David Karsten Daniels bleibt ein Kauz. Die Songs sind
jedoch rauer und umfassender geworden. Und auch beim Cover hat er sich
ein bisschen mehr Mühe gegeben.
Da schreibt der gute Herr Daniels vier Alben und realisiert dann plötzlich, dass er vor 15 Jahren 'mal eine Nylon-String-Gitarre vom Papa bekommen hat. Schnell merkt er, dass die alte Laute noch bestens funktioniert und den neuen Songs von selbst einen sehr persönlichen, aber auch gröberen Charakter verleiht.
Die neue Platte gründet nämlich tief; religiöse, beinahe blasphemische Beobachtungen kreuzen sich mit dem grauen Alltag. Bei “Sharp Teeth“ war noch ein eher poppiger Ansatz auszumachen, bei “Fear Of Flying“ vertieft sich der Graben merklich stärker. “If you close your eyes, is there a sky?“, fragt er in “That Knot Unties?” und fügt der besagten Gitarre Bläser hinzu. Seine Stimme und Texte vernichten aber den ständigen Drang nach oben.
Ungewöhnlich cool beginnt „Falling Down“ mit Sprechgesang, wird später zu einem hymnenartigen Chor und endet in wilden Gitarrenorgien. Oberflächlich und vergleichsweise bunt geht es nur bei der Single “Martha Ann” und beim kurzen “Oh, Heaven Isn't Real” zu und her. “Heaven isn't real, it's just a little thing to make you fear, hell is alive, hell is alive...“ singt ein entfesselter Chor, der sich auf dem Weg zum Jüngsten Gericht bewegt.
Wären die meisten Songs nicht von der sehr Lo-Fi aufgenommenen und furchtbar traurigen Stimme getragen, würde bei diesem Album eine teilweise ausgelassene Stimmung zurückbleiben. Der Gesang ist in Stücken wie „Caretaker“ und „In My Child Mind You Were A Lion” aber richtiggehend deprimierend und erinnert an die alten Palace-Zeiten von Will Oldham und seinen Brüdern. Zusätzlich fügt er des Öfteren dieses abgehackte Flehen hinzu, das für den aufmerksamen Hörer nur schwer erträglich ist.
David Karsten Daniels macht keine Musik zum Geniessen, man stürzt mit ihm in Zweifel und Wiedersprüche, zwischen abgehobener Spiritualität und unmittelbarer Realität. Wer den richtigen Muntermacher hat oder von Grund auf ein Stehaufmännchen ist, sollte sich hinlegen und “Fear Of Flying” zulegen.
Seit 28. April 2008 im Handel.
Anspieltipps: That Knot Unties?, Martha Ann, Falling Down, Everytime A Baby Is Born
Trackliste: 1) Wheelchairs; 2) That Knot Unties?; 3) Martha Ann; 4) Falling Down; 5) A Myoclonic Jerk; 6) A New Garment; 7) Everytime A Baby Is Born; 8) Caretaker; 9) Oh, Heaven Isn't Real; 10) In My Child Mind You Were A Lion; 11) Evensong
similar artists: Will Oldham bzw.
Bonnie “Prince” Billy,
Sparklehorse, Chris Garneu, Vetiver,
Andrew Bird, Iron & Wine
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Bio:
Die fünfte Platte des Songwriters David Karsten Daniels aus Seattle wurde erneut mit Hilfe von zahlreichen Freunden bei ihm zuhause aufgenommen. Als Kind sang er in einer Schuljazzband, später übte er sich an der Universität in Komposition und freier Improvisation. Er spielte darauf in verschiedenen Bands wie Fool's Cap und Go*Machine und gründete mit den beiden Go*Machine-Musikern Alex lazara und Daniel Hart sowie Perry Wright das Bu Hanan Collective.