Cobra Killer aus Berlin sind ein grosser Name, wenn es um skurrilen Elektropunk geht. Mir geht die Sache mal wieder zu weit bzw. zu heftig an die Nerven.
Und damit haben die unwahrscheinlich ansehnlichen Gina V. D’Orio und Annika Line Trost wohl eines ihrer Ziele erreicht: konservativen Besserwissern wie mir gehörig eins auf die Ohren zu geben. Weitere Ziele könnten z.B. sein: Party machen, Konzerträume rocken und möglichst viel Spass haben. Cobra Killer bestehen seit 1998 und können unter anderem den Herrn Manson und die Frau Peaches zu ihren Bewunderern zählen. Mit beiden waren die Damen bereits auf der Bühne.
Das neue Werk „Uppers and Downers“ wird seinem Titel gerecht, obwohl die Zweiteren meiner Ansicht nach deutlich dominieren. Da wäre zum Beispiel das sensationell schlechte Lied „Schneeball in die Fresse“, welches leider von der Acapella-Truppe der 90ern schlechthin, den Erfindern solch ungeheuerlich heftigen Songs wie „Mein Fahrrad“ oder „Küssen verboten“, den unübertroffenen Prinzen mitgestaltet wurde. „Schneeball in die Fresse bis in die totale Depression“, dann ein laues Gestöhne der Prinzen im Refrain, dazu ein monotoner, gar nicht so übler Beat, eine kratzige Gitarre im Hintergrund, ein paar elektronische Schwirrgeräusche und fertig. Ich erkenne zwar eine gewisse anprangernde Aussage (von wegen Schneeballsystem und Kapitalismus o.ä.), doch insgesamt tut das Lied vor allem eins: gewaltig nerven. „Skibrille“ stösst ins gleiche bzw. In ein ähnliches Horn, jede Menge Trash und eine irgendwie erzwungen scheinende Kreativität, dazu verschiedene Missklänge.
Glücklicherweise sind dies die einzigen Songs in deutscher Sprache, jedoch auch in englisch vorgetragene Titel wie „My First Parachute“ strotzen nicht gerade vor Aussagekraft. Entsprechend versuche ich energisch den Gesang auszublenden. Was übrig bleibt sind durchwegs kreative Abarten von Beat-Basteleien. Diese sind mal nahe am Hip-Hop („MatchyMatchy“), mal dem Punkrock („Hang Up the Pinup“) entnommen und mal gemütlich nahe am Chillout („Goodtime Girl“). Letzteres ist das einzige Stück, welches ich seriös und ohne Gewissensbisse empfehlen kann. Ansonsten halte ich das Album für ziemlich anstrengend, chaotisch und gekünstelt. Auch namhafte Features wie die bereits erwähnten Prinzen oder J. Mascis von Dinosaur Jr. oder Thurston Moore von Sonic Youth können das Niveau kaum anheben.
Ich habe dem experimentellen deutschen Elektropunk eine weitere Chance gegeben und er ist ein weiteres Mal durchgefallen. Grossstädtern mit anarchistischer Weltsicht und Hang zu abstrakter Kunst mag dies gefallen, alle anderen können sich den Ärger getrost ersparen. Und „Schneeball in die Fresse“ fühlt sich in echt schlicht besser an als ab Platte.
Seit 23. Oktober 2009 im Handel.
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Anspieltipps:
> Goodtime Girl
Diskographie:
> Cobra Killer (1998)
> The Third Armpit (2002)
> 76/77 (2004)
> Das Mandolinenorchester (2005) mit Kajpakos
> Uppers and Downers (2009)
Ähnliche Künstler:
> Monotekktoni
> Ofelia & Uzrukki
> Peaches