Damien Jurado aus Seattle singt leise und ohne falsche
Bescheidenheit von Menschen. Über ihre meist alltäglichen Sorgen,
Sehnsüchte und Hoffnungen.
Damien Jurado übernimmt die dankbare Aufgabe, mein, vom neuen Walkmen-Album, angeschrammeltes Nervenkostüm zu beruhigen. Wer die herzbesänftigenden Songs „Ohio“ oder „Curbside“ vom 1999er Meisterwerk „Rehearsals For Departure“ kennt, kann sich vorstellen, dass er dies wohl schaffen würde.
Trotzdem, man muss zuhören können. Gerade seinem neuen Werk, das – Handgelenk mal Pi – sein bisher leisestes ist. Auf E-Gitarren-Experimente, die er früher oft einzubauen pflegte, verzichtet er. Will er mittels Zurückhaltung die Aufmerksamkeit von sich auf seine Charaktere lenken? Man weiss es nicht. Wohl eher unbewusst. Wenn er in seinen Texten über Menschen und ihre Schicksale spricht, klingt dies erstaunlich lebensnah. So lebensnah, dass die Frage aufgeworfen werden darf, ob es vielleicht Geschichten aus seinem eigenen Leben sind, die er erzählt.
Damien Jurado läuft mit der spartanischen Instrumentierung oftmals Gefahr, langweilig zu werden. In diesen Momenten beweist er seine Klasse und nutzt den Spielraum, der sich in der musikalischen Stille bietet. Er bindet verhuschte Instrumentals wie „Survived By her Husband“ ein oder lässt kurzzeitig ein kleines Streicherensemle auftreten („And Now That I’m In Your Shadow“). In „What Were The Chances“ pluckert ein elektronischer Beat, einem Metronom ähnlich, durch den Song. Diese ungemein bedeutsamen Kleinigkeiten, von denen es noch viele weitere zu entdecken gibt, retten sein Album. Sie retten es davor, bloss ein gutes Album zu sein. Und machen es zu einem Schmuckstück.
Ab 14. Oktober 2006 im Handel.
Anspieltipps: Hoquiam; Denton, Tx.; What Were The Chances
Trackliste: 1) Hoquiam; 2) Denton Tx.; 3) I Had No Intentions; 4) Hotel Hospital; 5) And Now That I’m In Your Shadow; 6) What Were The Chances; 7) Shannon Rhodes; 8) There Goes Your Man; 9) I Am Still Here; 10) Survived By Her Husband; 11) Gas Station; 12) Montesano; 13) Gasoline Drinks
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Bio:
Nach Damien Jurado’s ersten Demoaufnahmen anfangs der 90er verhilft ihm Jeremy Enigk, Sänger von Sunny Day Real Estate, zu einem Platten-Deal mit Sub Pop, dem renommierten Label aus Seattle. Auf selbigem Label erscheint 1997 sein Debüt „Waters Ave S.“ und 1999 „Rehearsals For Departure“, das von nicht wenigen als sein bestes Album bezeichnet wird. Nach der sparsam instrumentierten LP „Ghost Of David“ und dem rockig-rumpelnden „I Break Chairs“ endet seine Zusammenarbeit mit Sub Pop. Jurado wechselt zum kleineren Label Secretly Canadian, auf welchem er 2003 und 2005 weitere Alben veröffentlicht. Auch sein neustes Werk „And Now That I’m In Your Shadow“ erscheint auf Secretly Canadian.