Man hört ja allerlei grausige Geschichten über arme Teufel, die aufgrund psychischer Störungen den Verstand verlieren und entsprechend seltsame Sachen sehen, tun oder hören. Ich glaubte beim ersten Durchhören dieses Kunstwerks namens „Wow Twist“, dass die Schizophrenie mich nun endgültig übermannt hat und es sich bei diesem Etwas um akustische Halluzinationen handeln muss. Doch es gibt tatsächlich Leute, die mit Hilfe von Laptops akustischen Sondermüll produzieren, und noch schlimmer: Einige, zu denen ich mich zwischenzeitlich auch zähle, finden das Ganze auch noch lustig. Was muss man essen, um selbst auf solche Ideen zu kommen? Bestimmt keine Drogen…? Um etwas genauer zu werden: Dat Politics erschaffen mit ihren elektronischen Zauberkisten ganz kranke, kitschige, kindisch-dämliche, trotzdem tanzbare (gut, wer dazu ernsthaft tanzen will, hat definitiv einen an der Schüssel und wer dabei stillsitzt erst recht) Klangwelten zwischen Super Mario und Mickey Mouse. Abstrakte Beats von Chillout über Breakbeat bis House und Techno mit jenseitigen Samples, knapp ’besungen’ von einer grausam verzogenen, niedlichen Quietschstimme. Musik, die irgendwie zu einem japanischen Kindercomputerspiel passen würde, mit kleinen, bunten, runden Tierchen und Blümchen und so. Meistens knallt irgendein deftiger, minimalistischer, jedoch fesselnder Bass (dieser verhindert zumindest das Stillsitzen) durchs Stück, während aus allen Ecken sämtliche unvorstellbar schrägen Geräusche, quietschigen Stimmfetzen und hektischen Samples auf dich einprasseln. Zu all dem singt ab und zu eine auch nicht ganz koschere Männerstimme (Claude) Melodien oder Ähnliches. Konsumiert man diesen durchgeknallten Lachbenz von Platte per Kopfhörer und erkennt all die abartigen, versteckten Hintergrundgeräusche, so kann ich mir doch gut vorstellen, dabei einen Nervenzusammenbruch oder epileptischen Anfall aufgrund akustischer Überforderung zu geniessen. Wer hierbei nicht zum Zappelphilipp verkommt, muss entweder taub, schrecklich müde oder schwer depressiv sein. Und wer dieses Album mehr als fünf Mal nacheinander zu Gemüte führt und nicht Lust bekommt, dieser ständig quietschenden, kitschigen Säuselstimme (oder einem kleinen niedlichen Wesen, das mit einer solchen Stimme bestraft ist) den Hals umzudrehen, sollte zum Arzt gehen oder zumindest mal beginnen, den einen oder anderen Besen zu fressen. Mein Besenschrank ist bereits verdaut und ich geh’ nun los, um neue Besen zu kaufen.
Seit 7. April 2006 im Handel.
Anspieltipps: Viper Eyes, What’s DAT, Gravity, Dizzy Zip
Trackliste: 1) Viper Eyes; 2) Turn My Brain Off; 3) What’s DAT; 4) Gravity; 5) Dizzy Zip; 6) My Toshiba Is Alive; 7) Roll; 8) Fake Friend; 9) Wow Signal; 10) V.I.D.E.O Tape; 11) Flea Wheel Fest
similar Artists: Aphex Twin, Mouse on Mars
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Bio:
Im Jahre 1998 gründen Claude Pailliot, Gaetan Collet und Vincent Thierion Dat Politics. Die dem französisch-belgischen Grenzgebiet (genauer: Lille) entstammenden Studenten kennen sich seit der gemeinsamen Gymnasialzeit und hatten schon immer Spass an experimenteller elektronischer Musik. Dat Politics entstand aus dem Projekt Tone Rec, das bereits 3 Alben hervorbrachte. Während bei Tone Rec noch neben Elektronischem auch etwas Rock im Spiel war, setzte man bei Dat Politics nur noch auf die vielseitig verwendbaren Laptops. Trotzdem sehen sich Dat Politics als ’richtige Band’. 2001 gelang nach einem Festivalauftritt in Bourges nach mehreren Label-Wechseln der Deal mit Chicks On Speed Records. Ihre Liveauftritte sind jedenfalls von Japan bis in die Staaten berühmt-berüchtigt (22.5.06, Boschbar, Zürich!). ’Wow Twist’ ist bereits das sechste (und der Presse zufolge poppigste!) Werk der doch ziemlich kranken Franzosen.