Der neuste Streich von Dälek erneut ein schwerverdaulicher Brocken
zwischen Ambient, Noise und Hip Hop - ohne nennenswerte
Weiterentwicklung.
Dälek kochen auf mittelgrosser Flamme seit je her ihr eigenes Süppchen; der Erfolg, den sie damit erzielt haben sei ihnen aber von Herzen gegönnt. Gutter Tactics, der neue Longplayer, der wiederum auf Mike Pattons Label Ipecac erscheint, ist allerdings etwas zähflüssig geraten. Es sind schlicht zu viele Zutaten darin und es bleibt einem nichts anderes übrig, als alle gleichzeitig zu hören.
Die Songs von Dälek funktionieren nach dem Crèmeschnitten-Prinzip: Es wird geschichtet und geschichtet und geschichtet…fleissig wie die Bienen, diese Dälek. Dazu kommt ein mal mehr und mal weniger monotoner, fetter Beat und die Rhymes von MC Dälek. Der Sound ist absolut massiv und laut, Verschnaufpausen gibt es kaum. Die einzelnen Soundlagen sind mal psychedelische Samples, verfremdete Gitarren, Bässe und andere Instrumente, sirenenartige Sounds, etc. Das Ergebnis ist eine mal klaustrophobische, mal drögige aber immer ziemlich psychedelische Atmosphäre, anders gesagt: Ziemlich abgefahren, kaputt und krank. Grundsätzlich also cool –mir gefällt so was.
Das Intro geht fliessend über in "No Question". Vom Fleck weg werden alle Register gezogen, aber eben gleichzeitig. Ein treibender Groove, seekrank machende disharmonische Soundteppiche, griffige, relativ stark in den Hintergrund gemischte Rhymes und dazu immer ein bollerndes Bassfundament, nicht knackig sondern so richtig dröhnend. Ein permanenter Angriff aufs Gehör über das ganze Frequenzspektrum. Die Songtitel wechseln, das Konzept bleibt. Beim vierten Song, der im zweiten Teil langsamer wird (cool gemacht), kriege ich das Gefühl eines sommerlichen Spaziergangs durch die engen Strassen Neapels: Es stinkt mir langsam.
Die folgenden Tracks vermögen meine Laune ein ums andere Mal wieder aufzubessern: "Street Diction" wirkt leichter und musikalischer. Auch der folgende Track "A Collection Of Miserable Thoughts Laced With Wit" gehört zu den differenzierteren Klangkonstrukten. Drum-Groove und Sounds sind klarer getrennt und entfalten dadurch mehr Wirkung, gleiches gilt für "2012 (The Pillage)". Beim abschliessenden "Atypical Stereotype" erleidet dann aber auch die letzte Kritik Schiffbruch und geht vollends unter im aufgepimpten Tieffrequenzgedröhne –so saumässig, dass man es irgendwie fast gehört/gespürt haben muss. Tief lebe der Subwoofer!
Dälek zeigen mit "Gutter Tactics" erneut, dass sie ein untrügliches Gespür für die Strassenköterkreuzung von verstörenden Sounds und treibenden Grooves haben. Das Resultat fällt allerdings weniger ausgewogen als beim letzten Longplayer
"Abandoned Language" aus. Die Songs funktioneren grundsätzlich immer nach demselben Prinzip, was mit Experiment und Innovation (womit der Name Dälek so oft assoziiert wird, nichts zu tun hat. Dälek-Fans dürften satt werden von diesem Gebräu, welches uns DJ Octopus und MC Dälek eingebrockt haben – allen anderen empfehle ich das Ding vorzukosten und vergebe mit Respekt 5.5 Gault Millaut-Punkte.
Seit 23. Januar 2009 im Handel.
> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb
Anspieltipps:
> Street Diction
> 2012 (The Pillage)
Diskographie:
>Negro, Nekro, Nekros (1998)
>Megaton - Dälek vs. Techno Animal, Split (2000)
>From Filthy Tongue Of Gods and Griots (2002)
>Ruin It - Dälek vs. Kid606, Split (2002)
>Dälek vs. Velma – Split (2003)
>Derbe Respekt Alder - Dälek vs. Faust, Split (2004)
>Absence (2005)
>Dälek vs. Oddateee (2005)
>Dälek vs. Zu (2005)
>Streets All Amped – Limited (2006)
>Abandoned Language (2007)
>Deadverse Massive Vol. 1: Dälek Rarities 1999 - 2006 (2007)
>Gutter Tactics (2009)
Ähnliche Künstler:
> Public Enemy
> My Bloody Valentine
> Massive Attack