Clap Your Hands Say Yeah können scheinbar keine Schritte machen und wenn doch, dann nur zurück: „Some Loud Thunder“ ist die größte musikalische Enttäuschung seit langem.
Das selbstbetitelte und eigenvertriebene Debüt, welches aufmerksame Musikhörer bereits im Sommer 2005 geniessen durften, war ein mitreissend-melancholisches Grosswerk mit einigen herzzerreissenden Songs und aufwühlenden Momenten. Es war schon damals Musik für introvertierte Freaks, verlorene Seelen und schauderhafte Waldgeister, doch Songs wie „In This Home On Ice“ oder „Heavy Metal“ liessen alle Randgruppen gemeinsam zum grossen Fest aufkommen und tanzen. Für alle, welche damals den ersten anstatt den letzten Zug genommen hatten, stundenlang feuchte Augen hatten und das grösste Zugehörigkeitsgefühl des Moments verspürten, kommt jetzt die schlechte Nachricht: Es gibt kein zweites Fest. Die Party war scheinbar eine einmalige Angelegenheit. Denn „Some Loud Thunder“ ist im Wesentlichen kein Freudenfest, sondern das traurige Nachspiel einer nicht wiederholbaren Aktivität. Der beste Song („Some Loud Thunder“) ist schlechter als der schlechteste Song vom Debüt („Clap Your Hands!“). Alle guten Melodien waren so oder so ähnlich schon von Clap Your Hands Say Yeah benutzt worden, man kommt gar in Versuchung zu glauben, die fünf Jungs aus Philadelphia ruhen sich auf ihren Lorbeeren aus, denn gekauft wird „Some Loud Thunder“ ja ohnehin. Oder man verfolgt diesen Ansatz: Der Witz ist draussen. Die Stimme ist zwar immer noch charakteristisch und traumhaft schön, aber bei durchschnittlichen Songs wird auch dieser leidende Singsang schnell einmal nervtötend. Ebenfalls unmöglich sind die teilweise katastrophalen Lo-Fi Aufnahmen mit Gitarrenwänden aus Glasscherben und einer Stimme, die so klingt, als würden ständig Elefanten auf dem Mikrofon herumtrampeln. Wie konnte man sich so etwas nur erlauben? Wie konnte man einen Nachfolger zulassen, der als armselige B-Sides Variante des erfolgreichen Debüts daherkommt und so schlecht klingt, dass nur diejenigen Konsumenten, die das Schöne am liebsten zerbrochen und entstellt sehen, auf ihre Kosten kommen könnten. Clap Your Hands Say Yeah verändern sich durch diese Entwicklung von der ansehnlichen Newcomerband zur immer gleich klingenden Langweilertruppe, die keine besseren Ideen hat, als permanent zirkulierend die ein und dieselbe Melodie einzusetzen, Schlaflieder für Kinder von jungen Eltern zu produzieren und sich mit Hilfe von schlechter Produktion und skurriler Hülle in Form von Cover, Auftreten und Lyrics zu verstecken.
Dann kann „Some Loud Thunder“ auch musikalisch ordentlich sein. Da hilft alles nichts mehr. Game Over.
Ab 26. Januar 2007 im Handel.
Anspieltipps: Some Loud Thunder; Love Song No.7
Trackliste: 1) Some Loud Thunder; 2) Emily Jean Stock; 3) Mama, Won’t You Keep Them Castles In The Air And Burning?; 4) Love Song No.7; 5) Satan Said Dance; 6) Upon Encountering The Crippled Elephant; 7) Goodbye To Mother And The Cove; 8) Arm And Hammer; 9) Yankee Go Home; 10) Underwater (You And Me); 11) Five Easy Pieces
similar artists: Talking Heads, Arcade Fire, Modest Mouse
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Bio:
Die Geschichte von Clap Your Hands Say Yeah hat etwas Mystisches. Vom buchstäblichen Nichts – direkt in die Charts. Diesen Traum haben sich CYHSY mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum erfüllt – ohne die Unterstützung eines Labels oder eines Vertriebs. Die fünf Jungs (Alec Ounsworth, Lee Sargent, Robbie Guertin, Tyler Sargent und Sean Greenhalgh) aus Philadelphia und New York haben 12.000 Kopien direkt aus ihrem Appartement heraus verkauft. Insgesamt sind sie jetzt bei 25.000 Stück angekommen. Ihr Rezept war dabei ganz einfach. Sie schafften ihre CDs direkt zu kleineren, unabhängigen Läden und fanden so zunächst einen amerikaweiten Vertrieb namens Junketboy, weil die unorganisierten Verkäufe so toll liefen. Eine aufgeregte Internet-Community tat ihr übriges für den Erfolg der Band. Denn besonders in Blogger-Kreisen wurden sie schnell zu Szene-Lieblingen erklärt. Das mag auch an ihrem Sound liegen: irgendwo zwischen Arcade Fire, Talking Heads und Modest Mouse – das alles mit zwei Synthesizern, einer Lead-, einer Rhythmusgitarre, Schlagzeug, Bass und Harmonica. Wenn man ein Zitat von Bandleader Alec Ounsworth mitdenkt, kann man das alles wieder etwas tiefer hängen: "I've heard the Talking Heads before. That's that band from the 80s, right?"... Egal. Denn es war logisch, dass dieses Album auch in Europa erscheinen muss. Wichita Recordings sicherte sich die Rechte und in Kürze werden Clap Your Hands Say Yeah bereits ihr zweites Album „Some Loud Thunder“ veröffentlichen.