Genre: Electrofunk, Ethnopop, Balearic | Label: Zirkulo/Pias (Musikvertrieb) | Unsere Wertung: 6.0/10
Ethnobalearenelectrotrashpunkdubstepindiepop
Die gehypten Discohippies mit Hang zum Exotischen zappeln sich aufgekratzt durch so ziemlich alle Stilrichtungen.
Das Albumcover in den Händen: ein wunderbares verwirrendes Bild aus komischen Gestalten: hohe Hüte, farbige Kleider, vermummte Gesichter mit Besen in der Hand und über dem prangt der superkäsige Name mit dem noch kitschigeren Albumtitel: Star of Love, die Sonne.
Der Titel kommt der Sage nach von der Oper, die ein wirrer Grossvater aus dem Baskenland in Nordspanien vor langer Zeit einmal verfasst und ein Bandmitglied vererbt bekommen hatte - völlig fasziniert von diesen Geschichten, sucht die Band, hauptsächlich aus 3 langhaarigen Neohippies und zwei als Inspirationsquelle und Sängerinnen helfende Frauen bestehend, eine zeitgenössische musikalische Umsetzung.Doch dieser kreative Mythos der Bandbiographie zielte nach der Streuung im Netz vor allem auf einen Grund: den Musikblogs der Welt eine Zuckerpeitsche und dem Hype Nahrung zu geben.
Noch bevor ihrem Debut hatte das französische Hiplabel Kitsuné den Riecher und releaste ihren Track „Xtatic Truth“; insgesamt 11 offizielle Remixes finden sich heute - man könnte meinen, nur The XX‘ „Crystalized“ bekam die Ehre, mehr auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt worden zu sein. Die Remixkultur der Blogwelt und ihre Möglichkeiten der „Vermarktung“ haben sie voll wahrgenommen, bis heute: Remixes reichen von Balearic-Grossmeister Diskjokke über Telepathe, Drum and Bass Variationen von dBridge bis zu Dubstep von Brackles oder Sepalcure - bis heute finden sich gefühlte 50 Remixes im Internet.
Dies gründet zum Teil ohne weiteres auf dem Album selber, denn auf „Star of Love“ ist eine extreme Durchmischung aller superhippen Genres zu finden: Es wursteln sich gebetsmühlenartige Chillwavehymnen durch den Reverb, die Stimme schön passend zum Konzept katalanisch akzentuiert (obwohl die Band hauptsächlich aus London kommt), Synthesizergewitter plus katalanischen Xylophone (Txalapartas) oder ABBA-ähnlichen Gesängen im balearischen Popgewand („At Home), Metalriffs auf elektronisch mit mantrischem Gesang („I Do This Every Day“), ziemlich hektisch. Der nächste Track soulig kreisend um die Stimme des Sängers - der Sage nach einem alten baskischen Volkslied nachempfunden; eines weiter eine Indieballade aus der Surferkategorie wie Matt Costa oder Jack Johnson - und plötzlich „I Love London“: M.I.A. oder sogar Buraka Som Sistema, schnell und ziemlich aggressiv, ihre eigene Hymne auf Londons Partyorte.
Balearenkitsch-Synthesizer-Dubstep-Bassgeflatter mit 140 BPM im nächsten Track, sie geben keine Ruhe, im letzten (meiner Meinung nach der beste) Track „Follow“ eine unglaublich treibendes und schnelles und trotzdem nicht aufdringliches Schlagzeug, der Gesang scheint keine Schnaufpause zu bekommen, die melodischen Beats hämmern im Hintergrund und bäm - fertig ist das reguläre Album. Jetzt beginnt der Bonusteil des Albums (das Album bis hier gibt es seit Oktober 2010): die akustischen Versionen - schöne Variationen, die ohne Bass und Beats auskommen - und das ist irgendwie auch gut so.
„Star of Love“ ist einiges mehr an das Konzept der Band selber (man weiss so gut wie nichts über die Bandmitglieder) gebunden als an das traditionelle Konzept eines Albums. Alle Abfeiergenres aneinandergereiht und mit einem baskischen Mörtel zusammengehalten – das reicht nicht, das Konzept wirkt zu sehr aufgesetzt und hip, doch Mysterien haben noch nie geschadet.
Ein bisschen psychedelischer, ein bisschen viel weniger Electrofunk (Justice und Konsorten), gib dem Kater Whiskas: sie haben den Ruf einer ekstatischen Liveband, dann würde das gut kommen – würde.
Seit 21. Januar 2011 im Handel.
> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > Soundcloud > Label > CH-Vertrieb
Anspieltipps:
> Plage
> Follow
Diskographie:
> Star of Love (2011)
Ähnliche Künstler:
> Yeasayer
> El Guincho
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