Was kommt raus, wenn sich Franz Ferdinand-Drummer Paul
Thomson mit Patrick Doyle von The Royal We und Singer/Songwriter Danny
Saunders zusammentut, Gitarre und Bass ausprobiert und volle 31 Minuten
lang drauflos spielt? Richtig: Gute Rockmusik mit kräftiger
Alkoholfahne.
Solche Überraschungen mag ich. Als ich mitbekam, dass hier ein Musiker der allseits bekannten und unwahrscheinlich verleideten Franz Ferdinand sein Glück versucht, dachte ich sofort an Off-Beat-Gezappel und Mitsing-Melodien. Correcto belehrten mich eines besseren. Sie spielen zwar nichts Revolutionäres, nichts aussergewöhnlich Krankes oder Schwieriges, nur normalen Poprock mit Einflüssen aus den Siebzigern und einer Spur Folk. Die Songs klingen alle wie frisch aus dem Ärmel geschüttelt, so im Sinne von: ’Äh Jungs, ich hab da ein paar Ideen, spielen wir rasch ein paar Songs, nehmen wir sie gleich auf, in 30 Minuten sind wir wieder zurück im Pub.’ Die Songs klingen durchwegs freundlich und harmlos, teilweise gar niedlich, was vor allem dem ständig betrunken wirkenden Gesang von Danny Saunders zu verdanken ist. Der leiert die Melodien derart neben den Tönen runter, dass man ihm nur breit grinsend gratulieren kann. Derart falsch zu singen und das eigene Schaffen dem Anschein nach genau gar nicht ernst zu nehmen, braucht in einer Welt voller Perfektionistenpop und Studiogebastel ein bisschen Mut. Auch nett find ich, dass nach gut 25 Minuten im Refrain von ‘New Capitals‘ mit trauriger Stimme ‘We’re through the worst of it now‘ gesungen wird. So schlimm ist‘s doch gar nicht, meine lieben Schotten.
Die zwölf Tracks bieten eine gelungene Melange aus frechem, tanzbarem Poprock, süssen Balladen und blödsinnigem Quatsch im positiven Sinn. ’No One Under 30’ zum Beispiel ist ein von beinahe willkürlich eingesetzten elektronischen Stör- und Zappelgeräuschen durchzogenes Stück Punkrock und dauert gerade mal 90 Sekunden. Herrlich. Die Singleauskopplung ’Joni’ ist seichter Britpop, ’Do It Better’ lässt die Indiediscos steppen und ’When You Get Away From Me’ beendet die Platte mit einer schaurig traurigen Ballade, gesungen mit mindestens 3 Promille im Blut.
Ich verzichte hier darauf, Referenzen aus den 70ern zu nennen, denn wenn man sich ein bisschen durch die einschlägigen Internetmagazine klickt, stellt man tatsächlich fest, dass jeder jedem abschreibt (Armutszeugnis für unsere Branche und Dank an C. E.).
Viel mehr gibt’s dazu gar nicht zu berichten. Zusammengefasst bietet die Platte gut 30 Minuten beste Unterhaltung, bestehend aus schrammelnden Gitarren, trockenen Drums, schiefem Gesang, freundlichen Melodien, frechen Anspielungen und ‘ner gehörigen Portion schottischem Charme. Darauf darf man getrost anstossen.
Seit 18. Februar 2008 im Handel.
Anspieltipps: No One Under 30, Save Your Sorrow, New Capitals, When You Get Away From Me
Trackliste: 1) Inuit; 2) Do It Better; 3) Joni; 4) Save Your Sorrow; 5) Walking To Town; 6) No One Under 30; 7) Here It Comes; 8) Downs; 9) Even Though; 10) New Capitals; 11) Something Or Nothing; 12) When You Get Away From Me
similar artists: The Libertines,
Neutral Milk Hotel, Art Brut
> Hören und Kaufen > MySpace > Label > CH-Vertrieb
Bio:
Mit Correcto ist Paul Thomson nach Gitarrist Nick McCarthy (Box Codax) der zweite Franz Ferdinändler, der ein Nebenprojekt startet. Zusammen mit Patrick Doyle (The Royal We; aber Vorsicht, allem Anschein nach gibt es zwei Bands Namens The Royal We, die eine gegründet von Scumbucket-Drummer Dylan Kennedy und die andere mit bzw. um Patrick Doyle aus Glasgow, bitte korrigiert mich wenn ich falsch liege), Singer/Songwriter Danny Saunders und Richard Wright werkelt Thomson seit knapp zwei Jahren an Correcto rum. Das Debut erscheint bei Domino und ist ab sofort erhältlich. Viel Spass.