Wer kennt sie nicht - die Geschichte aus der kretischen Mythologie um Daidalos (seines Zeichens ein grosser Erfinder, Künstler, Baumeister und Handwerker) und seinen Sohn Ikarus, der bei einem wagemutigen Fluchtversuch mit seinem Vater abstürzt und kläglich ertrinkt? Auch das 21. Jahrhundert hat seinen Daedelus: Alfred Weisberg-Roberts, ein gleichermassen begnadeter Tausendsassa. Nach einem Jahr Pause kehrt der musikalische Exzentriker aus L.A. mit neuem Material zurück, das sich radikal vom verspielten Hiphop des Vorgängers „Exquisite Corpse“ abwendet und vielmehr zu einem ungewohnt vielfältigen Karneval an (elektronischen) Klängen aufspielt. So werden in den 15 Tracks – mir nicht dir nicht – auf verschiedenste Weise exotische Samba- und Bossa-Rhythmen und 30er Jahre Filmsamples mit Breakbeats, sonstigen elektronischen Klängen und einem ganzen Reigen an Instrumenten (z.B. Klarinette, Xylophon, Flöte, Trompete, akustische Gitarre u.a.) zu bunten, eklektischen Paraden kombiniert. Die überschäumende Lebensfreude des Karnevals springt einem mit jedem Klang förmlich entgegen, die prächtigen Farben fliegen bunt glitzernd umher und es ist bisweilen – ein wenig zu viel des Guten. Die Vielfalt und Kombinationsfreude überfordert nicht selten und es scheint, als wolle Daedelus euphorisch das Unmögliche möglich, d.h. alles gleichzeitig tun: In Rio de Janeiro gekonnt mit dem Allerwertesten wackeln, in Hollywood Stummfilme gucken und in London auf Pep nervös im Takt zucken. Freilich: Technisch ist dem Quasi-Dandy nichts vorzuwerfen, die Musik ist originell, fordernd und die Ambition mutig, aber: Weniger ist manchmal eben doch mehr.
Daedelus bereist mit seinem neusten musikalischen Wurf nahe und ferne Länder, fliegt über tropische sowie urbane Landschaften, legt hie und da einen Zwischenstopp im Untergrund ein und überwindet die weitesten und tiefsten Meere trotz aller Übermut erfolgreich. Denn „Denies The Day’s Demise“ fliegt. Wobei es sich nie gewiss zu hoch in den Himmel wagt, sich mit seinem kunstvollen, originellen Fluge aber auch stets über dem Horizont, resp. Mittelmass bewegt. Eine im Grossen und Ganzen gelungene, abwechslungsreiche, wenn auch ausnehmend anstrengende Odyssee.
Ab 5. Mai 2006 im Handel.
Anspieltipps: Nouveau Nova, Our Last Stand, Sawtooth EKG
Trackliste: 1) At My Heels; 2) Sundown; 3) Nouveau Nova; 4) Viva Vida; 5) Samba Legrand; 6) Like Clockwork Springs; 7) Lights Out; 8) Bahia; 9) Our Last Stand; 10) Patent Pending; 11) Sawtooth EKG; 12) Dreamt Of Drowning; 13) Sunrise; 14) Petite Samba; 15) Never None The Wiser
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Bio:
Leider scheint es ein Ding der Unmöglichkeit zu sein, biographische Informationen/Angaben zu Alfred Weisberg-Roberts alias Daedelus zu finden. So möchte sich die werte Leserschaft mit dem Besuch seiner amüsanten MySpace-Webseite (
http://www.myspace.com/daedelusdarling) begnügen, auf der er als Einflüsse Dandyism und Wales angibt und erklärt, seine Musik klinge „hoffentlich wie müde Kätzchen, aber wahrscheinlich eher wie nervöse Kaninchen“.