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Cursive - Mama, I'm Swollen

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von Michael Messerli am Montag, 25. Mai 2009 in Neuerscheinungen   

Genre: Indierock  |  Label: Saddle Creek (Irascible)  |  Unsere Wertung: 6.5/10

mamaimswollen.jpgWas haben wir getan?
Mutter Erde, dein Planet ist eine Plazenta – und der Teufel steckt im Detail. Selten hat das so gut gepasst wie für „Mama, I’m Swollen“. 

Was ist ein Album wert? Nachdem Radiohead die Gretchenfrage gestellt haben, spriessen die Geschäftsmodelle nur so aus dem Boden. Dabei ging es bei Cursive weniger ums Geld, sondern darum, ihre Musik an den Mann zu bringen. Einen Dollar kostete „Mama, I’m Swollen“, wenn man es sich am 1. März heruntergeladen hat. Neun Dollar am 9. März. Einen Tag später wurde es in den USA zum vollen Preis veröffentlicht. Auch ein Weg, auf sein Werk aufmerksam zu machen. Hoffentlich lenkt das nicht vom Wesentlichen ab. Diese Gefahr besteht aber bei Tim Kasher kaum, der holt einen schon wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Und auf dem sechsten Album von Cursive lautet eine davon, dass wir zur Hölle fahren. Das wusste auch Edgar Allan Poe bereits. Auf die thematischen Songs von Kasher muss man sich einlassen. Von einem Konzept will er selbst jedoch nicht sprechen. Aber was ist nun der Zustand der Menschheit?

„You don't like the way you live/ So you play pretend/ But isn't it time you act your age?”. Man wird an Pinocchio und Peter Pan zurückerinnert („Donkeys“). An das nicht Erwachsenwerden, die Regression zum Höhlenmenschen („Caveman“). Wer braucht schon den aufrechten Gang, ein Rückgrat? „You're young and you're going to be someone/ Then you're old and you're ashamed of what you've become”. Was Moral ist, soll hier erst gar nicht definiert werden. Denn die sieht weder beim Musiker, beim Papst noch bei George W. Bush ähnlich aus – und verkommt so zu einer Meinung. Wer genau also zur Hölle fährt, bleibt unklar, sobald man keinen überprüfbaren Ansatz dafür liefert, was eine Sünde ist. Da nützt es auch nichts, wenn man sein Gewissen erleichtert. Und genauso so unsinnig erscheint deshalb die Idee von einem Himmel. Aber dass wir dem Teufel zumindest die Hand schütteln, das ist sicher: „All in all we're pawns/ The ego of mankind stirs in us all“. Kasher verlangt einiges. Manchmal klingt das, als wären seine Gedanken in einem musikalischen Korsett gefangen. Aber manchmal geht das alles auch völlig auf („What Have I Done?“). “I spent the best years of my life/ Waiting on the best years of my life/ So what's there to write about?”. Eine Ode an die Stehengebliebenen und ein Fragezeichen hinter die Gegenwart.

Seit  29. Mai 2009 im Handel. 

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb
cursive.jpg
Anspieltipps:
> Caveman
> Let Me Up
> What Have I Done?

Diskographie:
> Such Blinding Stars for Starving Eyes (1997)
> The Storms of Early Summer: Semantics of Song (1998)
> Domestica (2000)
> The Ugly Organ (2003)
> Happy Hollow (2006)
> Mama, I’m Swollen (2009)
 
Ähnliche Künstler: 
> The Good Life
> Modest Mouse
> Bright Eyes
> Desaparecidos
> Criteria
> Okkervil River
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