Sie sind noch immer schwer einzuschätzen, Bianca und Sierra Casady. Das beginnt schon beim Anblick des exzentrischen Covers von “Grey Oceans”, das den einen oder anderen Schlimmes erahnen lässt. Gesichtsbehaarung und Hüte aus Filz, entgleiste Blicke, künstlich weich gezeichnete Haut und eine Schrift, die einen unweigerlich in die Zeit von Paint, Wordart und Co. zurückversetzt. Wer sich trotz des seltsamen Covers zum Hören durchringen kann, wird mit elf traumhaften Songs belohnt.
Düster und geheimnisvoll heulen die Kinderspielzeuge im ersten Stück “Trinity’s Crying” auf, dazu gesellt sich Sierras verführerischer Gesang und schroffes Harfenspiel bis sie von Biancas Sprechgesang und elektronischen Beats unterbrochen wird. Im Refrain schliesst sich Gael Rakotondrabe an, ein Jazzpianist, den CocoRosie bei den ersten Aufnahmen zum neuen Albums kennengelernt haben. Wer CocoRosie sonst eher unzugänglich und prätentiös fand, wird vielleicht seine Meinung ändern. Dazu trägt besonders das Piano bei, das sich immer wieder aus dem Hintergrund in Hip-Hop Beats, schamanistische Trommeln und Kinderinstrumente einflechtet und wie ein roter Faden durch das Album führt. Besonders gefallen die Songs, in denen Gegensätze sehr stark zur Geltung kommen, beispielsweise im Titelstück “Grey Oceans” oder “The Moon Asked the Cow” und “Hopscotch“. Hier werden Stimmen und Musikstile kombiniert wie in keinem anderen CocoRosie Album. Von Honky-Tonk Pianoklängen finden fliessende Übergänge zu opereskem Gesang unterlegt mit Synthesizer Beats statt. Höhepunkt des Albums ist der bittersüsse Song “Lemonade”, der mit tieftraurigem Klagegesang beginnt und durch Bläser eröffnet zu entzückend jazzigem Retropop, begleitet von Sierras atemberaubenden Gesang, überwechselt.
Zu guter Letzt wird man bei “Here I Come” noch von der bizarr modifizierten Stimme Biancas, die auch schon auf dem letzten Album für das Lied “The Girl and the Geese” eingesetzt wurde, verabschiedet.
Sie sind also musikalisch noch ganz die Alten, wird der ein oder andere denken. Und ja, das sind sie wirklich. Die Rollenaufteilung blieb genau gleich wie auf den letzten drei Alben. Dennoch klingen die neuen CocoRosie frischer, abwechslungsreicher und interessanter denn je.
Seit 23. April 2010 im Handel.
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Anspieltipps:
> Trinity‘s Crying
> Hopscotch
> Grey Oceans
> Lemonade
> Here I Come
Diskographie:
> La Maison De Mon Rêve (2004)
> Noah‘s Ark (2005)
> The Adventures of Ghosthorse and Stillborn (2007)
> Grey Oceans (2010)
Ähnliche Künstler:
> Metallic Falcons
> Antony and the Johnsons
> Devendra Banhart
> Björk