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Collapse Under the Empire - Shoulders & Giants

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von Philipp Gautschi & Paul Klur am Mittwoch, 16. November 2011 in Neuerscheinungen   

Genre: Postrock  |  Label:  Sister Jack (Creative Eclipse)

Shoulders & GiantsVon wegen Herbstdepression
Kollision oder Herrschertitel? Unsere beiden Autoren sind sich nicht einig, was dem neuen Album von Collapse Under the Empire droht oder gebührt.


Wer es schade findet, dass die Jahreszeit der Insekten zu Ende geht und mit abnehmender Tageslichtdauer in melancholische Stimmungen zu verfallen neigt, soll Collapse Under the Empire bitte nicht hören. Wer genialen Postrock zu schätzen weiss, höre bzw. lese aufmerksam.

So, der Alpsommer sowie mein Schafhirtendasein sind endgültig vorbei, mein Vollbart, 14 kg Speck und ein paar Schafe mussten dran glauben. Die angenehme Jahreszeit naht und endlich kann ich mich wieder den wirklich schönen Dingen des Lebens wie z.B. Skipisten-Rodeln oder v.a. alternativer instrumentaler Musik widmen. Von wegen schön: Das mittlerweile dritte Album „Shoulders & Giants“ des Hamburger Duos Collapse under the Empire soll an dieser Stelle als äusserst hörenswerter Begleiter für den Herbst angepriesen werden. Die Herren spielen instrumentale, epische, komplexe und überwältigend schöne Rockmusik. Kritiker wagen zu behaupten, das Genre Postrock stagniere, es mangle an Ideen und Neuerungen. Als grosser Freund gesangloser Gitarrenmusik widerspreche ich vehement. Was Collapse Under the Empire hier abliefern darf als Essenz des Genres verstanden werden. Sanfte, beinahe klassische Passagen prallen auf irrsinnig intensive Gitarrenwände, elektronische Spielereien und filigranes Spiel konkurrieren mit etappenweise wütendem Gepolter. Vielfalt ist in jeden Fall gegeben.

Der Balanceakt zwischen Elektronik, anspruchsvoller Rhythmik und filigranem Gitarrenspiel gelingt dermassen souverän, dass selbst ein Freddy Nock ins Straucheln geraten würde. Natürlich steckt da jede Menge Technik dahinter, eine dermassen breite und dichte Klangkulisse wäre zu zweit kaum realisierbar. Wer die Ostschweizer Eno je live hat spielen sehen, kann sich jedoch vorstellen, wie C.U.t.E. in etwa funktionieren. Herrlich. Das sich kontinuierlich steigernde Verweben von synthetischen Klangflächen mit oft schnell und präzise gespielten Gitarren bis hin zum instrumentalen, beinahe orgiastischen Höhepunkten gelingt C.U.t.E. vorbildlich. Vergleiche mit den grossen Namen des Genres brauchen nicht gescheut zu werden. Einzelne Songs herauszupicken wäre schade, die 10 Titel müssen in voller Länge genossen werden. Schwachpunkte erkenne ich beim besten Willen nicht. Natürlich ist die Platte ist nichts fürs durchschnittliche tanzwütige Volk, welches höchstwahrscheinlich nicht auf unserer 'gute-Musik-Informationsseite' rumlümmelt. Wer jedoch gerne genau hinhört, musikalische Raffinessen schätzt und eine gute Musikanlage sein eigen nennt, sollte dringend, laut und ausgiebig hinhören.

Philipp Gautschi vergibt 9.0 von 10 Punkten


Mit dem Taucheranzug im Nichtschwimmerbecken
Zwischen Postrock, Electronic und Ambient scheitern Collapse Under The Empire zu oft an der klaren Linie und besonders an der Tiefe ihrer Arrangements.

