Colossus - West Oaktown (2005) |
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| von Severin Bellwald am Freitag, 9. Dezember 2005 in Neuerscheinungen | |
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Genre: Hip Hop, Urban Jazz Label: OM Records CH-Vertrieb: RecRec Unsere Wertung: Rhythm poetryEs ist nicht immer einfach, dazu zu stehen, dass man Hip Hop mag. Zu verschulden hat dies eine seltsame Stilblüte der Popmusik, die heute von der Allgemeinheit als Hip Hop verstanden wird. Dieses gehypte Subgenre des Pop macht jeden, der bereits 5 mal angeschossen wurde, mehrere Kilo Schmuck trägt, mit Crack gedealt hat und überhaupt derb gefährlich ist zum Superstar der Szene. Neue Protagonisten dieses Genres treten dabei in marktwirtschaftlich erstaunlich gut nutzbaren Abständen auf - natürlich nicht, weil sie entsprechend aufgebaut wurden, sondern weil sie zufällig gerade zu der Zeit aus dem State Prison entlassen wurden. Denn Street Credibility ist die Maxime des Geschäfts und sie wiegt so schwer, dass sie die Hosen in die Kniekehlen runter zieht. Sei die passende Bezeichnung dafür Hype Hop oder Hip Pop, Hip Hop ist es jedenfalls nicht.
Die obige Definition von Oaktown (aus einem Slang Dictionary) und der kolossale Namen, der Bescheidenheit vermissen lässt, lassen vermuten, dass Colossus genau dieser Vorstellung gerecht wird. Doch weit gefehlt. Was hier vorliegt ist näher an Hip Hop im eigentlichen Sinne als Weiterführung von Jazz und Funk, als es P. Diddy & Co. je sein könnten. Die Distanz zwischen diesen elegant rhythmischen Chill Out- Klängen und Hype Hop ist etwa gleich gross wie diejenige zwischen einem Spike Lee Film und einem Snoop Dogg Videoclip. Die direkte Abhängigkeit vom Jazz wird durch ein Vibraphone, das die melodiöse Grundlage fast aller Tracks bildet, betont. Dazu kommen viele Samples und Organ-Effekte, sowie kurze Einsätze von Klavier und Bläsern. "West Oaktown" legt als Hip Hop-Platte aber deutlich mehr Wert auf Rhythmus als auf Melodie. Die rhythmischen Elemente - Bass und coole Drums - sind demnach auch perfekt mit den Raps abgestimmt, was meiner Meinung nach einer der wesentlichsten Charakterzüge des Hip Hop ist. Die Stimmung erinnert nie an die Aggressivität, die diesem Musikstil oft zugeschrieben wird, fliesst angenehm dahin, andererseits gibt es auf der ganzen Scheibe aber auch kein echtes Ausrufezeichen. Nur selten werden Akzente gesetzt, meist durch das Schlagzeug. Über die ganze Dauer gesehen fehlt die Spannung, ist ein Track wie der andere. Als stilvolle funky Hintergrundmusik im richtigen Ambiente taugt das allemal, als "Hauptact" ist es aber zu formlos. Auf einer zweiten Disc findet man übrigens von jedem Song einen Remix, der jeweils ein bisschen heftiger auftritt als das Original. Dabei werden besonders oft Scratches und ein dominanter Bass verwendet, trotzdem bleibt das Resultat aber relativ dezent und öffnet keine neuen Tore. Seit 25. Oktober 2005 im Handel. Anspieltipps: You`Re A Grown Man Now; Lil` Sally (Remix), Innacity; The Tribute (und The Tribute Remix) Trackliste: CD 1: 1) Innacity; 2) From The Lab; 3) You A Grown Man Now; 4) If You Knew My Mind; 5) One; 6) Thripney Bits; 7) Like That; 8) The Tribute; 9) Brotha`s Tryin` To Be; 10) Sunshine; 11) Whirlswinds; 12) Lil` Sally CD 2 (Remixes): 1) Intro; 2) The Tribute; 3) Interlude 1; 4) Brotha`s Tryin` To Be; 5) Interlude 2; 6) If You Knew My Mind; 7) From The Lab; 8) Thripney Bits; 9) Inner City; 10) Interlude 3; 11) Like That; 12) You A Grown Man Now; 13) Lil` Sally; 14) Interlude 4; 15) Whirlswinds; 16) Interlude 5; 17) Where You At? similar artists: Abstract Rude, A Tribe Called Quest, Blackalicious, Asheru And Blue Black Of The Unspoken Heard > Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > Label > CH-Vertrieb Bio: Hinter dem Pseudonym "Colossus" steht der 6 Fuss und 8 Zoll grosse (das müssen ungefähr 2.20 m sein…) Charlie Tate, der sich mit "West Oaktown" endlich der Musik zugewandt hat, für die sein Herz schlägt. Lange Zeit beschäftigte der gebürtige Londoner sich mit verschiedenen Projekten und begleitete unter anderem die Touren von Gil-Scott Heron, James Brown, Roy Ayers oder auch Neneh Cherry, bei der er den Bass spielte. Sein Vertrag mit Om Records aus San Francisco führte ihn in die Kreise der Jazz- und Funkkultur, für die er schon lange eine besondere Zuneigung empfand. Hier lernte er auch etliche MCs wie Capitol A, Azeem, Regi B & Delphi und auch Hilton Smythe (besser bekannt als Roots Manuva) kennen, die an "West Oaktown" - zwar nicht Charlies Tates, aber Colossus` Debüt - mitarbeiteten. In der Szene wird die Scheibe als Masterpiece des Urban Jazz gefeiert. Diskographie: > West Oaktown (2005)
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