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David Gray – Life In Slow Motion (2005)

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von Ivana Leiseder am Samstag, 1. Oktober 2005 in Neuerscheinungen   
Genre: Pop (Singer/Songwriter)
Label:
iht Records Ltd
CH-Vertrieb:
Warner Music
Unsere Wertung: David Gray – Life In Slow Motion (2005)

United Kingdom, 12 Points.
David Gray – Life In Slow Motion (2005) David Gray wagt auf seinem siebten Album eine Richtungsänderung - mit Erfolg.

Nach drei Jahren Pause meldet sich Everybody's Darling David Gray endlich wieder zurück – und wie! Vorbei sind die Zeiten der Do-It-Yourself-Musik, als er bloss mit Gitarre und gelegentlichem Piano spärlich instrumentierte Songs herbeizauberte. Vorbei sind auch die Laptop-Tage, während denen er auf den bis anhin erfolgreichsten Alben „White Ladder“ und „A New Day At Midnight“ akustische Elemente mit hausgemachten Loops und Beats zu Ohrenschmäusen verband. Auf dem neusten Werk, „Life In Slow Motion“, widmet sich der Troubadour erstmals der Opulenz (ohne jedoch ruhigere, akustische Songperlen zu vergessen) und entsendet grosse Streicher- und Bläserensembles und Piano zusammen mit Gitarre und seiner unvergleichlichen Charakterstimme, die der Musik ihre ganz eigene Note einer unterschwelligen, stets präsenten Melancholie verleiht, 'gen ungeahnte Höhen. Von verflossener Liebe singt man, von Sinnesfragen, von Abschied, persönlichen Schwierigkeiten, Abhängigkeit. Und dies wunderbar poetisch und herrlich pathetisch. Einfache, ja fast ein wenig einfältige Themen, die aber genau deswegen berühren. Man versteht und fühlt sich gleichermassen verstanden und schmiegt sich an den klingenden Flokati.
Toll klingt das, schlicht grossartig. Hier stimmt einfach alles: Satte Produktion, wunderschöne Melodien, stimmige Texte und – die Briten würden wohl sagen: mind-blowing vocals. Es mag wohl zuweilen vielleicht etwas zu herzzerreissend und zu schön sein, aber das tut dem Hörvergnügen keinen Abbruch. Für die Schreibende jedenfalls nicht. (Nun gut, man ist schliesslich auch nur eine Frau.) Einzig die tausendste Ode an Mr. Grays Lieblingsdroge Koks (oh doch: „All night buzz on a line / It’s only blood on the rime / Wrecks my head every time“) hätte nicht sein müssen, schliesslich gibt’s genug Dohertys. Grays sind für andere Dinge zuständig. Na ja, sei’s drum. Wie dem auch sei: Selten tat Musik so gut, selten war sie so ehrlich. Man möchte hier glatt mitträllern, die Welt umarmen und ihr zugleich den Rücken zukehren. Glückseligkeit und Trauer vereinen sich zu wundersamem Eingeständnis.
David Gray zeigt, dass nicht immer hyper-komplizierte Musik vonnöten ist, um zufrieden, ja glücklich zu sein. Auch Indie-/Alternative-/etc. Musikhörer wollen ab und an einfach nur zuhören – und halt 'mal schöne, überaus kitschige Mucke geniessen. (Nein, nein, es ist nicht peinlich.) Die kleine Welt der Rezensentin ist nach der Rezeption dieses Albums jedenfalls in Ordnung. Danke, David Gray.


Seit 12. September 2005 im Handel.

Anspieltipps: Alibi; Nos Da Cariad; Ain’t No Love
Trackliste: 1) Alibi; 2) The One I Love; 3) Lately; 4) Nos Da Cariad; 5) Slow Motion; 6) From Here You Can Almost See The Sea; 7) Ain’t No Love; 8) Hospital Food; 9) Now And Always; 10) Disappearing World
similar artists: Damien Rice, Ron Sexsmith, Maximilian Hecker, Gus Black, Eels, James Blunt

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > CH-Vertrieb

Bio:
David Gray wurde 1968 in Manchester geboren, wuchs in Wales auf und zog schliesslich des Studiums wegen nach Liverpool. An der Universität spielte er zunächst in einigen Punkbands, bevor er seinen eigenen Stil entdeckte und sich der Musik willen nach London begab, wo er von einem Label in Grossbritannien und den USA gesignt wurde. Relativ kurz nach Vertragsabschluss erschien bereits sein Debütalbum, „A Century Ends“ (1993), das auf ordentliches Interesse stiess. Eine Tour als Opening Act sowie eine Solotour folgten, bevor 1994 der Zweitling „Flesh“ veröffentlicht wurde. Die Resonanz auf das zweite Album war enttäuschend, sodass die beiden ursprünglichen Labels David Gray den Rücken zukehrten. EMI erkannte jedoch Grays Potential und signte ihn alsbald. Das nächste Album „Sell, Sell, Sell“ (1996) verkaufte sich trotz Touren mit Radiohead und Dave Matthews Band und entgegen dem hoffnungsvollen Titel ebenfalls reichlich schlecht, sodass schliesslich auch EMI den Künstler fallen liess. David Gray gründete darauf das Label iht, auf dem er 1998 sein viertes, selbst finanziertes und im Alleingang aufgenommenes und produziertes Album „White Ladder“ veröffentlichte. „White Ladder“ avancierte zu einem Riesenhit (das Multi-Platin-Album ist so in Irland bis heute das meist verkaufte Album aller Zeiten) und beschaffte David Gray endlich die verdiente Aufmerksamkeit. Das mit Loops und Beats versehene Singer/Songwriter-Album wurde von Kritikerlob überhäuft und David Gray wurde gar für den Grammy nominiert. Auf den internationalen Durchbruch folgte 2001 „The EPs 92-94“, 2002 das ebenfalls sehr erfolgreiche „A New Day At Midnight“ und 2005 nun „Life In Slow Motion“. Die erste Single daraus, „The One I Love“, hält sich in Grossbritannien seit Wochen in den Charts.
David Gray gehört heute zu den weltweit erfolgreichsten britischen Musikern und spielt in ausverkauften Hallen. (Randbemerkung: David Grays Konzerte sind äusserst empfehlenswert. Hingehen und staunen.)

David Gray – Life In Slow Motion (2005)
Diskographie:
> A Century Ends (1993)
> Flesh (1994)
> Sell, Sell, Sell (1996)
> White Ladder (1998)
> The EPs 92-94 (2001)
> A New Day At Midnight (2002)
> Life In Slow Motion (2005)


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