Schon einige hübsche Alben und EPs hat dieses Duo aus Hamburg veröffentlicht, aber eigentlich nichts auf die Beine gebracht, was überwältigend war. Auch mit „Shoulders & Giants“ gelingt ihnen kein Quantensprung. Weder wird das Genre mit übersprudelnder Kreativität auf eine neue Ebene gehoben, noch gibt es fokussiertes Songwriting. Aber beides ist ja nicht unbedingt erforderlich, wenn Musik in der Lage ist, zu unterhalten. Ansprechend ist dieses Album ja im Grunde schon. Der Ansatz, mit eisigen, weiten Klanglandschaften und knackigem Sound, der sich langsam aber sicher als Spezialität von Collapse Under The Empire herauskristallisiert, zu operieren ist ebenfalls nicht schlecht. Stücke wie „Giants“, oder „After the Thaw“ können in diesem Rahmen mit ihren kraftvollen Steigerungen auch ebenso wie mit fragilen, leisen Melodielinien glänzen. Problematischerweise bleibt „Shoulders & Giants“ aber stimmungstechnisch relativ flach.
 
Immer wieder mischen elektronische Flächen in diesem ansonsten recht traditionellen Postrock-Kosmos mit, die den Klang der Band allerdings auch nicht viel variantenreicher machen. Nur bei „Disclosure“, das von dieser Verbindung lebt, und darüber hinaus noch klassische Musik miteinbezieht, gelingt der Band ein gigantischer Hybrid. Ein anderer, eher negativer, Effekt ist aber, dass die Songs weniger zum Eintauchen und Abschalten einladen, weil alles etwas unruhig wirkt. Oft ist ja gerade die meditative Stimmung der grosse Trumpf im Bereich Postrock. Dafür wächst dieses Album erfreulicherweise mit mehrmaligem Hören. Zwar reissen einen viele Songs auch dann nicht wirklich vom Hocker, aber nervig oder richtig langweilig wird es selten, zumal klugerweise kein Stück die Sieben-Minuten-Grenze überschreitet. Denn dafür ist die Formel, die hier benutzt wird, einfach nicht ausgelegt.

Für das nächste Jahr ist ein zweiter Teil namens „Sacrifice & Isolation“ geplant. Die Frage, ob das wirklich nötig ist, wird man dann beantworten können. Nach einer Fortsetzung schreit „Shoulders & Giants“ jedenfalls nicht zwingend. Enttäuschend ist dieses Werk aber irgendwie auch nicht, Collapse Under the Empire stagnieren eher als dass sie sich verschlechtern. Wem die Band bisher gefallen hat, dem wird sicher auch diese Scheibe zusagen. Dennoch gibt es im immer grösser werdenden Postrock-Universum noch sehr viel hellere Sterne zu entdecken.

Anspieltipps:
> After the Thaw
> Disclosure

Paul Klur vergibt 5.5 von 10 Punkten



Seit  21. Oktober im Handel

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > Vertrieb

Diskographie:
> Paintball EP (2008)
> Systembreakdown (2009)
> Find a Place to Be Safe (2010)
> The Sirens Sound EP (2010)
> Black Moon Empire Split EP (2011)
> Shoulders & Giants (2011)

Ähnliche Künstler:
> Eno
> 65 Daysofstatic
> God Is an Astronaut
> Mogwai
> Mono
> LongDistanceCalling
> Milhaven
» 1 Kommentar
1Kommentar
am Donnerstag, 17. November 2011 17:47von Severin Kolb
Ich bin ehrlich gesagt auch ein bisschen enttäuscht vom Album. Am Anfang fand ich es noch sehr gut, und dann passiert leider einfach nichts mehr. Ich finde auch die "Tiefe der Arrangements" das Problem. Alles klingt ein bisschen zu sehr nach Pro Tools und MIDI und der organische Aspekt wurde zu wenig berücksichtigt.... Das Klavier zum Beispiel klingt einfach nur grässlich. Da gibt es bei Blueneck oder The Calm Blue Sea sicher mehr zu entdecken! 
6/10
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