Was passiert, wenn ein junger Yankee zu viel Tarantino schaut.
Aus Birmingham, Alabama kommt der erst 23-jährige Dan Sartain, doch beim Hören seiner zweiten CD wähnt man sich eher in Kalifornien an einem Strand, vollgepackt mit Surfer-Boys und Bikini-Girls, die immerzu auf die nächste Welle warten. Die Songs sind kurz und knackig und im minimalen Garage-Groove mit dreckiger Gitarre und Schlagzeug gehalten der aber oft aufgepeppt wird mit Western-Geigen und Mariachi-Trompeten. Nur das Beste aus dem Musikfundus der Südstaaten wird verwendet, und auch ein Blick ins südliche Nachbarland Mexico – neuerdings durch einen langen Grenzwall abgeschieden – wird gewagt. Ob Dan Sartain allerdings, wie vom NME euphorisch beschieden, der „post-punk Johnny Cash“ ist, sei dahingestellt – nur schon die Stimme ist um einiges zu hoch dafür.
Die Texte bewegen sich auf einem anderen Niveau: Da geht es um Tod, um Gewalt, um Liebe; wobei es schnell pubertär klingt: „Young girls are stupid, … but I still want them anyway.“. Es wird geschrien, „oh-oh“-gechort, gerotzt und gerock’n’rollt wie schon lange nicht mehr. Das Booklet ist schön gestaltet, mit Schwarz-Weiss-Portraits aller beteiligten Musiker aus der Feder von Dan Sartain (wer solch ein Bild von sich selber will, kann eins bestellen – offenbar ist der Musiker auf diesen Nebenverdienst angewiesen). Das Cover ist allerdings ein wenig martialisch geraten, wie auch die Texte. Das muss man sicher mit einer grossen Portion Ironie betrachten, wobei der Humor hier eher zynisch bis sarkastisch ist. Das Übertreiben hat der junge Rockabilly im Blut. Alle Elemente eines Tarantino-Films vereinen sich hier: Gewalt, schwarzer Humor, eine spezielle Ästhetik, grossartige Musik zwischen Surf und Rock, und Dan Sartain trägt sogar die Gangster-Uniform, bestehend aus schwarzem Anzug und schmaler schwarzer Krawatte.
Das Album ist – obgleich nur so lang wie ein Schlagzeugsolo bei Led Zeppelin oder, um einen Vergleich aus dem Tierreich zu bemühen, so lang wie der Orgasmus eines Schweins – sehr vergnüglich, wenn auch nicht so passend zu den langen Winterabenden, auf die wir uns wieder gefasst machen müssen.
Seit 18. November 2006 im Handel.
Anspieltipps: Young Girls, Second Coming, Love Is Black
Trackliste: 1) Drama Queens; 2) Totem Pole; 3) Gun vs. Knife; 4) Flight Of The Finch; 5) Young Girls; 6) Thought It Over; 7) The World Is Gonna Break Your Little Heart; 8) Replacement Man; 9) Hangers On; 10) Besa Me Mucho; 11) I Wanted It So; 12) Second Coming; 13) Indian Ink; 14) Shenanigans; 15) Love Is Black;
similar artists: Urge Overkill, Dick Dale, Tarantino-Soundtracks
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Bio:
Dan Sartain ist 24 Jahre alt und kommt aus Birmingham, Alabama. Seine Haupteinflüsse sind Mike Tyson (der auch im Booklet abgebildet ist) und THC.