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Cobra Killer & Kapajkos – Das Mandolinenorchester (2005)

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von Rafael Werner am Sonntag, 13. November 2005 in Neuerscheinungen   
Genre: Alternativ-Pop
Label: Monika 44
CH-Vertrieb: RecRec
Unsere Wertung: Cobra Killer & Kapajkos – Das Mandolinenorchester (2005)

Nach dem Ungewöhnlichen suchen
Cobra Killer & Kapajkos – Das Mandolinenorchester (2005) Deutschlands frechste “femmes fatales” Cobra Killer kooperieren mit einem Mandolinenorchester, bleiben exotisch und trinken nun noch mehr Rotwein.

Bekannt für ihre hyperextravaganten Live-Shows liefern Cobra Killer mit „Das Mandolinenorchester“ eine echte Überraschung; die sonst so lauten, aggressiven Songs (aus den Jahren 1998 – 2004) wurden mit dem Mandolinenorchester Kapajkos neu aufgenommen und in ein völlig anderes Gewand gesteckt.  In diesen neu verpackten Songs befinden sich allerdings ansatzweise auch die alten Strukturen: „Helicopter 666“ wird wie „Heavy Rotation“ zum Mitbrüll-Refrain („Helicopter, US Navy, 666, Hey! Hey! Hey!“) und aus den Elektrobeats und Retrosamples wurde nun halt ein sogenanntes ¨Speedorchester¨, wie „L.A.Shaker“ eindrücklich beweist. Das witzige Grundkonzept vermag leider nicht über die mässigen Songs hinwegzusehen, zumal textlich wie musikalisch erst mit dem hervorragenden, einzigen neuen Stück „Ist es farbig?“ Tiefe entsteht: „Was ist hier los? Was sehe ich hier? Das heisst nichts für mich, ist es schwarz? Ist es weiss? Ist es farbig?“ sind die besten Textzeilen des Moments; gleich danach brennt  das Mandolinen-Orchester so richtig los, um sich von seiner Schokoladenseite zu präsentieren, wobei Schokolade vielleicht nicht gerade auf den sperrigen, spröden Sound von Cobra Killer zutrifft. Das schräge Duo wird nämlich noch lange nicht dezent oder langweilig, die Songs sprühen vor Ideen, quirligem Witz und Vielseitigkeit. Nur liegt hier auch das grosse Problem (generell scheinen mir zweisprachige Werke oft etwas halbpatzig), denn wo viele Ansätze sind, sind auch viele lausige Entwürfe und ungefeilte Stücke zu finden. Ich möchte „Das Mandolinenorchester“ deshalb aber keineswegs als ¨Schnell-Schnell-Produktion¨ bezeichnen, vielmehr als Spassplatte fürs Autofahren betiteln oder für heitere Frauenabende verschenken. Warum? „H-Man-A-Psychocat“ hören und sich Cobra Killer in Very High Heels und schweren Ledermänteln, mit Rotwein bekleckert und vom ¨Stagediving¨ müde vorstellen. Während den Damen auf der Bühne scheinbar nie die Puste ausgeht, braucht man schon nach wenigen Songs ihres neuen Albums eine Verschnaufpause, denn die Mandolinen-Klänge sind zwar gut gespielt und schön, fordern einen aber auch ganz schön. Die schnellen Rhythmen, die rasanten Wechsel sind frisch und anstrengend zugleich. Man kann „Das Mandolinenorchester“ als Tanzmusik oder exotischen Ausflug in die Klassik ansehen, aber auch als das Aufeinanderprallen zweier Welten: Die Performance-Künstlerinnen Cobra Killer, die bislang vorwiegend elektronische Musik machten, prallen auf das sechsköpfige Orchester Kapajkos und heraus kommt eine erstaunliche Symbiose, und das ist doch allemal zwei Punkte wert.


Seit 4. Oktober 2005 im Handel.

Anspieltipps:
Ist es farbig?; Mund auf Augen zu (Stecker raus ich dreh durch)
Trackliste: 1) Heavy Rotation; 2) The Stoker; 3) Helicopter 666; 4) High Is The Pine; 5) Mund auf Augen zu (Stecker Raus Ich Dreh Durch); 6) L.A.Shaker;
7) Show Me Your Ruler 8) Ist es farbig?; 9) H-Man-A-Psychocat; 10) Chemie des Alltags; 11) Lambretta Does It Better; 12) Mund auf Augen zu (Sine Voices)
similar artists: Stereo Total, Chicks On Speed, Le Tigre

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > Label > CH-Vertrieb

Bio:
Gina V. D’Orio und Annika Line Trost spielten bereits im Alter von 12 und 13 Jahren in ihren jeweiligen Bands im ehemaligen Berliner Westen. Im Januar 1998 gründeten sie Cobra Killer. Mit ihren Konzerten und Tourneen durch Europa revolutionierten sie die Electronic Bühnenshows. Nach Konzerten mit Peaches, traten Cobra Killer als Support Act von Sonic Yourh auf! 2004 erschien ihr Album „76/77“ auf Monika Enterprise, 2005 folgten mehr internationale Konzerte und die Fertigstellung ihres neuen Albums „Das Mandolinenorchester“, zu dem es bereits eine gelungene Live-Preview zusammen mit Kapajkos in Berlin gab.

Cobra Killer & Kapajkos – Das Mandolinenorchester (2005)
Diskographie:
> Cobra Killer (1998)
> The Third Armpit (LP) (2002)
> 76/77 (2004)
> Das Mandolinenorchester (2005)



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