Der kanadische Hansdampf in allen Gassen veröffentlicht eine 27 Tracks dauernde Sammlung von B-Seiten, Coversongs, Samplerbeiträgen, (Demo)Versionen sowie Split-EP Raritäten. Lustig, aber nicht zwingend.
"Rule number one: I'm gonna drive you wild / I'm not gonna stop until you're satisfied." Danko Jones streng befolgtes Regelwerk dürfte jedem, der sich schon mal live vom unermüdlichsten aller Haudrauf-Rocker zudröhnen liess, bekannt sein. Mit eben jenem Regelwerk beginnt auch die 27 Tracks bzw. 70 Minuten dauernde ’B-Sides’.
Ich erinnere mich an ein Konzert auf dem Gurten, als Mr. Danko Jones mit erhobener Faust der ihn blendenden Sonne entgegenschrie: ’I am the enemy of the sun’. Schöne Zeiten warens damals.
Ich persönlich war von ’Born A Lion’ (2002) und vor allem ’We Sweat Blood’ (2003) begeistert. Damals rockte niemand so schnörkellos hart und direkt wie die dreiköpfige Truppe aus Kanada. Mit ’Sleep Is The Enemy’ (2006) und ’Never Too Loud’ (2008) wurde mir die Sache dann etwas zu ausgelutscht. Die Produktion wurde im Verhältnis zu den älteren Alben zu fehlerfrei, die Songs schüchterner, teilweise gar poppig. Die Alben hatten zwar Erfolg, trotzdem waren die Vorwürfe an den ’Rockstar’ - Kolumnisten mit der wohl grössten Klappe seit Tom Meyer, Timo Wagner oder gar Gene Simmons, hart.
Die nun erschienen ’B-Sides’ gehen einen Schritt zurück zum frühen Werk und rocken entsprechend direkt. Selten an der Drei-Minuten-Grenze kratzend, haut Jones gewohnt einfache, druckvolle und eingängige Riffs vom Stapel mit der Zuverlässigkeit eines alten Toyotas. Inhaltlich befasst sich Jones mit seinen Standardthemen Women, Ladies, Girls, Rock’n’Roll und natürlich sich selbst. Eine kleine Spur des damaligen Blues oder Punks ist zu hören bzw. spüren, insgesamt beinhalten die ’B-Sides’ jedoch beinahe ausschliesslich messerscharfe Rocksongs aus 100% nachhaltigem Anbau, die ihren einzigen Zweck bestens erfüllen: den Zuhörer gnadenlos zu Boden zu rocken. Kaum eine ruhige Minute wird dem Hörer gelassen, kaum eine Erholung gegönnt. Faustindiefresse-Rock zwischen Gitarrenriff und Presslufthammer-Drums wie nur Danko Jones ihn spielen oder gar besingen kann. Coverversionen von Elvis Costello (’Pump It Up’) und den Ramones (’The Return OF Jackie And Judy’) sowie eine Demo-Version von ’First Date’ haben bestimmt Sammlerwert, überzeugen sonst aber eher wenig. Insgesamt anspruchloser, gnadenloser, frecher und auf den Punkt gebrachter Hochdruckrock wie man ihn vom Meister gerne wieder vermehrt hören würde.
Leute, die Herrn Jones erst seit ’Never Too Loud’ kennen, werden enttäuscht und/oder schockiert sein, langjährige Begleiter und Bewunderer des Künstlers hingegen begeistert. Ich habe meinen kurzweiligen Spass dran, schwelge dankend für diese B-Seiten in Erinnerungen an Konzerte und Spoken-Word Shows mit dem netten Halunken und buche die Sache mit verdienten 6.5 Punkten ab.
Wenn Danko die auf den B-Seiten vertretenen Stücke an den Schweizer Konzerten (21.3 Zürich Alte Börse, 22.3 Luzern Schüür) zum Besten gibt, bin ich gerne vorne Mittig anwesend.
Seit 6. Februar 2009 im Handel.
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Anspieltipps:
> The Rules
> I Like To Ball
> Choose Me
Diskographie:
> Born A Lion (2002)
> We Sweat Blood (2003)
> Sleep Is The Enemy (2006)
> Never Too Loud (2008)
> B-Sides (2009)
Ähnliche Künstler:
> AC/DC
> Kiss
> Turbonegro
> Psychopunch
> The Hives