Genre: Country | Label: Irascible | Unsere Wertung: 5.0/10
Ein richtiger Cowboy bleibt dranDie Outlaw-Country-Bewegung hatte sich bereits Mitte der 1970er-Jahre überlebt. Ihre Funktion, das Diktat der Pop-Country-Produzenten von Nashville zu brechen, war erfüllt. Wenn sich Deathrope jetzt auf den Begriff Outlaw-Country berufen, basiert das offenbar in Unkenntnis der Musikgeschichte. Ist das schlimm?
Johnny Cash, Willie Nelson und Waylon Jennings entdeckten für sich die Wurzeln der Country-Musik. Sie spielten einfach und rau, und sie sangen (auch) über die Aussenseiter der Gesellschaft. Musiker wie David Allen Coe wussten nur zu gut, wovon sie sprachen, wenn es um Gefängnisaufenthalte ging. (mehr dazu auch in unserem Genre Guide zum Outlaw Country)
Die Protagonisten der Outlaw-Country-Bewegung verpassten der Country-Musik neue Akzente. Bei Deathrope ist das Label Outlaw nicht mehr als Maskerade: Die einen tragen ihre Camouflage-Hose, Deathrope den Kapselrevolver im Halfter. Die Helden des Trios haben immer die Knarre dabei, singen von Cowboys und Sheriffs, vom Hängen und davon, dass jemand ihre Scheune niederbrennt. Das ist – wenn auch mit negativem Vorzeichen – nicht anders als bei der rückwärtsgewandten heimischen Volksmusik, deren Leben sich vor allem auf der Alm abspielt; oder eben ein bisschen Maskenball. Deathrope spinnen nicht die Musik weiter, sondern nur das Klischee des US-amerikanischen Outcasts von vorgestern. Aber auch das kann durchaus amüsant sein.
Und da Deathrope (die sich mit einem selbst erfundenen Wort benennen, mit dem sie den im Englischen tatsächlich «rogue» heissenden Galgenstrick bezeichnen) nicht stilecht sein müssen, stört auch nicht, dass sie sich die Country-Inspiration eher von der Filmmusik der Italo-Western holen als von den Originalen.
Dass das Trio seine Musik eher auf den Tanzboden zuschneidet und auch rockig ist, ist nicht nur erlaubt, sondern geradezu willkommen. Denn man hört Deathrope zu einigen Bieren und nicht wegen ausgefeilter Arrangements oder um sich von ihren Texten zum Nachdenken über das Leben anregen zu lassen. Insofern sind Deathrope sicher ein willkommenes Mitglied der Szene, die sich der wie auch immer gearteten Country-Musik verschrieben hat. Die gesetzten Hörer wippen auf dem Country-Festival zu Truck Stop, ihre Kinder hüpfen zu Deathrope. Und wenn sie noch ein wenig älter, etwas weniger wild und gleich seicht sein werden, schaffen es die Langnauer wenigstens zur Vorausscheidung zum Songcontest, zu der sie beim letzten Mal vergeblich geritten sind. Ein richtiger Cowboy bleibt dran.
Seit 10. Dezember 2010 im Handel.
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Diskographie:
> Hang 'Em High (2010)
> Bloody Tales EP (2009)
Ähnliche Künstler:
> Boss Hoss
» 6 Kommentare
1"Pheimi" am Dienstag, 25. Januar 2011 13:47
Fast gleichzeitig hat Count Gabba sein Album 'Country Noir' veröffentlicht. Diverse Medien berichteten über eine neue Swiss Americana Welle. @ The Noise: Kennst du das Count Gabba Album? Wenn ja, was hälst du davon?
2Kommentar am Donnerstag, 27. Januar 2011 19:48
Ich kenne das Album nicht und habe jetzt schnell reingehört. Der erste Eindruck in Stichpunkten: klingt gut - Versatzstücke, die an den frühen Tom Waits erinnern und die auch andere schon lange kultivieren (Dead Brothers) - das Etikett \\\"noir\\\" finde ich irreführend, dafür ist mir die Musik zu wenig düster und abründig, mitunter auch zu schnell. Sowei die Blitzeinschätzung. Im Moment sieht es nicht danach aus, aber vielleicht finde ich ja doch noch die Zeit, mich eingehender mit dem Album zu beschäftigenn.
3"Pheimi" am Freitag, 28. Januar 2011 11:29
@ The Noise: Danke für dein Feedback. Ich find das Album stark - überraschend stark. Es fällt mir einfach auf, dass Deathrope und Count Gabba medial immer wieder in den gleichen Topf geschossen werden oder gleichzeitig reviewt werden. Vielleicht findest du ja noch die Zeit ...
4Kommentar am Freitag, 28. Januar 2011 19:11
Beide haben Country-Einflüsse (was wohl eine sehr oberflächliche Beziehung darstellt) und die Alben sind praktisch gleichzeitig veröffentlicht worden. Auf Neuigeiten fixierte Medien besprechen sie dann eben in der gleichen Zeit. Inwieweit sie vergleichbar sind, kann ich nicht sagen, weil ich erst eines der beiden Alben eingehend gehört habe.
5Kommentar am Freitag, 11. Februar 2011 14:00
Ich finde Deathrope lustig, vor allem das Video auf ihrer Website.... Köstllich
6Kommentar am Freitag, 18. Februar 2011 12:03
ich habe deathrope schon mehrmals live gesehen und kenne ihr album. ebenfalls verstehe ich auch etwas von musik, was man von der schreiberin des berichts hier leider nicht sagen kann. die band spielt sehr wohl outlaw country, erlaubt sich auf kreative weise dem begriff weitere elemente beizufügen. ist das schlimm? hmm.. glaubs wer sich dran stört muss ja wirklich ein engstirniger bünzli sein. man merkt, dass den jungs der spass an der sache wichtig ist und das strahlen sie auch aus. apropos haben sie auch nichts mit maskerade oder truck stop zu tun, werte schreiberin, hören sie doch nochmals genau das album durch, bevor sie mit so blödsinn den lesern hier die zeit stehlen. jeder weiss, dass hang em high ein album ist, welches sich konzeptuell auf die alten sergio leone spaghetti western bezieht: deathrope erzählen geschichten. und natürlich ist DEATHROPE ein erfundenes wort, schön dass die schreiberin dies auch gemerkt hat (Metallica? Beatles? Pantera?). Liebe Grüsse, Barbarella
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