian Kjellvander - The Rough and Rynge

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von Philippe Feer am Donnerstag, 3. Februar 2011 in Neuerscheinungen   

Genre: Singer/Songwriter  |  Label: Startracks (Irascible)  |  Unsere Wertung: 7.0/10

The Rough and the RyngeGrosser Wasserweg
Wärme und Kälte geben sich auf dem fünften Album von Christian Kjellvander ein Stelldichein. Auf welcher Seite man sich gerade befindet, ist dabei nebensächlich. Ein bewegendes Album mit grosser Vorstellungskraft.

Mich stört der offensichtliche musikalische Unterschied, der man zwischen den nordischen und amerikanischen Singer/Songwritern der letzten Jahre sofort erkennt. So nahe sich die Musik eigentlich steht, so deutlich unterscheiden sich die Stile. Nur wenige füllen die Lücken. Gerade deshalb höre ich bei Christian Kjellvander immer genauer hin. Der in den USA geborene Schwede pendelt und paart nordische Melancholie und Zurückgezogenheit mit der lyrischen Raffinesse und Eigenständigkeit grosser amerikanischer Songwriter in einer ungewohnten Selbstverständlichkeit. Stimmlich geben sich das Säuseln und Brummeln von Stuart Staples oder Paul Armfield die Hand.

Das neue Album „The Rough and Rynge“ ist gewohnt karg, traurig und verträumt geworden. Es beginnt mit einem wunderschönen symbolischen Song, welcher nur langsam die Worte findet und auf den Refrain zugesteuert, um die ganze Kraft in das titelgebende Wort „Transatlantic“ zu stecken, welches für die Einsamkeit auf See, den unendlichen Sank-Lorenz Strom und die unberührte Natur steht. Bewusst angekommen gibt sich das folgende „Bad Hurtn“. Ein pulsierendes, bodenständiges Schlagzeug und eine trockene Stimme wenden sich dem Leben an Land zu und suhlen sich in Schmerz und Mitleid. Genauer hingesehen wird bei "Slow Walk in the Country", einem typischen Kjellvander der ersten beiden Alben, mit feinfühliger, gemächlicher Stimme, einer hörbaren Gitarre zwischen den Strophen und den beobachtend pathetischen Lyrics.

Als Kostprobe bietet sich das blubbernde "The Truth" an, welches die grossen Fragen des Lebens auf dem Grund des Meeres stellt, wo zwar kleine Strömungen in der Musik auszumachen sind, aber man doch Musse walten und sich tragen lassen kann. Deutlich dynamischer und aufschlussreicher ist das für eine Singleauskoppung geeignete "Gardner River", das die Kraft des Songs zulässt oder das liebenswürdig simple "Oregon Coast" mit Schwester Karla-Theresa.

Bei aller Ruhe oder grossen Gesten: Kjellvander beschreibt nicht viel mehr als seine Naturbeobachtungen nieder. Manchmal leitet er ein Bedürfnis davon ab oder versinkt nach jedem grossen Schwall an Emotionen in einer ansteckend schönen Langsamkeit. Auf den Punkt bringt dies der zweitletzte Song "Long Distance Runner". Eine ausdauernde Analyse aller Gedanken zwischen Mensch und Natur, das in einer musikalischen Landschaft eingebettet ist, die nie unberechenbar ist, aber sich fortlaufend verändert.
 
Seit 11. Februar 2011 im Handel.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb

Anspieltipps:
> Transatlantic
> Gardner River
> Oregon Coast
> Long Distance Runner

Diskographie:
> Songs from a Two-Room Chapel (2002)
> Introducing the Past (Compilation, 2003)
> Faja (2006)
> I Saw Her from Here, I Saw Here from Her (2007)
> The Rough and Rynge (2011)

Ähnliche Künstler:

> Tindersticks
> Paul Armfield
> Malcolm Middleton
> Devastations
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